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Der Wolf als Vektor für epizootische Krankheiten? Ein zusätzliches Risiko für Wildtiere, Haustiere und Menschen?

23.3894 · Interpellation · 2023-06-16

Departement des Innern

Erledigt

Wortlaut

Im Gegensatz zu einigen Raubtieren kann der Wolf sehr grosse Distanzen - bis zu 1500 Kilometer - zurücklegen.

Beispielsweise wurde die Anwesenheit eines der 2020 am Col du Marchairuz geborenen Männchen im August 2021 in Graubünden bestätigt. Ein in Graubünden geborener Wolf ist mit Sicherheit gestorben, nachdem er von der Schweiz nach Ungarn gewandert war. In weniger als einem Jahr legte dieser Wolf, der ein GPS-Halsband trug, eine Strecke von 1927 Kilometern von Graubünden bis nach Ungarn zurück. Dies ist die längste Wanderung, die jemals in Europa für diese Tierart festgestellt wurde.

Diese langen Wanderungen subadulter, oft einzelgängerischer Wölfe auf der Suche nach Nahrung und Artgenossen durch ganz Europa können durch Gebiete führen, in denen die Tollwut noch nicht vollständig ausgerottet ist. Auch die Vogelgrippe wird durch Zugvögel in ganz Europa verbreitet, und nicht zu vergessen die Afrikanische Schweinepest, die ebenfalls in Europa und insbesondere in den osteuropäischen Ländern vorkommt.

Die Schweiz und einige westeuropäische Länder sind heute frei von Tollwut. Die Schweiz führte ab 1978 eine Impfkampagne für Füchse durch, bei der mit Impfstoff gefüllte Köder verwendet wurden. Dank dieser Kampagne konnte die Tollwut in der Schweiz ausgerottet werden. Seit 1998 gilt die Schweiz offiziell als tollwutfrei.

Im Jahr 2008 wurden in Italien neun Tollwutfälle registriert. Ein Jahr später waren es 69 Tiere, die tot aufgefunden wurden. Und 2010 hat das Virus bis Mitte Mai bereits über 180-mal getötet.

Daher habe ich die Ehre, folgende Fragen an den Bundesrat zu richten:

  • Wie ist die aktuelle Tollwutsituation in Europa und insbesondere in unseren Nachbarländern?
  • Welche Massnahmen werden in der Schweiz ergriffen, um zu verhindern, dass mittels Übertragung durch den Wolf die Tollwut und andere epizootische Krankheiten zurückkehren?
  • Wie hoch ist das Risiko der Ausbreitung und Übertragung dieser Krankheiten durch den Wolf auf andere Kaniden oder Feliden?
  • Werden DNA-Tests, die an Kadavern von Wolfsbeutetieren durchgeführt werden, von Tests auf Tollwut und andere möglicherweise übertragbare Krankheiten begleitet?

Stellungnahme des Bundesrates

Sämtliche westeuropäischen Länder gelten seit Jahren als frei von Tollwut; darunter Frankreich (2001), Deutschland (2008), Österreich (2008) und Italien (nach den registrierten Fällen im Jahr 2010 hat Italien seine Impfkampagne wieder aufgenommen und galt somit 2013 wieder als «tollwutfrei»). Im östlichen Europa wurden 2022 Tollwutfälle vor allem aus der Ukraine, Georgien und Rumänien bei Haus- und Wildtieren und aus Polen vorwiegend bei Wildtieren gemeldet. In der Schweiz konnte die Tollwut mittels oraler Immunisierung von Rotfüchsen ausgerottet werden, so dass sie seit 1998 amtlich anerkannt frei von terrestrischer Tollwut ist, d.h. bei Tieren, die nicht fliegen können. In der EU werden die gleichen Bekämpfungs- und Ausrottungsmassnahmen angewandt. Somit ist die Gefahr einer natürlichen Verbreitung der Tollwut durch Wildtiere gegenwärtig als gering anzusehen. Die grösste Gefahr eines Eintrags der Tollwut in ein als frei anerkanntes Land wie der Schweiz besteht gegenwärtig durch die illegale Einfuhr von Heimtieren.

In der Schweiz und den Nachbarländern wird die Tollwutsituation regelmässig überwacht. So werden jährlich bei Verdacht ca. 100-120 Haus- und Wildtiere von der Schweizerischen Tollwutzentrale am Institut für Virologie und Immunologie auf Tollwut untersucht. Alle behördlich erlegten oder tot aufgefundenen Wölfe in der Schweiz werden im Auftrag des Bundes im Sinne der Früherkennung hinsichtlich des Vorkommens von Tollwut und weiteren Krankheiten überwacht und auf ihren Gesundheitszustand hin untersucht. Bisher wurde bei keinem der untersuchten Wölfe Tollwut nachgewiesen.

Das Risiko ist sehr klein, dass die Tollwut durch migrierende Wölfe weiterverbreitet wird, denn diese Krankheit kommt bei Wölfen in den durchwanderten Ländern nicht häufig vor. Als weitere auf den Menschen übertragbare Erkrankungen sind vor allem die Infektion mit dem Fuchsbandwurm (Echinokokkose) und die Trichinellose, eine Infektionskrankheit, die durch einen Fadenwurm verursacht wird, zu nennen. Infizierte Wölfe scheiden die Erreger mit dem Kot aus. Als Hauptansteckungsquellen gelten für die Echinokokkose aufgrund der Nähe zum Menschen der Kot infizierter Füchse und Hunde und bei der Trichinellose die orale Aufnahme infizierten Fleisches von Wildschweinen.

Es werden keine DNA-Tests auf Tollwut und andere Krankheitserreger an den Kadavern der Beutetiere von Wölfen durchgeführt. Der Nachweis des Tollwut-Erregers ist nur aus Hirnproben von klinisch kranken Tieren mit Symptomen sinnvoll.

Die Tollwut-Freiheit der Schweiz wird also gegenwärtig durch Wölfe nicht als gefährdet betrachtet. Des Weiteren steht heute für Haussäugetiere eine effiziente Tollwut-Impfung, und für den Menschen eine effiziente Immunprophylaxe zur Verfügung.

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