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214.2.1

Ausführungsgesetz zum Bundesgesetz über das bäuerliche Bodenrecht

(AGBGBB)

vom 28.09.1993 (Fassung in Kraft getreten am 01.09.2023)

Präambel

Bäuerliches Bodenrecht – G

Der Grosse Rat des Kantons Freiburg

gestützt auf das Bundesgesetz vom 4. Oktober 1991 über das bäuerliche Bodenrecht (BGBB);

nach Einsicht in die Botschaft des Staatsrates vom 17. August 1993;

auf Antrag dieser Behörde,

beschliesst:

1 Vorkaufsrechte (Art. 56 BGBB[1])

Art. 1 Bodenverbesserungen

Die Bodenverbesserungskörperschaften haben ein Vorkaufsrecht an den landwirtschaftlichen Grundstücken, die in ihrem Perimeter liegen, sofern der Erwerb dem Zweck der Körperschaft dient.

Art. 2 Alpen und Weiden

Die Gemeinden haben ein Vorkaufsrecht an den ganz oder zu einem grossen Teil auf ihrem Gebiet gelegenen Alpen und Weiden, die gemäss dem landwirtschaftlichen Produktionskataster zum Berggebiet oder zur voralpinen Hügelzone gehören.

Das Vorkaufsrecht kann nicht geltend gemacht werden, wenn der Kaufvertrag mit einer im Kanton wohnhaften Selbstbewirtschafterin oder einem im Kanton wohnhaften Selbstbewirtschafter abgeschlossen wird.

Art. 3 Rangordnung

Das Vorkaufsrecht der Bodenverbesserungskörperschaften geht demjenigen der Gemeinden vor.

2 Behörden und Befugnisse (Art. 90 BGBB[2])

Art. 4 Kantonale Behörde für Grundstückverkehr – Befugnisse

Die Kantonale Behörde für Grundstückverkehr ist die für die Anwendung des Bundesgesetzes über das bäuerliche Bodenrecht[3] zuständige Behörde. Sie übt alle Befugnisse aus, die dieses Gesetz nicht einer anderen Behörde überträgt.

Sie ist insbesondere zuständig:

  1. eine Bewilligung nach den Artikeln 60 (Bewilligung zur Aufteilung eines landwirtschaftlichen Gewerbes und zur Zerstückelung) und 61 BGBB[4] (Bewilligung zum Erwerb eines landwirtschaftlichen Gewerbes oder Grundstücks) zu erteilen;
  2. eine Bewilligung nach Artikel 76 Abs. 2 BGBB[5] zu erteilen (Darlehen, die die Belastungsgrenze übersteigen);
  3. die Anmerkungen nach Artikel 86 BGBB[6] zu verlangen;
  4. den Ertragswert zu schätzen oder die Schätzung des Ertragswerts zu genehmigen (Art. 87 BGBB[7]);
  5. Feststellungsverfügungen nach Artikel 7 BGBB[8] zu erlassen.

Ist die Veräusserung eines öffentlichen Waldes oder die Teilung eines Waldes einer Bewilligung gemäss dem BGBB[9] unterstellt, so holt die Kantonale Behörde für Grundstückverkehr die Stellungnahme des Amtes für Wald und Natur ein.

Die Kantonale Behörde für Grundstückverkehr entscheidet in allen Angelegenheiten, die nicht in den Zuständigkeitsbereich der Präsidentin oder des Präsidenten fallen.

Die Präsidentin oder der Präsident ist zuständig, wenn die Bedingungen für eine Genehmigung offensichtlich erfüllt oder offensichtlich nicht erfüllt sind, oder wenn der zu treffende Entscheid auf einem Grundsatzentscheid der Kantonalen Behörde für Grundstückverkehr beruht.

Art. 5 Kantonale Behörde für Grundstückverkehr – Zusammensetzung

Die Kantonale Behörde für Grundstückverkehr setzt sich aus einer Präsidentin oder einem Präsidenten und acht Mitgliedern zusammen. Zwei Mitglieder vertreten die nichtlandwirtschaftlichen Kreise.

Sie ist der für die Landwirtschaft zuständigen Direktion[10] (die Direktion) administrativ zugewiesen.

Die Präsidentin oder der Präsident und die Mitglieder werden vom Grossen Rat auf Antrag des Staatsrats ernannt. Dieser ernennt ein Mitglied zur Vizepräsidentin oder zum Vizepräsidenten.

Der Staatsrat ernennt zudem eine Sekretärin oder einen Sekretär und eine stellvertretende Sekretärin oder einen stellvertretenden Sekretär. 

Art. 5a Kantonale Behörde für Grundstückverkehr – Zugang zu den Personendaten und deren Bearbeitung

Die Mitglieder der Kantonalen Behörde für Grundstückverkehr haben Zugang zu den Daten der gesamten Dossiers, die ihr unterbreitet werden, und können diese bearbeiten.

Art. 6 Kantonale Behörde für Grundstückverkehr – Verfahren

Das Verfahren richtet sich, unter Vorbehalt von Artikel 83 Abs. 1 und 2 BGBB[11] sowie der folgenden Absätze, nach dem Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege.

Die Kantonale Behörde für Grundstückverkehr instruiert die an sie gerichteten Gesuche selbst. Sie kann ihre Präsidentin oder ihren Präsidenten, die Sekretärin oder den Sekretär, ein anderes Mitglied und/oder eine Mitarbeiterin oder einen Mitarbeiter mit dieser Aufgabe betrauen.

Die Gesuchstellerin oder der Gesuchsteller kann verpflichtet werden, eine Anzahlung an die Instruktionskosten zu leisten.

Art. 7 Kantonale Behörde für Grundstückverkehr – Gebühren

Der Staatsrat setzt die von der Kantonalen Behörde für Grundstückverkehr erhobenen Gebühren fest.

Bei der Berechnung der Gebühren kann die Kantonale Behörde für Grundstückverkehr den Erwerbspreis bzw. den Wert der landwirtschaftlichen Grundstücke oder Gewerbe berücksichtigen.

Art. 9 Direktion

Die Direktion ist die in Artikel 83 Abs. 3 BGBB[12] vorgesehene Aufsichtsbehörde. Sie kann die Entscheide der Kantonalen Behörde für Grundstückverkehr mit Beschwerde anfechten.

Art. 11 Beschwerde

Die in Anwendung dieses Gesetzes gefällten Entscheide sind mit Beschwerde gemäss dem Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege[13] anfechtbar.

3 Schlussbestimmungen

Art. 12 Aufhebung bisherigen Rechts

Es werden aufgehoben:

  1. das Einführungsgesetz vom 25. November 1952 zum Bundesgesetz vom 12. Juni 1951 über die Erhaltung des bäuerlichen Grundbesitzes (SGF 214.2.1);
  2. die Ausführungsverordnung vom 8. Januar und 2. März 1954 betreffend das Einführungsgesetz vom 25. November 1952 zum Bundesgesetz vom 12. Juni 1951 über die Erhaltung des bäuerlichen Grundbesitzes (SGF 214.2.11);
  3. der Beschluss vom 30. Juli 1948 zur Einführung des Bundesgesetzes vom 12. Dezember 1940 über die Entschuldung landwirtschaftlicher Heimwesen (SGF 214.2.41).

Art. 13 Änderung bisherigen Rechts

Das Einführungsgesetz vom 22. November 1911 zum Schweizerischen Zivilgesetzbuch für den Kanton Freiburg (SGF 210.1) wird wie folgt geändert:

Das Gesetz vom 4. Mai 1934 betreffend die Einregistrierungsgebühren (SGF 635.2.1) wird wie folgt geändert:

Art. 14 Inkrafttreten

Der Staatsrat wird mit dem Vollzug dieses Gesetzes beauftragt, das am 1. Januar 1994 in Kraft tritt.

Egress

Genehmigung

 

Dieses Gesetz ist vom Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartement am 27.01.1994 genehmigt worden.

BL/AGS 1993 f 442 / d 445

Änderungstabelle – Nach Beschlussdatum

Beschluss Berührtes Element Änderungstyp Inkrafttreten Quelle (ASF seit 2002)
28.09.1993 Erlass Grunderlass 01.01.1994 BL/AGS 1993 f 442 / d 445
02.03.1999 Art. 4 geändert 01.11.1999 BL/AGS 1999 f 58 / d 59
14.11.2002 Art. 4 geändert 01.01.2003 2002_120
14.11.2002 Art. 4 geändert 01.01.2003 2002_120
14.11.2002 Art. 5 geändert 01.01.2003 2002_120
14.11.2002 Art. 7 geändert 01.01.2003 2002_120
14.11.2002 Art. 8 geändert 01.01.2003 2002_120
14.11.2002 Art. 9 geändert 01.01.2003 2002_120
14.11.2002 Art. 10 aufgehoben 01.01.2003 2002_120
14.11.2002 Art. 11 geändert 01.01.2003 2002_120
03.10.2006 Art. 4 geändert 01.03.2007 2006_111
03.10.2006 Art. 8 aufgehoben 01.03.2007 2006_111
02.04.2019 Art. 4 Abs. 2bis geändert 01.04.2019 2019_023
27.06.2023 Art. 2 Abs. 2 geändert 01.09.2023 2023_057
27.06.2023 Art. 4 Abs. 2, e) eingefügt 01.09.2023 2023_057
27.06.2023 Art. 4 Abs. 3 geändert 01.09.2023 2023_057
27.06.2023 Art. 4 Abs. 4 eingefügt 01.09.2023 2023_057
27.06.2023 Art. 5 Abs. 1 geändert 01.09.2023 2023_057
27.06.2023 Art. 5 Abs. 3 geändert 01.09.2023 2023_057
27.06.2023 Art. 5 Abs. 4 geändert 01.09.2023 2023_057
27.06.2023 Art. 5a eingefügt 01.09.2023 2023_057
27.06.2023 Art. 6 Abs. 2 geändert 01.09.2023 2023_057
27.06.2023 Art. 6 Abs. 3 geändert 01.09.2023 2023_057
27.06.2023 Art. 7 Abs. 2 geändert 01.09.2023 2023_057

Änderungstabelle – Nach Artikel

Berührtes Element Änderungstyp Beschluss Inkrafttreten Quelle (ASF seit 2002)
Erlass Grunderlass 28.09.1993 01.01.1994 BL/AGS 1993 f 442 / d 445
Art. 2 Abs. 2 geändert 27.06.2023 01.09.2023 2023_057
Art. 4 geändert 02.03.1999 01.11.1999 BL/AGS 1999 f 58 / d 59
Art. 4 geändert 14.11.2002 01.01.2003 2002_120
Art. 4 geändert 14.11.2002 01.01.2003 2002_120
Art. 4 geändert 03.10.2006 01.03.2007 2006_111
Art. 4 Abs. 2, e) eingefügt 27.06.2023 01.09.2023 2023_057
Art. 4 Abs. 2bis geändert 02.04.2019 01.04.2019 2019_023
Art. 4 Abs. 3 geändert 27.06.2023 01.09.2023 2023_057
Art. 4 Abs. 4 eingefügt 27.06.2023 01.09.2023 2023_057
Art. 5 geändert 14.11.2002 01.01.2003 2002_120
Art. 5 Abs. 1 geändert 27.06.2023 01.09.2023 2023_057
Art. 5 Abs. 3 geändert 27.06.2023 01.09.2023 2023_057
Art. 5 Abs. 4 geändert 27.06.2023 01.09.2023 2023_057
Art. 5a eingefügt 27.06.2023 01.09.2023 2023_057
Art. 6 Abs. 2 geändert 27.06.2023 01.09.2023 2023_057
Art. 6 Abs. 3 geändert 27.06.2023 01.09.2023 2023_057
Art. 7 geändert 14.11.2002 01.01.2003 2002_120
Art. 7 Abs. 2 geändert 27.06.2023 01.09.2023 2023_057
Art. 8 geändert 14.11.2002 01.01.2003 2002_120
Art. 8 aufgehoben 03.10.2006 01.03.2007 2006_111
Art. 9 geändert 14.11.2002 01.01.2003 2002_120
Art. 10 aufgehoben 14.11.2002 01.01.2003 2002_120
Art. 11 geändert 14.11.2002 01.01.2003 2002_120