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23.4039 · Interpellation · 2023-09-25

Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung

Erledigt

Wortlaut

Es gibt viele Initiativen, die das Problem des Klimawandels und der Treibhausgasemissionen auf dem Teller der Konsumentinnen und Konsumenten zu lösen versuchen: Die Schweizerinnen und Schweizer müssen weniger Fleisch essen! Der Bund selbst setzt in seiner Klimastrategie Landwirtschaft und Ernährung 2050 auf eine Veränderung der Konsummuster und rät der Bevölkerung, die Empfehlungen der Schweizer Lebensmittelpyramide zu befolgen, wobei die Wahlfreiheit nach wie vor bei den Konsumentinnen und Konsumenten liegen soll. Die Umweltverbände aber machen da nicht halt. Sie versuchen, die Veränderung herbeizuzwingen, indem sie eine Reduktion der Fleischproduktion in der Schweiz verlangen. Die Schweizer Landwirtschaft hält aber die strengsten Produktionsnormen weltweit ein und garantiert so eine hohe Lebensmittelsicherheit. Unsere Bauernfamilien sorgen für eine respektvolle Tierhaltung und stellen sicher, dass sehr hohe Standards im Bereich Naturschutz eingehalten werden. Dies ist bei importiertem Fleisch nicht immer der Fall, mit dem die Lücke in der einheimischen Produktion ja ausgeglichen werden müsste, falls die Konsumentinnen und Konsumenten ihre Gewohnheiten nicht grundlegend ändern.

Ich bitte den Bundesrat um die Beantwortung der folgenden Fragen:

  1. Wie hat sich der Fleischkonsum in der Schweiz, aufgeschlüsselt nach den verschiedenen Fleischsorten, seit 2013 entwickelt?

  2. Wie viel Prozent des Fleischkonsums kann durch die einheimische Fleischproduktion abgedeckt werden?

  3. Aus welchen Ländern wird Fleisch importiert?

  4. Ist der Bundesrat auch der Meinung, dass besser auf eine Reduktion der Importe statt auf eine Senkung der einheimischen Fleischproduktion gesetzt werden sollte, auch wenn die Konsumentinnen und Konsumenten ihr Konsumverhalten ändern?

Stellungnahme des Bundesrates

1. Der Pro-Kopf-Verbrauch an Fleisch ist gemäss der Statistik «Der Fleischmarkt im Überblick 2022» von Proviande in der Schweiz zwischen 2013 und 2022 um 1,21 Kilogramm gesunken und liegt heute bei 50,76 Kilogramm pro Jahr. Dies entspricht einer Abnahme von 2,3 Prozent innerhalb der letzten zehn Jahre. Der Gesamtkonsum an Fleisch hat im Jahr 2022 gegenüber dem Jahr 2013 um 25'527 Tonnen Verkaufsgewicht zugenommen. Dies ist eine Zunahme von rund sechs Prozent und ist auf das Bevölkerungswachstum zurückzuführen. Seit 2013 wird pro Kopf der Bevölkerung insbesondere weniger Schweinefleisch (minus 2,76 kg) und weniger Kalbfleisch (minus 0,85 kg) konsumiert. Der Geflügelfleischkonsum ist im gleichen Zeitraum um 3,57 Kilogramm pro Kopf (d.h. rund 31 Prozent) angestiegen. Der Rindfleischkonsum blieb mit 10,98 Kilogramm pro Kopf seit 2013 ziemlich konstant.2. Der Inlandanteil beim Gesamtverbrauch an Fleisch lag im Jahr 2022 bei 82,2 Prozent. Unterscheidet man nach den am häufigsten konsumierten Fleischarten, weisen insbesondere das Schweinefleisch (96,4 %) und das Kalbfleisch (96 %) hohe Inlandanteile am Verbrauch auf. Deutlich tiefer sind die Inlandanteile beim Geflügelfleisch (66,3 %) und beim Schaffleisch (41,9 %). Beim Rindfleisch beträgt der Inlandanteil 82 Prozent.3. Die Herkunftsländer des importierten frischen, gekühlten oder gefrorenen Fleisches unterscheiden sich zwischen den verschiedenen Fleischarten. Gestützt auf die Aussenhandelsstatistik des Bundesamts für Zoll und Grenzsicherheit (BAZG) waren die fünf Hauptlieferländer je Fleischart im Jahr 2022 die folgenden: Tabelle: Fleischimporte 2022 nach Herkunftsland und Fleischart, in Kilogramm nettoLandGeflügelfleisch
Tarifnummer 0207
Fleisch und geniessbare SchlachtnebenprodukteRindfleisch (inkl. Kalbfleisch)
Tarifnummer 0201/0202 Frisch, gekühlt oder
gefrorenSchaf- und
Ziegenfleisch
Tarifnummer 0204
Frisch, gekühlt oder
gefrorenSchweinefleisch
Tarifnummer 0203Frisch, gekühlt oder
gefrorenAustralien0653’141995’5620Brasilien18'246’968147’82400Deutschland5'039’2837’160’74239’5521'379’960Frankreich4’749’111500’765416’00498’334Irland5’7372'915’4931’283’5050Neuseeland010’8641'466’9570Österreich768’3335'687’0981’925217’158Paraguay01'209’46300Portugal107’6411’77613’509217’477Slowenien1’653’10335057’096Spanien152’51336’10213’724131’711Ungarn6'247’11346744’6865Uruguay01'656’00647’8220Ver. Königreich39’507126’7731'124’900624Diverse Länder3'519’0412'689’163111’95355’204Total40'528’35022'795’7125'560’0992'157’569Quelle: Swissimpex BAZG4. Für den Bundesrat ist die Wahlfreiheit und die Selbstverantwortung der Konsumierenden wichtig. Er setzt deshalb zur Förderung eines nachhaltigen Konsums in der Ernährung auch beim Einkauf primär auf die Eigenverantwortung der Konsumentinnen und Konsumenten. Die Schweizer Landwirtschaft zeichnet sich durch ein hohes Qualitätsniveau und strenge Produktionsstandards in den Bereichen Tierschutz, Tierwohl, Ökologie und Lebensmittelsicherheit aus. Repräsentative Befragungen, welche im Auftrag des Bundesamts für Landwirtschaft (BLW) regelmässig durchgeführt werden, zeigen, dass die Befragten beim Einkauf von tierischen Produkten im hohen Masse im Inland produzierte Lebensmittel bevorzugen. Zusätzlich trägt das aktuelle Importsystem für Fleisch in der Schlachtviehverordnung (SR 916.341) dem Anliegen des Interpellanten bereits Rechnung. Die vom BLW periodisch innerhalb der präferenziellen Zollkontingente freigegebenen Importmengen für Fleisch werden von den interessierten Kreisen ergänzend zum bestehenden inländischen Fleischangebot beantragt.

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