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Gesetz über die Rechtsstellung der obersten Verwaltungs- und Gerichtsbehörden

(Behördengesetz, BehG)

vom 17.11.1970 (Stand 01.06.2023)

Präambel

Der Grosse Rat des Kantons Luzern,

nach Einsicht in die Botschaft des Regierungsrates vom 13. Juli 1970[1]*

beschliesst:

Art. 1 * Geltungsbereich

Das Gesetz gilt für die Regierungsräte und die voll- und hauptamtlichen Richter des Kantonsgerichtes. Auf die Ersatzrichter und die Fachrichter des Kantonsgerichtes ist das Personalgesetz vom 26. Juni 2001[2] anwendbar.

Vorbehalten wird der erweiterte Geltungsbereich gemäss § 12.

Art. 2 * Vollamt, Beschäftigungsgrad

Die Regierungsräte stehen im vollamtlichen Staatsdienst. Der Beschäftigungsgrad der Richter des Kantonsgerichtes bestimmt sich nach § 14 des Justizgesetzes vom 10. Mai 2010[3]*

Die Behördenmitglieder übernehmen keine anderen Aufgaben, die mit der Arbeitslast oder Stellung ihres Amtes nicht vereinbar sind.

Art. 3 * Unvereinbarkeit a. Andere Erwerbstätigkeit

Die Regierungsräte und die vollamtlichen Richter des Kantonsgerichtes dürfen keine andere Erwerbstätigkeit ausüben.

Vorbehalten bleiben für die Richter die Vorschriften von § 12 des Justizgesetzes über die Nebenbeschäftigungen.

Im Übrigen gelten die Unvereinbarkeitsgründe gemäss der Verfassung[4] und besondere Gesetzesbestimmungen.

Art. 4 b. Erwerbsunternehmungen

Die Behördenmitglieder dürfen nicht der Verwaltung, Geschäftsleitung oder Kontrollstelle von privatrechtlichen Unternehmungen angehören, die einen Erwerb bezwecken.

Wenn es im öffentlichen Interesse liegt, kann der Regierungsrat Behördenmitglieder ermächtigen, Organen privatrechtlicher Unternehmungen anzugehören; er meldet diese Fälle der Aufsichts- und Kontrollkommission[5] des Kantonsrates[6]*

Art. 5 * c. Bundesversammlung

Der Schweizerischen Bundesversammlung dürfen nicht mehr als zwei Regierungsräte und zwei Richter des Kantonsgerichtes angehören.

Werden gleichzeitig mehr als zwei Regierungsräte oder zwei Richter des Kantonsgerichtes in die Bundesversammlung gewählt, entscheidet nötigenfalls das Los, wer die Wahl annehmen und gleichzeitig im Regierungsrat oder im Kantonsgericht verbleiben kann.

Art. 6 * d. Behandlung von Unvereinbarkeitsfällen

Der Kantonsrat ist zuständig für die Behandlung von Unvereinbarkeitsfällen bei Mitgliedern des Regierungsrates.

Das Kantonsgericht ist zuständig für die Behandlung von Unvereinbarkeitsfällen bei seinen Mitgliedern. *

Die Vorschriften des Stimmrechtsgesetzes vom 25. Oktober 1988[7] über die Behandlung von Unvereinbarkeitsfällen sind sinngemäss anwendbar.

Art. 7 * Eid und Gelübde

Die Behördenmitglieder leisten vor Amtsantritt den Eid oder das Gelübde vor dem Kantonsrat.

Nach Wiederwahlen ist kein neuer Eid und kein neues Gelübde abzulegen.

Art. 8 Ausübung des Amtes

Die Behördenmitglieder erfüllen die Pflichten ihres Amtes nach den geltenden Vorschriften; sie übernehmen die amtlichen Aufgaben, die ihre Behörde ihnen überträgt.

Die Behördenmitglieder haben an den Sitzungen ihrer Behörde teilzunehmen. Die Behörde oder in dringenden Fällen der Vorsitzende kann aus wichtigen Gründen für einzelne Sitzungen Urlaub erteilen.

Anstände wegen der Amtspflichten erledigt die Behörde, der das Mitglied angehört.

Für Behördenmitglieder, die während der Amtsdauer zurücktreten wollen, gilt § 157 des Stimmrechtsgesetzes. Der Kantonsrat entscheidet über das Gesuch. *

Art. 9 Amtsgeheimnis

Die Behördenmitglieder sind in amtlichen Angelegenheiten, die nach ihrer Natur oder gemäss besonderer Vorschrift geheim sind, zur Verschwiegenheit verpflichtet. Unter das Amtsgeheimnis fallen auch die Äusserungen und die Stimmabgabe der einzelnen Mitglieder in den geheimen Verhandlungen ihrer Behörde.

Das Amtsgeheimnis ist auch nach dem Ausscheiden aus dem Amt zu wahren.

Über Gegenstände seines Amtsgeheimnisses darf ein Behördenmitglied in Strafuntersuchungen, gerichtlichen Verfahren und Verwaltungsverfahren nur mit Zustimmung seiner Behörde als Zeuge, Partei oder Auskunftsperson aussagen oder Akten herausgeben.

Gegenüber der Aufsichts- und Kontrollkommission des Kantonsrates hat ein Behördenmitglied gemäss § 27c des Gesetzes über die Organisation und Geschäftsführung des Kantonsrates vom 28. Juni 1976[8] ohne Zustimmung seiner Behörde Auskunft zu erteilen und Akten herauszugeben. *

Art. 12 * Rechtsschutz

Wird gegen ein Mitglied des Regierungsrates oder gegen einen Richter des Kantonsgerichtes im Zusammenhang mit seiner Amtstätigkeit ein gerichtliches Verfahren eingeleitet oder sehen sich diese aus dem gleichen Grund veranlasst, gegen jemanden gerichtlich vorzugehen, kann ihnen Rechtsschutz gewährt werden. *

Über die Gewährung und den Umfang des Rechtsschutzes entscheidet der Regierungsrat beziehungsweise das Kantonsgericht. *

Die Leistungen des Staates können je nach den Verhältnissen zurückgefordert werden.

… *

Art. 13 Besoldung, Nebenansprüche

Der Kantonsrat ordnet die Besoldung und die Nebenansprüche der Behördenmitglieder durch Kantonsratsbeschluss. *

Die Berechnung und Anerkennung der Ansprüche obliegt dem Regierungsrat. Im Streitfall werden sie nach dem Verwaltungsrechtspflegegesetz im Klageverfahren beurteilt. *

Art. 14 Pensionsordnung

Der Staat schützt die Behördenmitglieder und ihre Hinterbliebenen gegen die wirtschaftlichen Folgen des Todes, des Alters, der Arbeitsunfähigkeit und des vorzeitigen Ausscheidens aus ihrem Amt infolge Nichtwiederwahl oder Nichtnominierung durch eine besondere Pensionsordnung. Diese gilt auch für den Staatsschreiber. *

… *

Die Behördenmitglieder leisten dem Staat Beiträge. Ihre Ansprüche aus der Pensionsordnung gelten als wohlerworbene Rechte.

Für alle Ansprüche aus der Pensionsordnung gilt sinngemäss § 13 Absatz 2. *

Alles Weitere ordnet der Kantonsrat durch Kantonsratsbeschluss. *

Art. 15 Aufhebung und Änderung von Erlassen[9]

Durch dieses Gesetz werden aufgehoben:

  1. § 60 Absatz 2 und § 61 des Organisationsgesetzes vom 8. März 1899[10],
  2. Gesetz betreffend die Unvereinbarkeit vom 15. Februar 1911[11],
  3. Dekret über die Inkompatibilität und Ausstand bei anonymen oder Aktiengesellschaften vom 10. September 1857[12].

Art. 16 Inkrafttreten

Das Gesetz tritt unter Vorbehalt einer Volksabstimmung am 1. Januar 1971 in Kraft. Es ist zu veröffentlichen[13].

Egress

G XVII 711

Änderungstabelle - nach Paragraf

Element Beschlussdatum Inkrafttreten Änderung Fundstelle G
Erlass 17.11.1970 01.01.1971 Erstfassung G XVII 711
Ingress 28.04.2008 01.08.2008 geändert G 2008 256
§ 1 14.05.2012 01.06.2013 geändert G 2012 189
§ 2 25.06.1996 01.01.1997 geändert G 1996 173
§ 2 Abs. 1 14.05.2012 01.06.2013 geändert G 2012 189
§ 3 14.05.2012 01.06.2013 geändert G 2012 189
§ 4 Abs. 2 25.06.1996 01.01.1997 geändert G 1996 173
§ 5 14.05.2012 01.06.2013 geändert G 2012 189
§ 6 25.06.1996 01.01.1997 geändert G 1996 173
§ 6 Abs. 2 14.05.2012 01.06.2013 geändert G 2012 189
§ 7 10.05.2010 01.01.2011 geändert G 2010 129
§ 8 Abs. 4 16.03.2015 01.06.2015 eingefügt G 2015 161
§ 9 Abs. 4 20.03.2023 01.06.2023 eingefügt G 2023-051
§ 10 13.09.1988 01.01.1990 aufgehoben G 1988 157
§ 11 13.09.1988 01.01.1990 aufgehoben G 1988 157
§ 12 03.07.1972 01.06.1973 geändert G XVIII 193
§ 12 Abs. 1 14.05.2012 01.06.2013 geändert G 2012 189
§ 12 Abs. 2 14.05.2012 01.06.2013 geändert G 2012 189
§ 12 Abs. 4 16.06.2008 01.01.2009 aufgehoben G 2008 333
§ 13 Abs. 1 28.04.2008 01.08.2008 geändert G 2008 270
§ 13 Abs. 2 03.07.1972 01.06.1973 geändert G XVIII 193
§ 14 Abs. 1 01.02.1982 01.05.1982 geändert G 1982 109
§ 14 Abs. 2 11.03.1991 01.07.1991 aufgehoben G 1991 123
§ 14 Abs. 4 03.07.1972 01.01.1973 geändert G XVIII 193
§ 14 Abs. 5 28.04.2008 01.08.2008 geändert G 2008 270

Änderungstabelle - nach Beschlussdatum

Beschlussdatum Inkrafttreten Element Änderung Fundstelle G
17.11.1970 01.01.1971 Erlass Erstfassung G XVII 711
03.07.1972 01.06.1973 § 12 geändert G XVIII 193
03.07.1972 01.06.1973 § 13 Abs. 2 geändert G XVIII 193
03.07.1972 01.01.1973 § 14 Abs. 4 geändert G XVIII 193
01.02.1982 01.05.1982 § 14 Abs. 1 geändert G 1982 109
13.09.1988 01.01.1990 § 10 aufgehoben G 1988 157
13.09.1988 01.01.1990 § 11 aufgehoben G 1988 157
11.03.1991 01.07.1991 § 14 Abs. 2 aufgehoben G 1991 123
25.06.1996 01.01.1997 § 2 geändert G 1996 173
25.06.1996 01.01.1997 § 4 Abs. 2 geändert G 1996 173
25.06.1996 01.01.1997 § 6 geändert G 1996 173
28.04.2008 01.08.2008 Ingress geändert G 2008 256
28.04.2008 01.08.2008 § 13 Abs. 1 geändert G 2008 270
28.04.2008 01.08.2008 § 14 Abs. 5 geändert G 2008 270
16.06.2008 01.01.2009 § 12 Abs. 4 aufgehoben G 2008 333
10.05.2010 01.01.2011 § 7 geändert G 2010 129
14.05.2012 01.06.2013 § 1 geändert G 2012 189
14.05.2012 01.06.2013 § 2 Abs. 1 geändert G 2012 189
14.05.2012 01.06.2013 § 3 geändert G 2012 189
14.05.2012 01.06.2013 § 5 geändert G 2012 189
14.05.2012 01.06.2013 § 6 Abs. 2 geändert G 2012 189
14.05.2012 01.06.2013 § 12 Abs. 1 geändert G 2012 189
14.05.2012 01.06.2013 § 12 Abs. 2 geändert G 2012 189
16.03.2015 01.06.2015 § 8 Abs. 4 eingefügt G 2015 161
20.03.2023 01.06.2023 § 9 Abs. 4 eingefügt G 2023-051