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Anfrage Walter Schoch, Bauma, betreffend geringe Erfolgsquote bei Lehrabschlussprüfungen, Beantwortung

Auszug aus dem Protokoll des Regierungsrates des Kantons Zürich KR-Nr. 12/2015

Sitzung vom 25. März 2015

286. Anfrage (Geringe Erfolgsquote bei Lehrabschlussprüfungen) Kantonsrat Walter Schoch, Bauma, hat am 12. Januar 2015 folgende An- frage eingereicht: In den vergangenen Jahren haben sich Lernende zunehmend über die hohe Durchfallquote bei Lehrabschlussprüfungen (LAP) beklagt. So fie- len insbesondere bei den Elektroinstallateuren EFZ in gewissen Prüfungs- kreisen mehr als 20% der Kandidatinnen oder Kandidaten durch die LAP und konnten folglich das Eidgenössische Fähigkeitszeugnis nicht erlan- gen. Bei den Repetentenklassen lag die Durchfallquote noch höher. Sind Jugendliche motiviert, eine Berufsausbildung in Angriff zu neh- men, bei der die Wahrscheinlichkeit im ersten Anlauf zu reüssieren, kaum bei 80% liegt? Derart tiefe Erfolgsquoten sind sowohl für die Lernen- den, die vier wertvolle Jahre ihrer Jugend in die Berufsausbildung inves- tieren, als auch für die Arbeitgeber sehr unbefriedigend und frustrierend. Darüber hinaus stellen sich natürlich Fragen zur Effizienz des Ausbil- dungssystems und den damit verbundenen wirtschaftlichen und sozia- len Auswirkungen. Unser duales Berufsbildungssystem wird wohl zu Recht stets hoch ge- lobt, aber solch hohe Durchfallquoten lassen eindeutig auf vorhandene Defizite schliessen. Ich bitte den Regierungsrat um Beantwortung folgender Fragen:

Erwägungen

1. Ist dem Regierungsrat die genannte Problematik bekannt? Wenn ja, was hat er bis anhin unternommen, die Situation zu verbessern?

2. Wie hoch waren im Kanton Zürich (aufgeschlüsselt nach Prüfungs- kreisen) die Durchfallquoten bei LAP für Elektroinstallateure EFZ in den vergangenen zehn Jahren?

3. Wie sind die Durchfallquoten bei den LAP für Elektroinstallateure EFZ im Kanton Zürich im Vergleich mit den anderen Kantonen im gleichen Zeitraum einzuordnen? Wie lassen sich die allenfalls tieferen oder höheren Durchfallquoten in andern Kantonen erklären?

4. Wie hoch liegen die Durchfallquoten im Kanton Zürich bei den LAP anderer einschlägiger Berufsausbildungen mit vierjähriger Dauer und vergleichbaren Anforderungen in den vergangenen zehn Jahren? Zum Beispiel: Automobil-Mechatroniker/in EFZ, Polymechaniker/in EFZ, Elektroniker/in EFZ, Schreiner/in EFZ und Landmaschinen- mechaniker/in EFZ.

5. Wo liegen nach Einschätzung des Regierungsrates die wirklichen Ur- sachen für die viel zu tiefen Erfolgsquoten bei den LAP bestimmter Berufe?

6. Öfters bleibt der Erfolg bei den LAP nicht wegen eines ungenügenden Notendurchschnitts, sondern wegen einer Fallnote aus. Sind diesbezüg- lich Änderungen beim Prüfungsverfahren geplant? Wenn ja, welche?

7. Welche weiteren konkreten Massnahmen ergreift der Regierungsrat in Zukunft zur Verbesserung der Effizienz in der Berufsausbildung (überbetriebliche Ausbildung gehört dazu) und wie will der Regierungs- rat die hohen Durchfallquoten bei den LAP in einen vernünftigen Be- reich bringen?

Dispositiv

Auf Antrag der Bildungsdirektion beschliesst der Regierungsrat:

I. Die Anfrage Walter Schoch, Bauma, wird wie folgt beantwortet: Zu Frage 1: Lernende, die eine berufliche Grundbildung durchlaufen haben, sollen diese grundsätzlich auch erfolgreich abschliessen können. Hohe Durch- fallquoten an der Lehrabschlussprüfung geben daher Anlass zu Sorge. Die Erfolgsquote der Lehrabschlussprüfung aller Berufe im Kanton Zürich ist stabil. 2014 betrug sie 90,6%, 2013 waren es 91,0% und 2012 91,2%. In einzelnen Berufen, unter anderem in den beruflichen Grundbildun- gen Elektroinstallateurin bzw. Elektroinstallateur mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis (EFZ) und Automobil-Mechatronikerin bzw. Auto- mobil-Mechatroniker EFZ, liegen die Durchfallquoten deutlich höher. In diesen Fällen sucht das Mittelschul- und Berufsbildungsamt (MBA) gemeinsam mit Vertretungen der Organisationen der Arbeitswelt (OdA), der Berufsfachschulen und der Prüfungskommission nach den möglichen Ursachen und erarbeitet Massnahmen. Zu Frage 2: Die Verordnung des Staatsekretariates für Bildung, Forschung und In- novation (SBFI) über die berufliche Grundbildung Elektroinstallateu- rin bzw. Elektroinstallateur mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis (EFZ) (SR 412.101.220.45) trat am 1. Januar 2007 in Kraft. Das erste Qualifi- kationsverfahren nach der neuen Verordnung wurde 2011 durchgeführt. Da mit der neuen Bildungsverordnung Bestehensnormen und Qualifi-

kationsverfahren geändert haben, sind die Zahlen der letzten zehn Jahre nicht vergleichbar, weshalb nur die Zahlen ab dem Jahr 2011 aufgeführt werden. Sie beziehen sich auf den ganzen Kanton, da es keine Prüfungs- kreise gibt. Tabelle 1: Durchfallquoten berufliche Grundbildung Elektroinstalla- teurin bzw. Elektroinstallateur EFZ im Kanton Zürich 2011 2012 2013 2014 17% 21% 18% 27% Quelle: Datenbank Kompass, Januar 2015

Zu Frage 3: Die gesamtschweizerische Durchfallquote für die berufliche Grund- bildung Elektroinstallateurin bzw. Elektroinstallateur EFZ lag gemäss Bundesamt für Statistik (BFS) 2013 bei 21%. Der Vergleich der Durch- fallquoten verschiedener Kantone sieht wie folgt aus: Tabelle 2: Vergleich der Durchfallquoten Elektroinstallateurin bzw. Elektroinstallateur EFZ 2013 Kanton Kanton Kanton Kanton Kanton Zürich St. Gallen Thurgau Glarus Graubünden 18% 14% 28% 12% 6% Quelle: BFS, Januar 2015

Tabelle 3: Gemittelte Durchfallquoten Elektroinstallateurin bzw. Elek- troinstallateur EFZ im 4-Jahres-Vergleich (2011–2014) Kanton Kanton Kanton Kanton Kanton Zürich St. Gallen Thurgau Glarus Graubünden 21% 16% 22% 10% 12% Die Analyse der Durchfallquoten in den einzelnen Kantonen lässt keine eindeutigen Schlüsse bezüglich der Ursachen zu. Im Kanton Zü- rich liegt die Misserfolgsursache überproportional stark in einer ungenü- genden Note in der theoretischen Berufskundenote. In anderen Kanto- nen liegt die Misserfolgsursache dagegen öfters in einer ungenügenden Note in der praktischen Arbeit. Zu Frage 4: Die Durchfallquoten der zum Vergleich herangezogenen Berufe wer- den erst ab dem Jahr aufgelistet, in dem das Qualifikationsverfahren nach der jeweils neuen Bildungsverordnung durchgeführt wurde. Im Beruf Schreinerin bzw. Schreiner EFZ wird erst 2018 nach der neuen Bildungs- verordnung geprüft. Deshalb wird auf die Auflistung der Durchfallquo- ten in diesem Beruf verzichtet.

Tabelle 4: Durchfallquoten ausgewählter Berufe im Vergleich im Kan- ton Zürich 2011 2012 2013 2014 Automobil-Mechatronikerin bzw. 19,2% 25,7% 21,1% 20,1% Automobil-Mechatroniker EFZ Polymechanikerin bzw. 0% 3,6% 0% Polymechaniker EFZ, Niveau E Elektronikerin bzw. 2,6% 4,6% 7,7% Elektroniker EFZ, Niveau E Landmaschinenmechanikerin bzw. 0% 0% 14,3% 7,7% Landmaschinenmechaniker EFZ Neben dem Beruf Elektroinstallateurin bzw. Elektroinstallateur EFZ kennt von den aufgeführten Berufen nur der Beruf Automobil-Mecha- tronikerin bzw. Automobil-Mechatroniker EFZ eine reine Berufskunde- prüfung. Bei den anderen Berufen zählen auch die vorgezogenen Teil- prüfungen. In den Berufen Elektronikerin bzw. Elektroniker EFZ sowie Polymechanikerin bzw. Polymechaniker EFZ wird neben einer Berufs- kundeprüfung auch die Erfahrungsnote aus vier Jahren Berufskunde- unterricht in die Berufskundenote eingerechnet. Aus dem genannten Vergleich kann der Schluss gezogen werden, dass eine reine Berufskun- deprüfung zu erhöhten Durchfallquoten führt. Zu Frage 5: Da jeder Beruf über eigene Bestehensnormen für das Qualifikations- verfahren verfügt, müssen die Ursachen für tiefe Erfolgsquoten berufs- bezogen untersucht werden. In einigen Berufen scheitern die Jugendlichen mehr an den theoretischen Anforderungen, in andern an den prakti- schen. Sprunghafte Veränderungen bei der Erfolgsquote in einem Beruf können insbesondere auch aufgrund des Neuerlasses einer Bildungs- verordnung erfolgen. Zu Frage 6: Die Prüfungsanforderungen und Bestehensnormen für das Qualifika- tionsverfahren werden in den Bildungsverordnungen bzw. den Bildungs- plänen der verschiedenen beruflichen Grundbildungen festgelegt. Der Kanton hat diesbezüglich keinen Regelungsspielraum. Zu Frage 7: Neben der Erfolgsquote der Lehrabschlussprüfungen ist auch die Ab- schlussquote insgesamt, also die Anzahl von Personen eines Jahrgangs, die einen Abschluss erwerben, zu berücksichtigen. In den bildungspoli- tischen Zielen 2011 haben Bund und Kantone gemeinsam bekräftigt,

dass 95% aller 25-Jährigen über einen Abschluss auf Sekundarstufe II verfügen sollten. Im Kanton Zürich verfügen gemäss Lehrstellenbericht 2012 rund 86% eines Jahrganges über einen Abschluss auf Sekundar- stufe II. Dieser Wert liegt rund 3% unter dem gesamtschweizerischen Durchschnitt. Mit dem Projekt des MBA zur «Erhöhung der Erfolgschancen für einen Abschluss auf Sekundarstufe II» wird angestrebt, die Unterstüt- zungs- und Begleitmassnahmen an der Nahtstelle zwischen obligatori- scher Schule und Sekundarstufe II zu verbessern und berufsübergreifend Instrumente und Massnahmen zu entwickeln, welche die Erfolgsquote an den Qualifikationsverfahren erhöhen sollen. Die Überprüfung der eingeleiteten Massnahmen wird im Rahmen des nächsten Lehrstellen- berichtes, voraussichtlich 2015, erfolgen.

II. Mitteilung an die Mitglieder des Kantonsrates und des Regierungs- rates sowie an die Bildungsdirektion.

Vor dem Regierungsrat Der Staatsschreiber: Husi

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