Ist der Aktionsplan zur "Strategie Biodiversität Schweiz" vereinbar mit den Hauptzielen der Schweizer Waldpolitik?
19.4546 · Interpellation · 2019-12-19
Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation
Erledigt
Wortlaut
Im Länderbericht zur Agenda 2030 der Schweiz 2018, S. 21, (Sustainable Development Goal Nr. 15:) bezeichnet der Bundesrat die Sicherstellung einer nachhaltigen, effizienten und innovativen Waldbewirtschaftung, die vermehrte Verwendung von einheimischem Holz, die Erhaltung der Waldfläche in ihrer räumlichen Verteilung, die ökonomische Verbesserung der Waldwirtschaft und der konsequente Schutz des Waldes vor Gefährdungen durch Schadorganismen und hohe Stickstoffeinträge als Hauptziele der Schweizer Waldpolitik. Gemäss dem Aktionsplan zur Biodiversitätsstrategie will der Bundesrat im Rahmen eines Pilotprojektes "Wo der Wald noch wild ist" (Anhang A1.3) nicht genutzte Waldflächen als zukünftige Waldreservate nutzen.
1. Hat der Bundesrat dem Bafu den Auftrag erteilt, in den Kantonen "Waldwildnis" zu kartieren?
2. Ist der Bundesrat der Meinung, dass das Projekt angesichts der aktuellen nationalen und globalen Probleme im Wald- und Umweltbereich Priorität hat? Wenn ja: Aus welchen Gründen?
3. Ist der Bundesrat der Meinung, dass das Projekt einen wesentlichen Beitrag zur Erreichung der Hauptziele der Schweizer Waldpolitik zu leisten vermag, wie er sie im Länderbericht zur Agenda 2030 der Schweiz 2018, S. 21, formuliert hat?
Stellungnahme des Bundesrates
Zu 1)
Der Bundesrat hat mit seinem Entscheid vom 6. September 2017 zum Aktionsplan zur "Strategie Biodiversität Schweiz" das Bundesamt für Umwelt (BAFU) beauftragt, im Rahmen eines Pilotprojektes eine georeferenzierte Übersicht der Schweizer Waldwildnis-Flächen, welche seit über 50 Jahren sich selbst überlassen sind, zu erarbeiten.
Zu 2)
Der Bundesrat beurteilt das genannte Projekt als prioritär. Die Biodiversität in der Schweiz ist unter Druck und es besteht Handlungsbedarf für den Schutz der Biodiversität. Das grosse Potential nicht bewirtschafteter Waldflächen als wertvolle Elemente der Ökologischen Infrastruktur der Schweiz sowie als zukünftige Waldreservate liegt heute noch brach und soll künftig genutzt werden. Waldwildnis-Flächen tragen wesentlich zur Vernetzung ausgeschiedener Waldreservate bei. Mit einem Verzeichnis der Schweizer Waldwildnis-Flächen wird eine wichtige Grundlage zuhanden der Kantone und der Forstwirtschaft für die Erarbeitung von Massnahmen zur spezifischen Förderung der Biodiversität im Wald geschaffen.
Zu 3)
Mit der Waldpolitik 2020 stimmt der Bund die ökologischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Ansprüche an den Wald optimal aufeinander ab. Einige wesentliche Ziele werden auch im Länderbericht der Schweiz zur Umsetzung der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung genannt. Die Waldpolitik 2020 formuliert dabei insgesamt elf Ziele. Das Projekt zur Waldwildnis leistet einen wichtigen Beitrag zum Ziel 4 "Die Biodiversität bleibt erhalten und ist gezielt verbessert".
Antwort des Bundesrates.