Die nachfolgenden Vorschriften gelten für die Ausübung der Fischerei auf dem ganzen Gebiet des Vierwaldstättersees. Sie gelten auch für die im Vierwaldstättersee liegenden Privatfischenzen.
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Ausführungsbestimmungen zur Vereinbarung über die Fischerei im Vierwaldstättersee
Präambel
gestützt auf § 2 der Interkantonalen Vereinbarung über die Fischerei im Vierwaldstättersee vom 29. September 1978[1],
I. Allgemeine Vorschriften
I.a. Geltungsbereich
Art. 1 Kantonsgrenzen und Privatfischenzen
I.b. Pflichten der Patentinhaberinnen und Patentinhaber
Art. 2 Sachkunde-Nachweis
Wer ein Patent mit einer Gültigkeitsdauer von über einem Monat erwirbt, hat den Nachweis zu erbringen, dass er ausreichende Kenntnisse über Fische und die tierschutzgerechte Ausübung der Fischerei hat.
Dieser Nachweis wird durch das Schweizer Sportfischerbrevet, den schweizerischen Sachkunde-Nachweis Fischerei oder eine vergleichbare Ausbildung erbracht.
Die Kantone befinden über die Gleichwertigkeit und die Übergangsfristen.
Art. 3 Fischereivorschriften
Die Patentinhaberinnen und Patentinhaber müssen im Besitze der für sie geltenden Vorschriften sein. Sie haben das Patent auf sich zu tragen und den Aufsichtsorganen auf Verlangen vorzuweisen.
Art. 4 Fischfangstatistik
Die Patentinhaberinnen und Patentinhaber sind zur Führung der Fischfangstatistik nach den Weisungen der Kantone verpflichtet. Die Statistikformulare werden mit dem Patent abgegeben. Die vollständig und wahrheitsgetreu ausgefüllten Formulare sind den Patentausgabestellen termingerecht einzureichen. Diese leiten die Zusammenfassung an die Geschäftsstelle weiter.
In den Fangangaben der Patentinhaber und Patentinhaberinnen sind die Fangergebnisse der Gehilfen und Gäste sowie allfälliger Sonderfänge einzuschliessen.
Bei Unterlassung oder unrichtiger Führung der Fischfangstatistik kann das Fischereipatent gemäss kantonalem Recht entzogen bzw. verweigert werden. Die Fischfangstatistik der Berufsfischer wird durch die Geschäftsstelle geführt.
I.c. Befugnisse der Aufsichtsorgane
Art. 5 Grundsatz
Die Aufsichtsorgane sind befugt, zum Zwecke der Kontrolle Fische, Gerätschaften, Behälter, Taschen und Fahrzeuge der Fischer zu überprüfen.
Verbotene oder widerrechtlich eingesetzte Fanggeräte und damit erzielte Fänge sind einzuziehen.
I.d. Weiter gehende Bestimmungen der Kantone
Art. 6 Weitere Bestimmungen der Kantone
Den Kantonen bleibt es vorbehalten, im Einvernehmen mit der Fischereikommission für ihr Seegebiet strengere Anforderungen an die zulässigen Gerätschaften zu stellen und weitere zeitliche und örtliche Beschränkungen der Fischerei sowie ergänzende Bestimmungen über die Ausübung der Fischerei, über wissenschaftliche Untersuchungen und ähnliche Zwecke zu erlassen.
II. Fangausübung
II.a. Allgemeine Bestimmungen
Art. 7 Netzgerätschaften
Die Fanggeräte der Berufsfischer müssen markiert und mit den Anfangsbuchstaben des Patentinhabers versehen sein.
Das Aufnehmen fremder Fanggeräte und der Markierungszeichen ist Nichtberechtigten untersagt.
Verfangen sich Angelgeräte in Netzen, so ist die Schnur des Angelgerätes abzuschneiden
An Sonn- und Feiertagen dürfen die Berufsfischer Netze setzen. In Ausnahmefällen wie bei Sturm, starker Strömung oder beim Laichfischfang ist auch das Heben der Netze erlaubt.
Art. 8 Fischentnahme aus Netzen
Die Berufsfischer haben Fische vom 1. Juni bis zum 30. September täglich, in der übrigen Zeit mindestens jeden dritten Tag aus den Netzen zu lösen.
Reusen sind vom 1. Juni bis 30. September mindestens jeden zweiten Tag zu kontrollieren.
Art. 9 Platzvorrecht
Die Berufsfischerei hat mit ihren Gerätschaften auf den Fangplätzen gegenüber der Sportfischerei das Vorrecht zur Fischereiausübung.
Art. 10 Tierschutz
Es ist untersagt, Fische mit einem Angelgerät absichtlich an einem andern Körperteil als dem Maul zu fangen.
Als überlebensfähig beurteilte Fische, die generell geschützt sind, die während der Schonzeit gefangen wurden oder die das Fangmindestmass nicht erreichen, sind sofort mit aller Sorgfalt in den Vierwaldstättersee zurückzuversetzen.
Art. 11 Fang und Handel von Fischnährtieren
Der Fang von Fischnährtieren erfordert eine Bewilligung der kantonalen Behörde.
Art. 12 Köderfische
Es ist verboten, lebende Köderfische zu verwenden.
Die Verwendung toter Köderfische ist erlaubt, wenn sie aus dem Vierwaldstättersee stammen.
Für den Fang von Köderfischen dürfen das Quadratnetz (Senknetz) mit einer Fläche von einem Quadratmeter sowie die Köderflasche verwendet werden.
Köderfische dürfen nur tagsüber für den Eigengebrauch gefangen werden. Der Handel mit Köderfischen ist verboten.
Art. 13 Hilfsgeräte
Als Hilfsgerät zur Anlandung von gehakten oder im Netz verfangener Fische darf nur der Feumer (Unterfangnetz) verwendet werden.
Das Mitführen oder Verwenden von Echolotgebern mit Live-Sonar-Technologie, die geeignet sind, Bewegungen der Fische in Echtzeit darzustellen, ist verboten. *
Die kantonalen Fischereifachstellen können Ausnahmen vom Mitführ- und/oder Verwendungsverbot, insbesondere für wissenschaftliche Untersuchungen, zulassen. *
II.b. Fanggeräte und Fangmethoden
Art. 14 Freiangelfischerei
Von öffentlich zugänglichen Ufern, Brücken und Stegen aus darf jedermann ohne Bewilligung und Gebühren mit einer Angelrute die Fischerei ausüben, soweit dies Sonderrechte Dritter (Privatfischenzen) nicht ausschliessen.
Erlaubt ist nur eine Angelrute mit einem einfachen Angelhaken ohne Widerhaken mit natürlichem Köder. Köderfische dürfen nicht verwendet werden.
Art. 15 Fanggeräte
Für die Sportfischerei sind ausschliesslich die nachstehend erwähnten Fanggeräte und Fangmethoden erlaubt:
- Die Flug-, die Spinn-, die Grundangel- und die Zapfenfischerei mit natürlichem oder künstlichem Köder mit einfachen oder mehrendigen Angelhaken. Es dürfen höchstens zwei Angelruten gleichzeitig verwendet werden.
- Die Hegenenfischerei mit zwei Angelruten mit je einer Hegene mit höchstens sechs an der Leitschnur angebrachten Seitenschnüren mit je einem einfachen Angelhaken.
- Die Juckerfischerei mit nur einer Angelrute und nur einem einfachen oder mehrendigen Angelhaken.
- Die Schleppfischerei mit von Hand geführten Ködern, mit Ruten, Seehunden und Tiefseeschleicke mit einfachen oder mehrendigen Angelhaken. Pro Boot sind 10 Anbissstellen erlaubt und die Gerätschaften dürfen kombiniert eingesetzt werden.
Bei der Schleppfischerei ist das Boot mit einem weissen Ball zu kennzeichnen.
Das Verwenden von Angeln mit Widerhaken ist für Anglerinnen und Angler, welche über einen Sachkundenachweis nach § 2 dieser Ausführungsbestimmungen verfügen, zugelassen.
Art. 16 Beaufsichtigung
Die Sportfischergerätschaften sind dauernd zu beaufsichtigen.
Art. 17 Gerätschaften der Berufsfischer
Die Gerätschaften für die Berufsfischerei werden gestützt auf die Resultate der fischereibiologischen Bestandesüberwachungen festgelegt und im Anhang umschrieben.
III. Schutzvorschriften
III.a. Schonzeiten
Art. 18 Schonzeiten
Die Schonzeiten für Fische und Krebse werden wie folgt festgelegt:
- Forellen 1. Oktober bis 25. Dezember
- Rötel (Seesaibling) 1. Oktober bis 25. Dezember.
- Albeli 1. Oktober bis 25. Dezember
- Balchen/Felchen 15. Oktober bis 25. Dezember
- Edelfisch (sommerlaichender Felchen) 1. Januar bis 31. Dezember
- Äsche 15. Februar bis 30. April
- Hecht 15. März bis 30. April
- Hecht Alpnachersee keine
- Zander 15. April bis 31. Mai
- Nase 1. Januar bis 31. Dezember
- Alle Krebsarten 1. Januar bis 31. Dezember
III.b. Fangmindestmasse
Art. 19 Fangmindestmass
Die nachgenannten Fische müssen, gemessen von der Kopfspitze bis zu den Spitzen der natürlich ausgebreiteten Schwanzflosse, mindestens folgende Längen aufweisen:
- Forellen 35 cm
- Rötel 22 cm
- Albeli 22 cm
- Balchen/Felchen 30 cm
- Balchen/Felchen Alpnachersee 25 cm
- Äsche 30 cm
- Hecht 50 cm
- Hecht Alpnachersee keine
- Zander 40 cm
- Egli (Barsch) 15 cm
- Aal 50 cm
III.c. Zeitliche Einschränkungen
Art. 20 Nachtfischerei
Die Ausübung der Fischerei ist verboten:
- vom 1. März bis 31. Oktober in der Zeit von 22.00 Uhr bis 04.00 Uhr;
- vom 1. November bis Ende Februar in der Zeit von 20.00 Uhr bis 06.00 Uhr.
Die Schleppangelfischerei ist nur bei Tageslicht gestattet.
Die Nachtfischerei auf Aale und Trüschen ist von öffentlich zugänglichen Ufern aus erlaubt, die Kantone können weitere Fangplätze bewilligen.
III.d. Örtliche Einschränkungen
Art. 21 Flussmündungen
Vor den Einmündungen der Reuss, Muota, Engelberger und Sarner Aa ist die Berufsfischerei mit Ausnahme des Laichfischfanges im Radius von 100 m vor der Einmündung verboten.
Die übrigen Grenzen richten sich nach kantonalem Recht.
Art. 22 Öffentliche Badeanlagen
Innerhalb gekennzeichneter öffentlicher Badeanlagen ist die Fischerei während des Badebetriebes verboten.
Art. 23 Uferschutz
Das Betreten und Befahren von Schilf- und Binsenbeständen ist verboten. Beim Setzen von Reusen dürfen die Pflanzenbestände nicht beschädigt werden.
IV. Hebung des Fischbestandes
IV.a. Laichfischerei
Art. 24 Laichfangbewilligung
Für die künstliche Fischzucht kann der Fang von geschonten Fischen durch die zuständige kantonale Behörde bewilligt werden. Die Auflagen und Bedingungen werden in der Laichfangbewilligung festgelegt.
Art. 25 Beginn der Laichfischerei
Der Beginn der Laichfischfänge wird durch die Geschäftsstelle festgelegt.
IV.b. Fischeinsatz
Art. 26 Grundsätze
Die Fischeinsätze haben sich nach fischökologischen und fischereiwirtschaftlichen Grundsätzen zu richten. Der Einsatz von landes- und standortfremden Fischarten und Krebsen ist verboten.
Jeder Fischeinsatz braucht eine kantonale Bewilligung.
Die Geschäftsstelle ist über die jährlichen Fischeinsätze zu orientieren. Sie führt eine Besatzstatistik.
Art. 27 Besatzfische Verfügungsrecht
Fortpflanzungsprodukte aus dem Vierwaldstättersee und daraus gezüchtete Besatzfische sind Eigentum der Kantone. Sie sind grundsätzlich in den Vierwaldstättersee ein- zusetzen.
Fortpflanzungsprodukte und daraus gezüchtete Besatzfische der Seeforelle aus den Zuflüssen und dem Abfluss des Vierwaldstättersees sind Eigentum der Kantone und grundsätzlich wieder in das Herkunftsgewässer einzusetzen.
Im Einvernehmen mit der Geschäftsstelle sind Ausnahmen möglich.
IV.c. Erhaltung und Verbesserung von Lebensräumen
Art. 28 Technische Eingriffe
Bei technischen Eingriffen oder im Rahmen spezieller Renaturierungsprojekte sind zur Erhaltung der natürlichen Fischfauna des Vierwaldstättersees insbesondere die Fortpflanzungs- und Aufwuchsgebiete sowie die freie Fischwanderung zu erhalten, zu verbessern oder wieder herzustellen.
Die Erteilung der fischereirechtlichen Bewilligung für technische Eingriffe im Sinn von Artikel 8 des Bundesgesetzes über die Fischerei ist Sache der zuständigen kantonalen Behörde.
V. Strafbestimmungen
Art. 29 Verbot der Fischereiausübung
Zusätzlich zu den Strafbestimmungen und der Strafverfolgung im Sinn der §§ 18, 19 und 20 der Interkantonalen Vereinbarung über die Fischerei auf dem Vierwaldstättersee können Bewilligungen widerrufen und die Fischereiberechtigung durch die zuständige kantonale Behörde administrativ entzogen werden.
VI. Übergangs- und Schlussbestimmungen
Art. 30 Genehmigung, Veröffentlichung, Aufhebung bisheriger Bestimmungen
Diese Ausführungsbestimmungen treten nach Genehmigung der Vorschriften über Bewirtschaftung, Schonbestimmungen sowie fremder Arten und Rassen durch die zuständige Bundesbehörde durch Beschluss der Fischereikommission auf den 1. Januar 2009 in Kraft.
Sie sind durch die Kantone zu veröffentlichen.
Mit der Annahme werden sämtliche den Ausführungsbestimmungen widersprechenden Beschlüsse der Fischereikommission aufgehoben.
Anhang 1: Gerätschaften für die Berufsfischerei im Vierwaldstättersee (§ 17)[2]
Art. A1-1 Albelifischerei
Das Albelischweb- und Albelibodennetz ist wie folgt zugelassen:
- Höchstlänge 80 m
- Maximalhöhe 180 cm
- Mindestmaschenweite 24 mm
Pro Patent dürfen maximal je 13 Netze verwendet werden.
Das hohe Albelischweb- und Albelibodennetz ist wie folgt zugelassen:
- Höchstlänge 80 m
- Maximalhöhe 6 m
- Mindestmaschenweite 24 mm
Pro Patent dürfen maximal je 16 Netze verwendet werden.
Im Alpnachersee sind keine Albelinetze zugelassen.
Art. A1-2 Balchen-/Felchenfischerei
Das Balchen-/Felchenschwebnetz ist wie folgt zugelassen:
- Höchstlänge 120 m
- Maximalhöhe 8 m
- Mindestmaschenweite 38 mm
Pro Patent dürfen maximal 17 Netze verwendet werden.
Im Alpnachersee haben Netze für die Balchen-/Felchenfischerei eine Mindestmaschenweite von 34 mm aufzuweisen.
Art. A1-3 Rötel (Saibling)-Fischerei
Das Rötel (Saibling)-Netz ist wie folgt zugelassen:
- Höchstlänge 80 m
- Maximalhöhe 180 cm
- Mindestmaschenweite 27 mm
Pro Patent dürfen je 16 Boden- und 16 Schwebnetze verwendet werden.
Art. A1-4 Allgemeine Uferfischerei
Das Bodennetz für die allgemeine Uferfischerei ist wie folgt zugelassen:
- Höchstlänge 80 m
- Maximalhöhe 180 cm
- Mindestmaschenweite 27 mm
Pro Patent dürfen maximal 24 Netze verwendet werden.
Das hohe Bodennetz für die allgemeine Uferfischerei ist wie folgt zugelassen:
- Höchstlänge 120 m
- Maximalhöhe 8 m
- Mindestmaschenweite 45 mm
Pro Patent dürfen maximal 8 Netze verwendet werden.
Art. A1-5 Zuggarnfischerei
Das Klusgarn ist mit folgenden Massen zugelassen:
- Maschenweite des Sackes 40 mm
- Länge des Sackzipfels 4 m
- Maschenweite des Sackzipfels 35 mm
Das Landgarn ist mit folgenden Massen zugelassen: Maschenweite des Sackes 30 mm.
Das Klus- und Landgarn ist vom Patentinhaber persönlich zu ziehen.
Art. A1-6 Reusenfischerei
Die Reusen haben folgende Maschen- bzw. Öffnungsweite aufzuweisen:
- Aalreuse 20 mm
- Übrige Reusen 25 mm
Ab 1. Juni sind die Reusen täglich zu heben.
Art. A1-7 Sonderfänge
Für die Laichfischerei werden die zulässigen Fanggeräte in der Laichfangbewilligung umschrieben.
Für wissenschaftliche Untersuchungen und Demonstrationszwecke können von der Norm abweichende Fanggeräte eingesetzt werden.
Die Geschäftsstelle erteilt für die Sonderfänge eine Bewilligung. Sie orientiert die Kantonalen Fischereifachstellen.
Egress
Änderungstabelle - nach Paragraf
| Element | Beschlussdatum | Inkrafttreten | Änderung | Fundstelle G |
|---|---|---|---|---|
| Erlass | 04.06.2008 | 01.01.2009 | Erstfassung | RRB Nr. 2039-1979 |
| § 13 Abs. 2 | 26.06.2023 | 01.09.2023 | eingefügt | G 2023-077 |
| § 13 Abs. 3 | 26.06.2023 | 01.09.2023 | eingefügt | G 2023-077 |
Änderungstabelle - nach Beschlussdatum
| Beschlussdatum | Inkrafttreten | Element | Änderung | Fundstelle G |
|---|---|---|---|---|
| 04.06.2008 | 01.01.2009 | Erlass | Erstfassung | RRB Nr. 2039-1979 |
| 26.06.2023 | 01.09.2023 | § 13 Abs. 2 | eingefügt | G 2023-077 |
| 26.06.2023 | 01.09.2023 | § 13 Abs. 3 | eingefügt | G 2023-077 |