17.3208 · Interpellation · 2017-03-17
Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung
Erledigt
Wortlaut
Meine Motion 15.3469, "Reduktion des Bürokratieaufwands bei der Lehrlingsausbildung", wurde von Nationalrat und Ständerat überwiesen. Der Aufwand für die Betriebe beginnt bereits bei der Lehrlingsrekrutierung. Der Grossteil der offenen Lehrstellen ist aufgrund von Meldungen der Betriebe im öffentlichen Lehrstellennachweis (Lena) auf www.berufsbildung.ch publiziert. Es gibt hier allerdings 26 verschiedene Systeme. Zudem gibt es private Web-Portale wie www.yousty.ch und www.gateway-junior.org. Damit die Jugendlichen eine vollständige Übersicht über das Lehrstellenangebot haben, sollte ein Datenaustausch unter diesen Systemen möglich sein. Dies gewährt den Jugendlichen und Ausbildungsbetrieben eine vollständige Transparenz zu Angebot und Nachfrage nach Lehrstellen, was auch die Wahrscheinlichkeit, dass die Jugendlichen von Anfang an die passende Lehrstelle finden und es wenige Wechsel gibt, erhöhen dürfte. Offenbar wird der Datentransfer von Lena an die Privaten aber heute nicht gewährt, womit die Transparenz fehlt. In diesem Zusammenhang wird der Bundesrat gebeten, die folgenden Fragen zu beantworten:
1. Wo steht die vom Eidgenössischen Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung lancierte Initiative "Match-Prof"? Welche Schritte wurden diesbezüglich konkret umgesetzt?
2. Zwischen der Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK) und den privaten Web-Portalen wurde ein Zusammenarbeitsvertrag zum kostenpflichtigen Datentransfer von Lena an die privaten Web-Portale abgeschlossen. Dieser Vertrag wurde aber auf Mitte 2016 wieder gekündigt. Wie beurteilt er die damit einhergehende Benachteiligung der privaten Portale auf Kosten der Transparenz des Lehrstellenangebots für Lehrlinge und Betriebe?
3. Ist er bereit, im Zuge des Projekts "Match-Prof" zusammen mit der EDK auf einen Datentransfer von Lena an die privaten Web-Portale hinzuwirken?
4. Inwiefern sind 26 staatlich organisierte Lehrstellenplattformen im heutigen Umfeld noch zeitgemäss, während offenbar bereits private Portale, die mit Erfolg betrieben werden, existieren?
Stellungnahme des Bundesrates
Wie in der Antwort auf die Motion Rösti 15.3469, die Anfrage Wasserfallen 15.1092 und die Interpellation Sollberger 16.3943 dargelegt, teilt der Bundesrat die Ansicht des Interpellanten. Es gilt, den administrativen Aufwand für die Lehrbetriebe möglichst gering und die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe hoch zu halten - dies gerade auch im Hinblick auf die Rekrutierung von Lernenden. Mit seinem Bericht "Administrative Entlastung: Bessere Regulierung - weniger Aufwand für Unternehmen" vom September 2015 hat der Bundesrat entsprechende Massnahmen festgelegt.
1. Das Projekt Match-Prof hat zum Ziel, das Matching zwischen Angebot und Nachfrage auf dem Lehrstellenmarkt zu verbessern. Die Zahl der unbesetzten Lehrstellen und die Zahl der Jugendlichen in Zwischenlösungen sollen dadurch gesenkt werden. Entsprechende Projekte von Kantonen und Organisationen der Arbeitswelt werden durch den Bund unterstützt. Bewilligte Projekte laufen gegenwärtig in Kantonen aller Sprachregionen. Die bisher unterstützten Projekte haben bis Ende 2016 knapp 400 Lehrvertragsabschlüsse ermöglicht. Auch in Kantonen ohne laufende Match-Prof-Projekte bestehen niederschwellige Angebote mit dem Ziel, Lehrstellensuchende und verfügbare Lehrstellen optimal zusammenzuführen.
2.-4. Der Bund äussert sich grundsätzlich nicht zu Verträgen und Vereinbarungen der Kantone mit Dritten. Die koordinierte Erfassung verfügbarer Lehrstellen obliegt den Kantonen. Für das Portal Lehrstellennachweis Lena (www.berufsberatung.ch) zuständig ist das Schweizerische Dienstleistungszentrum Berufsbildung/Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung (SDBB). Dieses wird vom Bund und von den Kantonen gemeinsam mittels Leistungsvereinbarung finanziert.
Lena fasst als einziges von der öffentlichen Hand getragenes Lehrstellenportal die verfügbaren Lehrstellen aller 26 Kantone auf einer Plattform zusammen. Die kantonale Aufsicht stellt sicher, dass die Betriebe, welche Lehrstellen publizieren, über eine Bildungsbewilligung verfügen. Dadurch trägt Lena zur Transparenz auf dem Lehrstellenmarkt bei. Bei privaten Lehrstellenportalen ist hingegen die Gleichbehandlung der Lehrbetriebe nicht immer gewährleistet; Lehrstellen von zahlungskräftigen Betrieben beispielsweise können dort prominenter platziert werden.
Der Bundesrat ist der Ansicht, dass Jugendlichen, Erwachsenen und weiteren Interessierten mit Lena ein zeitgemässes Instrument zur Lehrstellensuche zur Verfügung steht, welches zentral, klar und einfach informiert und orientiert. Sowohl die Angebots- wie auch die Nachfrageseite auf dem Lehrstellenmarkt werden neutral behandelt. Gleichzeitig begrüsst der Bundesrat Optimierungen im Bereich der Lehrstellenpublikation. Das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation ist denn auch bestrebt, basierend auf der Leistungsvereinbarung mit dem SDBB den Lehrstellennachweis Lena weiterzuentwickeln.
Antwort des Bundesrates.