22.3601 · Postulat · 2022-06-14
Departement des Innern
Erledigt
Wortlaut
Der Bundesrat wird beauftragt zu prüfen, wie im Rahmen des Netzwerks Dritter über die Geschichte der Gleichstellung (Motion 19.3627) offiziell an die Opfer der "Hexenverfolgung" erinnert werden könnte. Es geht darum, Erinnerungsarbeit zu leisten und mit Vermittlungsarbeit die Bedeutung von Gleichheit, Menschenrechten, Unabhängigkeit und Integrität der Justiz bewusster zu machen.
Begründung
Zwischen 1430 und 1660 wurden in der Schweiz 3000 Personen wegen Hexerei angeklagt. Die französischsprachige Schweiz ist die Region in Europa, in der im Verhältnis am meisten Menschen wegen Hexerei hingerichtet wurden.
Das Ausmass und die Dauer dieser Periode in unserer Geschichte verdienen es, der breiten Öffentlichkeit bekannter gemacht zu werden. "Hexen" waren unabhängige Frauen, die sich zum Beispiel weigerten zu heiraten, verwitwet oder unverheiratet waren, keine Kinder hatten oder einfach nur alt waren. Hexen gibt es nicht. Dafür gab es diese Opfer, und sie wurden allesamt hingerichtet.
In Schottland wurde im Dezember 2021 ein Gesetzesentwurf angekündigt, der vorsieht, dass Personen begnadigt werden, die zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert wegen Hexerei zum Tode verurteilt wurden. Damit sollen die Behörden ihr Fehlverhalten bei der Verfolgung eingestehen. Das katalanische Regionalparlament verabschiedete am 26. Januar 2022 eine Resolution zur Rehabilitierung von mehr als 800 Frauen, die zwischen dem 15. und 17. Jahrhundert der "Hexerei" angeklagt und Opfer einer "misogynen Verfolgung" wurden.
Der Bundesrat wird aufgefordert, sich Projekte zum Vorbild zu nehmen, die von Schweizer Gemeinwesen bereits umgesetzt wurden. Beispiele hierfür sind die Städte Freiburg (Place Catherine Repond) und Zürich (Hexenrundgang) oder der Kanton Glarus (Anna Göldi Museum, letzte wegen Hexerei verurteilte Frau in Europa).
Antrag des Bundesrates
Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.
Stellungnahme des Bundesrates
Die Hexenverfolgung ist ein schwarzes Kapitel der Menschheits- und der Schweizer Geschichte. Die Opfer waren dabei zum grössten Teil Frauen. Die Hexenverfolgung ist damit ein wichtiger Bestandteil der Geschichte der Frauen.
Im Parlament ist derzeit die Motion 19.3627 Streiff-Feller hängig, welche ein nationales Frauenmuseum bzw. ein Netzwerk zur Geschichte der Frauen zum Gegenstand hat. In diesem Rahmen könnte auch die Hexenverfolgung in geeigneter Weise thematisiert werden. Dabei wäre es aber nicht Aufgabe des Bundes, sondern Aufgabe der Träger einer solchen Institution zu evaluieren, auf welche Weise die Hexenverfolgung am besten bearbeitet und vermittelt wird.
Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.