21.4044 · Interpellation · 2021-09-21
Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung
Erledigt
Wortlaut
Der Bundesrat wird beauftragt aufzuzeigen, wie im Rahmen der Beantwortung von Postulat 20.3931 die Prinzipien der Konservierenden Landwirtschaft in der Weiterentwicklung der Agrarpolitik verankert werden können.
Begründung
Der 8. Weltkongress für Konservierende Landwirtschaft (www.8WCCA.org ) fand virtuell vom 21. bis 23. Juni 2021 in Bern, Schweiz statt und wurde von 783 Teilnehmenden aus Bauernverbänden, internationalen Organisationen, wissenschaftlichen Institutionen, dem Privatsektor, Nichtregierungsorganisationen und der Zivilgesellschaft von mehr als 108 Ländern der Industrie und Entwicklungsstaaten besucht. Das Hauptziel des Weltkongresses war es, den Erfolg der Conservation Agriculture (CA) Gemeinschaft als Impulsgeber der grössten landwirtschaftlichen Revolution, die es zu unseren Lebzeiten gegeben hat, weiter zu treiben. Und um darauf aufbauend die Qualität und Geschwindigkeit
dieser Transformation zu einem nachhaltigen Agrar- und Ernährungssystem weltweit zu steigern, um die Ziele der nachhaltigen Entwicklung und die internationalen Klimaziele zu erreichen.
Der natürlich gewachsene Boden ist eine begrenzte, knappe und nicht erneuerbare Ressource. Er ist Produktionsgrundlage für gesunde Nahrungsmittel und einheimisches Holz, Pufferelement für den globalen Wasserkreislauf, Filtersubstrat für sauberes Trinkwasser, globaler Kohlenstoffspeicher, Lebensraum für grosse Biodiversität und Gestaltungselement attraktiver Landschaften. An der Schnittstelle von Atmosphäre, Hydrosphäre und Lithosphäre erfüllt der Boden unverzichtbare ökologische und ökonomische Funktionen. Die Zukunft der weltweiten Nahrungsmittelsicherheit erfordert Böden, die unbelastet, strukturstabil und ertragsfähig sind, kurzum - eine nachhaltige Bodennutzung.
Die gesammelten positiven Erfahrungen und wissenschaftlichen Erkenntnisse über CA führen zu einer schnellen weltweiten Ausbreitung. Landwirte wenden CA heute auf über 200 Millionen Hektar (15 Prozent der jährlichen Anbaufläche der Welt) in über 100 Ländern in einer grossen agrarökologischen Vielfalt und unterschiedlichen Betriebsgrössen an, insbesondere in Afrika, Asien und Europa. Die landwirtschaftliche Produktion konnte gesteigert und die Kosten gesenkt werden, während gleichzeitig die natürlichen Ressourcen Boden, Wasser, Biodiversität und Klima geschont und verbessert werden.
Stellungnahme des Bundesrates
Der Bundesrat misst einem fruchtbaren Boden und einer nachhaltigen Bodennutzung eine grosse Bedeutung zu. Ein fruchtbarer Boden ist eine wesentliche Voraussetzung für die Produktion von Nahrungsmitteln und für weitere wichtige Ökosystemleistungen.
Die Grundpfeiler der konservierenden Landwirtschaft sind eine breite Fruchtfolge, eine geringe Bodenbearbeitung und eine möglichst lange Bodenbedeckung mit Pflanzen. Diese Grundpfeiler werden bereits heute von der Agrarpolitik gefordert und gefördert: Der Ökologische Leistungsnachweis (ÖLN) enthält Vorschriften zur Fruchtfolge und minimale Anforderungen zur Bodenbedeckung. Bodenschonende Anbaumethoden werden mittels Direktzahlungen unterstützt. Zusätzlich hat der Bundesrat in der Vernehmlassung zum Verordnungspaket zur Parlamentarischen Initiative 19.475 Produktionssystembeiträge zum Erhalt der Bodenfruchtbarkeit durch möglichst kurze Brachen und eine humusaufbauende Bewirtschaftung vorgeschlagen.
Die Prinzipien der konservierenden Landwirtschaft werden über das Verordnungspaket zur Parlamentarischen Initiative 19.475 hinaus weiterhin in der Weiterentwicklung der Agrarpolitik berücksichtigt. Im Rahmen der Arbeiten zum Postulatsbericht 20.3931 wird die Thematik des Bodens über den Prüfauftrag "Aufrechterhaltung des Selbstversorgungsgrades" abgedeckt, da die Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit eine zentrale Voraussetzung zur Erreichung dieser Zielsetzung ist.
Antwort des Bundesrates.