Gleichstellung von Frau und Mann im Bereich Klimaschutz in Entwicklungsgebieten
19.3068 · Postulat · 2019-03-07
Departement für auswärtige Angelegenheiten
Erledigt
Wortlaut
Der Bundesrat wird ersucht, einen Bericht mit einem Massnahmenplan zu erstellen. Darin soll aufgezeigt werden, wie sich Klimaveränderungen auf die Lebensbedingungen der Frauen und Männer unterschiedlich auswirken und inwiefern die Schweiz konkrete Massnahmen ergreift, um die Auswirkungen des Klimawandels speziell auf die Frauen im globalen Süden zu verringern, gar zu verhindern und zu eliminieren. Im Besonderen gilt es darzustellen, welchen Beitrag die Entwicklungshilfeprojekte des Bundes, namentlich in den Bereichen (Sonnen-)Energie, Land- und Ernährungswirtschaft, leisten oder leisten könnten.
Begründung
Diverse Berichte und Forschungsprojekte zeigen auf, dass Frauen in Entwicklungsländern stärker vom Klimawandel betroffen sind als Männer. Dabei trifft es vor allem Frauen ohne Landeigentum oder Kapital und mit einem ungenügenden Zugang zu lebenswichtigen Ressourcen. Dies hängt vor allem mit der in ländlichen Gebieten vorherrschenden Rollenverteilung zusammen, wonach Frauen neben der Kindererziehung und der Sorge für pflegebedürftige Angehörige auch für die Energiebeschaffung (Holz sammeln usw.) und für die Beschaffung von Lebensmitteln (Gemüseanbau usw.) verantwortlich sind. Hinzu kommt, dass viele Frauen infolge spezifischer Förderprogramme neben der unbezahlten Care-Arbeit noch bezahlte Arbeit verrichten. Es ist deshalb zentral, dass die Schweizer Entwicklungszusammenarbeit Methoden entwickelt und verbreitet, die die Energieversorgung umweltfreundlich, allen zugänglich und erschwinglich machen. Die Schweiz hat in vielerlei Hinsicht technologisch Pionierarbeit geleistet. Die Errungenschaften auch gendersensibel umzusetzen ist nun die logische Umsetzung der Verpflichtungen des Übereinkommens zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau (Cedaw) und der Genderpolitik des Eidgenössischen Departementes für auswärtige Angelegenheiten. Bei der Lebensmittelproduktion zeigt sich, dass immer weniger Pflanzen resistent sind gegenüber den Auswirkungen des Klimawandels (insbesondere Trockenheit). Dies führt zu Lebensmittelknappheit und Hunger. Neue Anbaumethoden, welche den Alltag der Frauen im globalen Süden erleichtern und die Ernährungssouveränität nachhaltig sichern, gibt es. Die Schweiz muss sie nur konsequent und auf die Bedingungen der Frauen mit knappen Ressourcen anpassen und in den Entwicklungszusammenarbeits-Projekten umsetzen.
Antrag des Bundesrates
Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.
Stellungnahme des Bundesrates
Der Bundesrat ist sich der unterschiedlichen Folgen, welche der Klimawandel für Frauen und andere marginalisierte Gruppen in Entwicklungsländern hat, bewusst. Diese sind wissenschaftlich dokumentiert, beispielsweise im fünften Weltklimabericht des Intergouvernementalen Ausschusses für Klimawandel (IPCC; www.ipcc.ch > Reports > See all > AR5 Climate Change 2014: Impacts, Adaptation, and Vulnerability). Der IPCC als zentrales wissenschaftliches Organ zum Thema Klimawandel bestätigt darin, dass Frauen im Entwicklungskontext disproportional vom Klimawandel betroffen sind und vergleichsweise weniger Möglichkeiten haben, sich daran anzupassen. Dies, weil sie eine geringere Kontrolle über Ressourcen und einen limitierten Zugang zu Entscheidungsprozessen und zum Arbeitsmarkt haben.
In seiner Botschaft zur internationalen Zusammenarbeit 2017-2020 (BBl 2016 2333) hat der Bundesrat festgelegt, dass die Stärkung der Geschlechtergleichstellung transversal in alle operativen Tätigkeiten mit einzubeziehen ist.
Basierend auf den wissenschaftlichen Erkenntnissen und der strategischen Ausrichtung der internationalen Zusammenarbeit der Schweiz hat der Bund bereits Massnahmen ergriffen, um Frauen und Männer in Entwicklungsländern bei der Anpassung an die Folgen des Klimawandels zu unterstützen. In den Steuerungsgremien der wichtigsten multilateralen Institutionen im Klimabereich (Grüner Klimafonds, Anpassungsfonds und Globale Umweltfazilität) hat sich der Bund aktiv in die Erarbeitung ambitionierter Gleichstellungsstrategien und Aktionspläne eingebracht. Die Geschlechtergleichstellung und die Selbstbestimmung der Frauen müssen damit in durch diese Institutionen finanzierten Projekten und Programmen systematisch integriert werden. Die Schweiz hat zusammen mit gleichgesinnten Gebern auch erreicht, dass der Weltbankfonds für die ärmsten Länder (IDA) Klima und Geschlechtergleichstellung als zwei seiner Schwerpunktthemen ins Zentrum stellt, und die vom Seco mitunterstützten Klimainvestitionsfonds der Weltbank leisten in diesem Bereich seit vielen Jahren Pionierarbeit. Dank der von der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) des Eidgenössischen Departementes für auswärtige Angelegenheiten mitfinanzierten "Energising Development"-Partnerschaft (Endev) haben seit 2005 19,5 Millionen Menschen aus 25 Ländern in Afrika, Asien und Lateinamerika Zugang zu nachhaltiger Energie gewonnen. Dabei werden Frauen gezielt unterstützt: Sie müssen weniger Zeit für das Sammeln von Brennholz aufwenden, und durch Zugang zu umweltfreundlichen Kochherden konnte die Luftverschmutzung in Innenräumen massiv gesenkt werden. Mithilfe des Deza-Projekts "Verbesserung von Saatgutsystemen für die Ernährungssicherheit von Kleinbäuerinnen und Kleinbauern" können Kleinbäuerinnen nun auch in Jahren mit schlechten oder ungewissen klimatischen Bedingungen oder auf schlechteren Böden Erträge erzielen. Durch das Projekt wurden die Frauen zudem zu anerkannten Expertinnen in der Produktion von zertifiziertem Saatgut.
Da die Faktenlage klar ist und bereits Massnahmen ergriffen wurden, ist ein zusätzlicher Bericht aus Sicht des Bundesrates nicht angezeigt.
Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.