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Förderung von Techniken aus der Verhaltensökonomik und "nudges" zur Senkung des Energieverbrauchs

22.3766 · Postulat · 2022-06-16

Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation

Erledigt

Wortlaut

Der Bundesrat wird gebeten zu prüfen, wie man gewisse Techniken aus der Verhaltensökonomik (Nudges, Feedback-Mechanismen) dazu verwenden könnte, Bevölkerung und Unternehmen dabei zu unterstützen, ihren Energieverbrauch zu senken. Er könnte zum Beispiel die Verwendung gewisser Technologien fördern, die einen auf den eigenen Energieverbrauch aufmerksam machen oder einem die Entscheidungen ins Bewusstsein rufen, die man selber treffen kann; dazu bräuchte es keine neuen finanziellen Anreize in Form von Steuern usw. Der Bundesrat könnte wie in anderen Ländern die Schaffung einer Taskforce in Erwägung ziehen.

Begründung

"Nudges" sind Massnahmen, die geeignet sind, Personen in ihren Entscheidungen zu beeinflussen, sie bei der Entscheidfindung zu unterstützen oder sie zu einem bestimmten Verhalten zu bewegen, ohne dass dabei Steuern oder andere Anreizveränderungen zum Einsatz kommen. Die bekannten Beispiele sind oft etwas anekdotisch. So kann man beispielsweise das Treppensteigen reizvoller gestalten, indem man die Treppe mit künstlerischen oder musikalischen Installationen versieht. Oder man lässt die Leute die Frage beantworten, in welchen Bereich des Abfallcontainers sie den Abfall werfen, den sie getrennt haben.

In vielen Fällen ist zwar nicht erwiesen, dass das Verhalten auf diese Weise dauerhaft beeinflusst werden kann. Es gibt aber bestimmte Bereiche, in denen sich die beschriebenen Techniken als ausgesprochen wirksam herausstellen können. Dazu gehört zum einen der Einsatz von Technologien, die einem eine Rückmeldung zu den Auswirkungen der eigenen Entscheidungen geben; dies kann das eigene Verhalten dauerhaft verändern. Zum andern gehört dazu der Einsatz von Technologien, die einem gewisse Entscheidungen ins Bewusstsein rufen, die es zu treffen gilt. Auch dies kann das Verhalten verändern, ohne einen zu zwingen, was auch immer zu tun.

Es gibt übrigens Unternehmen, die solche Produkte entwickeln, beispielsweise Produkte, die einen darin unterstützen, den eigenen Energieverbrauch besser zu verstehen, indem sie die Rückmeldungen verbessern, die man erhält, wenn getroffene Entscheidungen Auswirkungen auf die Umwelt haben. Leider lohnt sich der Einsatz solcher Werkzeuge zwar für die Gesellschaft als Ganzes, aber nicht unbedingt für einzelne Personen oder Unternehmen. Der Bundesrat wird gebeten zu prüfen, in welchen Fällen diese oder verwandte Techniken unaufdringlich und ohne zu manipulieren eingesetzt werden könnten, um den Energieverbrauch zu senken. Wenn das Kosten-Nutzen-Verhältnis günstig ist, sollten Technologien oder Strategien gefördert werden, die das Verhalten in dieser Art beeinflussen können, auch wenn sie für sich allein natürlich nicht ausreichen werden.

Natürlich können diese Techniken in vielen Fällen in die Nähe der Manipulation geraten und zu Marketingzwecken genutzt werden. Vorliegend geht es aber darum, nur Techniken einzusetzen, die es den Leuten erlauben, die Qualität ihrer Entscheidungen zu verbessern, ohne sie dabei zu manipulieren, und auch dies nur, wenn es einen Nutzen bringt.

Antrag des Bundesrates

Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.

Stellungnahme des Bundesrates

Der Bundesrat unterstützt das Anliegen des Postulats, Nudges regelmässig und effizient einzusetzen, um die Qualität der Entscheidungen der Bevölkerung und der Unternehmen im Bereich der Energieeffizienz und der erneuerbaren Energien zu verbessern. Ziel ist die Bevölkerung zu Verhaltensänderungen zu ermutigen, ohne dabei manipulativ zu sein.

Das Bundesamt für Energie nutzt schon heute die Erkenntnisse der Verhaltensökonomie, um bestimmte Zielgruppen gewünschte Verhaltensoptionen näher zu bringen und Hemmnisse zu Verhaltensänderungen zu beseitigen. Das Programm EnergieSchweiz hat bereits 2016 mit Verhaltenswissenschaft "Energy Challenge" entwickelt und umgesetzt. An der Mustermesse Basel (Muba) 2017 konnten beispielsweise Besucherinnen und -besucher mit der App E-Challenge Wissenswertes rund um das Thema Energie lernen, an Wettbewerben teilnehmen und Energiespar-Commitments abgeben, indem sie Energie-Tipps umsetzen. Die andauernden Kampagnen "MakeHeatSimple" oder "Erneuerbar heizen" beruhen auch auf diesen wissenschaftlichen Erkenntnissen.

Angesichts der aktuellen Situation im Energiebereich mit dem Krieg in der Ukraine plant EnergieSchweiz ab Herbst 2022 weitere Anreize zur Verhaltensänderung, Informations- und Sensibilisierungskampagnen. Dies mit dem Ziel, die Bevölkerung über die Wichtigkeit eines nachhaltigen Verhaltens zu sensibilisieren und somit den Verbrauch von Energien kurz- und mittelfristig zu senken. Dabei ist die vermehrte Unterstützung durch Expertinnen und Experten im Bereich der Verhaltenswissenschaft vorgesehen.

Der Bundesrat erachtet die Prüfung gewisser Techniken aus der Verhaltensökonomik als nicht nötig, da dies bereits realisiert wird.

Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.