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Agroscope streicht die Bedeutung der Förderung von Honig- und Wildbienen in der Agrarlandschaft hervor. Was tut der Bundesrat?

21.4143 · Interpellation · 2021-09-29

Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung

Erledigt

Wortlaut

Der Anteil an insektenbestäubten Kulturen nimmt in der Schweiz stetig zu. Entsprechend steigt die Nachfrage nach Bestäubungsleistung. Eine Studie von Agroscope zeigen nun, dass Honig- UND Wildbienen für eine gute Bestäubung unerlässlich sind. Dabei scheinen Wildbestäuber für die Produktion von Kern-, Steinobst- und Beerenkulturen besonders wichtig: Verschiedene Arten sind bei unterschiedlichen Temperaturen aktiv und können die Blüten bei unterschiedlichsten Wetterbedingungen bestäuben. Wie SCNAT im Bericht "Insektenvielfalt in der Schweiz" festhält, stehen Wildbestäuber durch den kontinuierlichen Verlust von Habitaten und Nahrungsressourcen sowie die Belastung durch Licht und Pestizide aber zunehmend unter Druck.

Agroscope hält zur eigenen Studie fest: "Die Ergebnisse zeigen die Wichtigkeit vielfältiger Agrarlandschaften und ein Zusammenspiel von verschiedenen gehölzerreichen und halbnatürlichen Habitaten, wie artenreiche Waldränder und Hecken, zusammen mit krautigen, blütenreichen Lebensräumen. [...] Hierbei können Buntbrachen oder Blühstreifen für Bestäuber wertvolle Nahrungsressourcen, und wenn mehrjährig, auch Nistmöglichkeiten für Wildbienen bieten.

Wenn durch diese Massnahmen Bestäuber gefördert werden und diese zusätzlich die Felder und Obstgärten optimal bestäuben, entsteht eine Win-Win-Situation für die landwirtschaftliche Produktion und die Biodiversität."

1. Nachdem Agroscope gezeigt hat, dass eine optimale Bestäubung durch Honig- und Wildbienen einen Einfluss auf Quantität UND Qualität der befruchteten Kulturen haben kann: Aufweichen Wert beläuft sich nun die jährlichen Bestäuberleistung in der Schweiz?

2. Offenbar könnte ein fortschreitender Verlust der Wildbestäuber zu hohen Einbussen in der Landwirtschaft führen: Was kostet es, den Verlust der Bestäuberleistung wettzumachen, bei einem Verlust von 25 Prozent bzw. 50 Prozent bzw. 75 Prozent bzw. 100 Prozent der Wildbestäuber, gegenüber heute? Welche Verfahren würden eingesetzt?

3. Was kostet es im Vergleich, das fortschreitende Insektensterben zu stoppen?

4. Wie Agroscope, kommt SCNAT im Bericht "Biodiversitätsfördernde Strukturen im Landwirtschaftsgebiet" zum Schluss, dass solche oft fehlen und schlägt darum rund 60 Massnahmen vor, um identifizierte Defizite zu beheben: Welche Sofortmassnahmen schlägt der Bundesrat vor? Welche ambitionierten, messbaren und terminierten Ziele verfolgt er in der mittleren und langen Frist?

https://www.researchgate.net/profile/Louis-Sutter/publication/336716776_Wildbienen_-Unterschatzte_Helfer_der_Kirschenproduktion/links/5daeaa32299bf111d4bfa6b1/Wildbienen-_Unterschaetzte-Helfer-der-Kirschenproduktion.pdf

https://scnat.ch/de/uuid/i/0ffab3f6-5259-51df-a67b-6a04cc8def23-Insektenvielfalt_in_der_Schweiz

https://scnat.ch/de/uuid/i/f278cef9-b02b-51e1-8962-554847c00423-Biodiversit%C3%A4tsf%C3%B6rdernde_Strukturen_im_Landwirtschaftsgebiet

Stellungnahme des Bundesrates

1. Im genannten Bericht von Agroscope wird der Wert der Bestäubungsleistung mit jährlich 341 Millionen Franken beziffert. Dieser Wert wurde für das Jahr 2014 berechnet und stellt den Mittelwert der ursprünglichen Schätzung von Sutter et al. (2017) dar, die eine Spannweite von CHF 205-479 Mio. errechnet hatten. Weil die Insektenbestäubung nicht nur die Ertragsmenge, sondern auch die Qualität bestimmter Kulturen beeinflusst, stellt dieser Mittelwert eine eher konservative Schätzung dar. Um wieviel die Schätzung durch Miteinbeziehen der Qualität nach oben korrigiert werden müsste, kann aufgrund der vorliegenden Daten nicht gesagt werden. Es ist jedoch anzunehmen, dass er sich in der genannten Spannweite bewegt.

2. Geht man von der oben genannten Schätzung und der Erkenntnis aus, dass etwa die Hälfte der Wertschöpfung durch Insektenbestäubung durch Hummeln und Wildbienen erbracht wird (Kleijn et al. 2015; globales Mittel), so kann der Schaden für die Landwirtschaft bei einem Totalausfall der Wildbestäuber auf rund 170 Millionen Franken pro Jahr geschätzt werden. Ein Ausfall der Bestäubungsleistung durch Hummeln und Wildbienen könnte durch eine Erhöhung der Anzahl Honigbienenvölker und ihre gezielte Platzierung bei insektenbestäubten Kulturen teilweise ersetzt werden. Ausserdem könnten vermehrt kommerziell erhältliche Hummeln und Solitärbienen eingesetzt werden. Eine weitere Möglichkeit stellt der vermehrte Anbau von selbstbestäubenden Sorten dar. Solche Sorten existieren jedoch nicht für alle Kulturen, und selbst wenn sie existieren, kann ein Vollertrag nur durch zusätzliche Insektenbestäubung erreicht werden. Für wenige Kulturen und Produktionssysteme könnte zukünftig auch eine mechanische Bestäubung durch Roboter oder Drohnen denkbar sein. Wie hoch die sogenannten "replacement costs" sind, kann nicht beziffert werden.

3. Der Bundesrat hat im Rahmen der Sofortmassnahmen zum Aktionsplan Strategie Biodiversität Schweiz deutliche Mittelaufstockungen vorgenommen. Damit werden Massnahmen zur Erhaltung der Insektenvielfalt und ihrer Kernhabitate unterstützt. Alleine seit dem Jahr 2021 setzt der Bund rund 20 Millionen pro Jahr zusätzlich ein. Diese Mittel werden durch die Kantone im Rahmen der Programmvereinbarungen in ähnlichem Umfang ergänzt. Damit wird die Sanierung von nationalen Biotopen unterstützt, was auch den Insekten hilft. Wie bereits in der Antwort auf die Motion 20.3010 angekündigt, ist der Bundesrat zudem bereit zu prüfen, ob sich unter Berücksichtigung des Berichtes zuhanden der UREK-N und den von der Kommission geforderten weiteren Schritten zusätzlicher Handlungsbedarf ergibt. Die damit verbundenen Kosten werden ebenfalls Teil dieser Prüfung sein.

4. Der SCNAT-Bericht wurde vom BLW mitfinanziert, um die Förderung der Strukturen in der Agrarpolitik zu verbessern. Schnell umsetzbare Massnahmen wurden in die Agrarpolitik 2022+ integriert. Letztere schlägt als messbares Ziel die Zunahme der biologischen Vielfalt auf den Biodiversitätsförderflächen und eine stabile Entwicklung auf der restlichen landwirtschaftlich genutzten Fläche zwischen dem ersten und zweiten Erhebungszyklus des ALL-EMA-Überwachungsprogramms vor. Die Bewertung der Beiträge zur Förderung der biologischen Vielfalt hat gezeigt, dass das Vorhandensein von Strukturen entscheidend ist für die Erhaltung und Förderung der biologischen Vielfalt auf landwirtschaftlichen Flächen.

Antwort des Bundesrates.

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