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Welche Bundesbetriebe, bundesnahen Unternehmen oder Verwaltungseinheiten des Bundes kennen einen Absenkpfad Pestizide, so wie die SBB?

21.3477 · Interpellation · 2021-05-03

Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation

Erledigt

Wortlaut

Der Einsatz von Pestiziden durch die SBB ist seit vielen Jahren ein Thema (siehe 1986.0151). Der Bundesbetrieb, der täglich über 1,3 Millionen Menschen und 200 000 Tonnen Güter ans Ziel bringt, bemüht sich seit längerem darum, seinen Herbizideinsatz drastisch zu reduzieren.

Im Sommer 2019 teilten die SBB mit, sie wollten ab 2025 auf das bisher eingesetzte Herbizid Glyphosat verzichten. Dies, obwohl sie mit rund 2 Prozent des gesamtschweizerischen Glyphosat-Verbrauches eine vergleichsweise geringe Menge von 2 Tonnen einsetzten.

Die SBB hatten damals ein Heisswasserspritzfahrzug vorgestellt, das via Sensoren Pflanzen erkennen und diese aus über 100 Düsen gezielt mit rund 95 Grad heissem Wasser besprühen konnte. Geprüft wurde auch der Bau des Geleisebereichs mit aufwuchshemmenden Materialien, die Entwicklung von Robotern zur Unkrautbekämpfung, der gezielte Einsatz von Bodenbedeckungspflanzen, der Einsatz von Bio- oder Elektroherbiziden und anderes mehr.

Ich bitte den Bundesrat, folgende Fragen zu beantworten:

1. Wann hat die SBB begonnen, ihren Pestizideinsatz zu reduzieren (Absenkpfad)? Wie hat sich deren Einsatz, insbesondere aber der Herbizideinsatz über die vergangenen Jahre entwickelt?

2. Werden die SBB das gesteckte Ziel bis 2025 erreichen können? Wenn nein, warum nicht und bis wann wird sie es voraussichtlich erreichen können?

3. Welche der bis heute getesteten Verfahren erweisen sich als erfolgsversprechend? Warum und welche Herausforderungen gilt es noch zu lösen?

4. Können aus den bei den SBB entwickelten und getesteten Verfahren zielführende Verfahren für andere Bereiche abgeleitet werden, etwa für die Landwirtschaft oder den Unterhalt von Strassen und Plätzen?

5. Im Aktionsplan Pestizidreduktion sind Mittel für Reduktionsmassnahmen vorgesehen. Auf welche Art und Weise bzw. in welchem Umfang werden die SBB bei ihren Forschungs- und Entwicklungsarbeiten vom Bund unterstützt?

6. Welche anderen Bundesbetriebe, bundesnahe Unternehmen oder Verwaltungseinheiten des Bundes setzen Pflanzenschutzmittel ein? Welche davon kennen bereits einen Absenkpfad Pestizide, wie die SBB?

Stellungnahme des Bundesrates

1. Bei der SBB wird seit 1993 ausschliesslich Glyphosat für die Vegetationskontrolle im Gleisbereich eingesetzt. Vorher wurden vorwiegend Bodenherbizide verwendet. Der Verbrauch an Pflanzenschutzmitteln nahm seither kontinuierlich ab. Insbesondere seit 2016 ist ein stetiger Rückgang des jährlichen Glyphosatverbrauchs bis auf rund 1300 kg Glyphosat im Jahr 2020 festzustellen. Die selektive Art der Anwendung mit handgeführten Spritzgeräten, bei denen in der Regel nur die unerwünschten Pflanzen bespritzt werden, trägt stark zur Minimierung des Herbizidverbrauchs bei.

2. Die Ambition der SBB bis 2025 auf den Einsatz des Herbizids Glyphosat zu verzichten und alternative Verfahren zur chemischen Vegetationskontrolle zu etablieren ist auf Kurs. Aktuell werden keine unüberwindbaren technischen Hürden gesehen, auch wenn die Entwicklungen und Feldversuche noch nicht abgeschlossen sind und die Umsetzung von bahntauglichen Alternativen anspruchsvoll ist.

3. Als erfolgsversprechende Alternative zur chemischen Vegetationskontrolle bei Gleisanlagen haben sich bauliche Massnahmen, das thermische Verfahren mit Heisswasser und das mechanische Entfernen von unerwünschten Pflanzen bestätigt. Auch elektrische Verfahren haben ein Potential für den Einsatz in Randbereichen. Die digitale Überwachung und Steuerung der Unterhaltsarbeiten wird dabei ein wichtiger Bestandteil des zukünftigen Vegetationsmanagements werden.

Bei keinem alternativen Verfahren ist aktuell die Serienreife für die netzweite Anwendung gegeben, da die technologischen, logistischen, betrieblichen und finanziellen Aufwände um einiges grösser und je nach Methode auch in ihrer Wirkung sehr unterschiedlich sind. Zurzeit existiert kein Markt für solche Alternativen. Es wird davon ausgegangen, dass kein vollständiger Ersatz für die chemische Vegetationsregulierung gefunden werden kann, sondern ein räumlich differenziertes Vegetationsmanagement mit verschiedenen Verfahren aufgebaut werden muss.

4. Die Versuche der SBB fokussieren auf die Vegetationskontrolle im Gleisbereich. Eine direkte Ableitung der in Frage kommenden Alternativen für andere Bereiche ist schwer zu beurteilen, da die Problematik für die SBB in der konkreten Anpassung der Alternativen auf die Bahninfrastruktur liegt. Zumindest beim Heisswasser handelt es sich um einen Ansatz, welcher in anderen Bereichen bereits angewendet wird. Neue Lösungen bezüglich der Digitalisierung und Automatisierung (Robotik, autonome Systeme, Drohnen, Pflanzenerkennung, machine learning, geostatistische Auswertungen) könnten für andere Anwendungsbereiche interessant sein.

5. Die SBB wurde vom Bund bisher mit insgesamt 878'000 Franken für die Forschungs- und Entwicklungsarbeiten inklusive Erprobung von Bio-Herbiziden unterstützt (Forschungsprogramm Bahninfrastruktur, Umwelttechnologieförderung). Mittel aus dem "Aktionsplan zur Risikoreduktion und nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln ..." wurden nicht verwendet. Der Grossteil der Mittel für die Forschungs- und Entwicklungsarbeiten stammt aus der ordentlichen SBB-Finanzierung.

6. Pflanzenschutzmittel werden auch vom VBS verwendet. Die Aspekte "Absenkpfad Pestizide" und alternative Methoden sind beim VBS seit längerer Zeit ein Thema. Dazu wurde die Checkliste "Pflanzenschutzmittel im Betrieb von Immobilien des VBS" als Umsetzungshilfe verfasst. Weitere Anwender innerhalb der Bundesverwaltung sind dem Bundesrat nicht bekannt.

Antwort des Bundesrates.

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