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22.4023 · Motion · 2022-09-28

Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation

Erledigt

Wortlaut

Der Bundesrat wird beauftragt zu prüfen, ob der Lötschberg-Scheiteltunnel zwischen Goppenstein und Kandersteg nach dem Vollausbau des Basistunnels in einen Autotunnel umgebaut werden kann.

Begründung

Der Lötschberg-Basistunnel zwischen Frutigen im Berner Oberland und Raron im Oberwallis ist nicht mehr wegzudenken. Der Vollausbau dieses Basistunnels ist von eminenter volkswirtschaftlicher Bedeutung, insbesondere um den Halbstundentakt zwischen Bern und dem Wallis zu ermöglichen. Güterzüge können zukünftig ebenfalls mit einer deutlich erhöhten Kadenz durch den Basistunnel statt über die Lötschberg-Bergstrecke verkehren und der Güterverkehr vermehrt auf die Schiene verlegt werden.

Der Vollausbau des Basistunnels bietet indes auch eine einmalige Gelegenheit für den Autoverkehr und diese Möglichkeit gilt es zu nutzen. Sowohl die Bevölkerung im Berner Oberland wie auch die Bevölkerung im Oberwallis sind auf das Auto angewiesen. Das Oberwallis ist im Sommer über Pässe und im Winter faktisch ausschliesslich tagsüber über die kostenpflichtigen Bahnverladezüge Lötschberg und Furka zu erreichen.

Im Rahmen der Realisierung der N6 wurde der Rawlitunnel geplant, um Wimmis im Berner Oberland mit Uvrier im Mittelwallis zu verbinden. Obschon bereits der Sondierstollen erstellt war, wurde dieses Projekt nie realisiert und vom Bund in den 1980er-Jahren verworfen, jedoch wurde die damals in Aussicht gestellte Tarifverbilligung für den Autoverlad Kandersteg - Goppenstein nie vollzogen. Seit 2020 ist dieser Autoverlad richtigerweise Teil der N6.

Jährlich transportiert der Autoverlad am Lötschberg über 1,25 Millionen Fahrzeuge. Aufgrund der hohen Verladegebühren ist der Anreiz gross, für den Weg ins Ober- und Mittelwallis einen grösseren Umweg auf der Strasse via Vevey auf sich zu nehmen. Durch den Autotunnel könnte Umgehungsverkehr vermieden und damit auch der CO2-Ausstoss reduziert und die Automobilisten entlastet werden.

Damit das Oberwallis erstens auch im Winter, zweitens ohne Wegzoll und drittens rund um die Uhr mit dem Auto erreicht werden kann, ist es zwingend, endlich einen Autotunnel zu realisieren, idealerweise durch eine Umnutzung des bestehenden Lötschberg-Scheiteltunnels. Ein Autotunnel wäre für die betroffenen Regionen von enormer volkswirtschaftlicher Bedeutung und aufgrund des Vollausbaus des Lötschberg-Basistunnels kann auf den bisherigen Lötschberg-Scheiteltunnel für den Bahnverkehr verzichtet werden.

Antrag des Bundesrates

Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.

Stellungnahme des Bundesrates

Der Eisenbahntunnel zwischen Kandersteg und Goppenstein ist nicht als Strassentunnel geeignet. Der erforderliche Querschnitt für einen Strassentunnel ist mit dem bestehenden Bahntunnel nicht gegeben. Um ein ausreichendes Lichtraumprofil für die verkehrliche Nutzung zu erreichen, müsste das Tunnelprofil des Eisenbahntunnels sowohl in der Breite als auch in der Höhe wesentlich vergrössert werden. Ein Strassentunnel muss zudem zusätzlich mit Lüftungsanlagen für den Betrieb und eine Ereignislüftung bei Havarien ausgerüstet werden. Aus Sicherheitsgründen müsste zudem ein separater Sicherheitsstollen gebaut werden. Eine Umnutzung wäre daher mit langwierigen und teuren Investitionen verbunden.

Der Lötschberg-Scheiteltunnel dient nebst dem Autoverlad insbesondere der Erreichbarkeit und Erschliessung des Lötschentals und der Lötschberg-Südrampe mit Angeboten des öffentlichen Verkehrs. Eine Umnutzung des Tunnels hätte zur Folge, dass die ÖV-Verbindungen nicht mehr in der heutigen Form angeboten werden könnten. Damit würden in den genannten Regionen der Tourismus leiden und die Verkehrsbelastung auf der Strasse zunehmen. Während der Bauzeit wäre die Verbindung zwischen Kandersteg und Goppenstein sowohl für den Schienenverkehr wie für den Autoverlad über Jahre unterbrochen.

Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.