20.3888 · Postulat · 2020-06-19
Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung
Erledigt
Wortlaut
Der Bundesrat wird beauftragt in Zusammenarbeit mit den Verbundpartnern der Berufsbildung einen Bericht zu erstellen, wie die Schulung von Arbeitnehmenden in Bezug auf die digitalen Kompetenzen umgesetzt wird und wo Verbesserungspotentiale bestehen. Darin sind gute Beispiele und Programme aus den Branchen, sogenannte "best-practice" ebenfalls aufzunehmen.
Begründung
Die Digitalisierung und Automatisierung der Wirtschaft bergen Herausforderungen und Chancen zugleich, dies zeigte die Corona Pandemie klar auf. Gemäss Berechnungen von McKinsey könnten sich bis 2030 gut 1 Million Arbeitsplätze auf Grund der Digitalisierung stark verändern. Besonders betroffen werden der Einzelhandel, der Finanzsektor und die Industrie sein, welche gemeinsam über 1,5 Millionen Arbeitsplätze in der Schweiz zur Verfügung stellen. Gleichzeitig werden zwar auch neue Arbeitsplätze geschaffen, aber viele der neu geschaffenen Jobs werden auch verstärkt andere Fertigkeiten voraussetzen. Das bisherige Bildungssystem und die Weiterbildung tragen dieser bevorstehenden, grundsätzlichen Neuausrichtung unserer Wirtschaft nur bedingt Rechnung und vernachlässigen vor allem die rasante Geschwindigkeit des Wandels und Personen mit niedrigen Bildungsniveau, welche tendenziell eher weniger an Weiterbildungen teilnehmen. Arbeitnehmer erhalten finanzielle Unterstützung und Umschlungen nur, wenn sie bereits arbeitslos sind, was ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt einschränkt. Sinnvoll wäre es jedoch, für Menschen die in Berufen oder Industrien arbeiten, welche einem hohen Risiko der Automatisierung ausgesetzt sind, proaktiv Möglichkeiten zu schaffen um sich auf einen anderen Job neu auszubilden. Dies würde bedeuten, dass Arbeitgeber den Arbeitnehmenden Zeit zur Verfügung stellen würden und Ausbildungsgänge aus staatlichen und privaten Quellen finanziert werden würden. Dies könnte z.B. durch sog. Bildungsgutscheine geschehen und die Finanzierung könnte über eine geteilte Abgabe von Arbeitnehmern und Arbeitgebern sichergestellt werden. Dieser Vorschlag ist im Sinne der Schweizer Digitalstrategie und ihrer Grundsätze, insbesondere der Grunsätze, die Menschen in den Mittelpunkt zu stellen und den Strukturwandel zu erleichtern. So kann auf den Stärken der dualen Bildung aufgebaut werden und das schweizerische Bildungssystem, die Schweizer Arbeitnehmenden auch auf die digitalisierte Wirtschaft von morgen vorbereiten.
Antrag des Bundesrates
Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.
Stellungnahme des Bundesrates
Der Bundesrat ist sich seit längerem bewusst, welch zentrale Bedeutung die Digitalisierung für alle Wirtschaftssektoren hat und welche Potenziale sich daraus ergeben (vgl. dazu Postulat 20.3459 WBK-S und Motion 19.3009 WBK-N).
Im schweizerischen Berufsbildungssystem werden die Bildungsinhalte laufend an die aktuellen Anforderungen des Arbeitsmarkts angepasst. Dafür zuständig sind die jeweiligen Organisationen der Arbeitswelt, die mit den Anforderungen des Arbeitsmarktes vertraut sind. Im Rahmen der von Bund, Kantonen und Organisationen der Arbeitswelt getragenen Initiative "Berufsbildung 2030" wird zurzeit im Projekt "Orientierungshilfe digitale Transformation in der beruflichen Grundbildung" ein Werkzeug für die Trägerschaften entwickelt, um die vom Arbeitsmarkt geforderten digitalen Kompetenzen zu erkennen und in eine berufliche Grundbildung einfliessen zu lassen. Des Weiteren hat der Bund den Förderschwerpunkt "digitalinform.swiss" lanciert. Für den gezielten Mitteleinsatz zur Beförderung des digitalen Wandels in der Berufsbildung kann der Bund bis zu 60 Prozent des Aufwandes von Projekten tragen und die Verbundpartner bei Massnahmen in ihren Zuständigkeiten unterstützen. Das Webportal "digitalinform.swiss" ist die zentrale Plattform dieser Förderinitiative. Es informiert über Projekte, vernetzt Akteure und bietet Zugang zu potenziellen Partnern und Beratung. Weiter hat der Bundesrat dem Eidgenössischen Hochschulinstitut für Berufsbildung (EHB) den Auftrag erteilt, die Berufsbildung - insbesondere die Lehrerbildung für Berufsfachschulen und höhere Fachschulen - im digitalen Wandel zu unterstützen. Das EHB wurde auch mit der Schaffung einer digitalen Plattform beauftragt, welche für die Akteure der Berufsbildung den Erfahrungsaustausch und die Verbreitung von "good practice" fördern soll.
Weiterbildung liegt grundsätzlich in der Verantwortung jeder und jedes Einzelnen. Aufgrund des Weiterbildungsgesetzes sowie des Berufsbildungsgesetzes fördert der Bund subsidiär den Erwerb und Erhalt von Grundkompetenzen, gerade auch im Bereich der digitalen Kompetenzen. Er unterstützt einerseits kantonale Weiterbildungsprogramme, anderseits Kurse von Unternehmen und Organisationen, die den Angestellten arbeitsplatzbezogene Grundkompetenzen vermitteln und sie so für veränderte Anforderungen fit halten. Zudem hat der Bundesrat 2019 Massnahmen beschlossen, um ältere Arbeitnehmende im Arbeitsmarkt zu halten bzw. ihre Wiedereingliederung zu erleichtern. Neben einer kostenlosen Standortbestimmung, Potenzialanalyse und Laufbahnberatung für Arbeitnehmende über 40 Jahre sollen Aus- und Weiterbildungen auf dem Weg zu einem Berufsabschluss konsequenter angerechnet werden.
Im Projekt "Indirekte Bildungskosten Berufsabschluss für Erwachsene - kantonale Stipendien und Darlehen" der Initiative "Berufsbildung 2030" wird untersucht, wie die Kantone sich über Stipendien- und Darlehenssysteme an den indirekten Bildungskosten von Erwachsenen in einer beruflichen Grundbildung beteiligen können. Für Umschulungen können die Branchen ausserdem sozialpartnerschaftliche Fonds oder Berufsbildungsfonds einrichten.
Die Ausgangslage in der Schweiz ist insgesamt gut. Das differenzierte, komplementäre und durchlässige Schweizer Bildungssystem eignet sich optimal, die Menschen auf eine erfolgreiche Bewältigung des digitalen Strukturwandels vorzubereiten und so die Grundlage für eine produktive und innovationsfähige Wirtschaft zu bieten. Der Bundesrat betrachtet die Digitalisierung auch in der BFI-Periode 2021-2024 als eines der zentralen transversalen Themen, denen in allen Förderbereichen der BFI-Botschaft besondere Beachtung geschenkt wird.
Die Berichterstattung erfolgt jeweils in den Geschäftsberichten, den BFI-Botschaften und im alle vier Jahre erscheinenden Bildungsbericht Schweiz. Angesichts der bestehenden Informationsquellen erachtet es der Bundesrat als nicht sinnvoll, einen zusätzlichen Bericht zu verfassen.
Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.