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23.4051 · Interpellation · 2023-09-26

Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung

Erledigt

Wortlaut

In den nächsten Jahren wird viel Zeit in die die Entwicklung Künstlicher Intelligenz (KI) und automatisierter Systeme gesteckt werden. Die Digitalisierung erhält damit einen zusätzlichen Schub, der unsere Gesellschaft von Grund auf verändern wird. Gerade im Bereich der Künstlichen Intelligenz stellen sich zunehmend neben den technischen Fragen auch ethische Fragen. Man nenne als Beispiel das Potenzial automatisierter Waffensysteme, die mit Algorithmen betrieben, sehr gefährlich sein können.

In der wissenschaftlichen Welt findet international ein Umdenken statt. So wird in einigen Ländern und an Topuniversitäten wie z.B. am MIT oder in Stanford die ethische Ausbildung zur Pflicht für das Ingenieurwesen wie z.B. in der Robotik. Mit dem Potenzial künstlicher Intelligenz ist es unablässig, dass sich auch Entwicklung und Forschung auch in der technischen Ausbildung zunehmend mit den ethischen Fragen befasst.

Ich bitte den Bundesrat in diesem Kontext um die Beantwortung folgender Fragen:

  • Teilt der Bundesrat die Einschätzung, dass das Ingenieurwesen, insb. im Bereich der Robotik und der KI, eine Verantwortung trägt, den Studierenden auch ethische Grundlagen zu vermitteln?

  • Wie kann der Bundesrat ethische Standards im Bereich der Lehre und Forschung in technischen Wissenschaften sicherstellen?

Stellungnahme des Bundesrates

Der Bundesrat teilt die Ansicht der Interpellantin, dass der Wissenschaft eine grosse Bedeutung im Hinblick auf den Umgang mit künstlicher Intelligenz (KI) zukommt. Die Hochschulen haben die Verantwortung, ihren Studierenden neben der eigentlichen Erforschung, der kompetenten Nutzung und der kritischen Hinterfragung neuer Technologien auch die erforderlichen ethischen Grundsätze zu vermitteln. Dies gilt auch für das Ingenieurwesen im Allgemeinen und aktuell besonders in den Bereichen Robotik und KI.

In den naturwissenschaftlich-technischen Studiengängen werden heute auch zahlreiche Kurse in Ethik angeboten. Es lässt sich feststellen, dass an den Hochschulen mit Schwerpunkten auf KI, Informatik und Ingenieurwesen der Ethikunterricht an Bedeutung gewinnt; dies nicht mehr nur als nicht obligatorischer Soft-Skill für die Ingenieurausbildung, sondern als integraler Bestandteil davon. Besonders ausgeprägt ist dies im Bereich der KI, wo der Fokus auf einem verantwortungsbewussten, menschzentrierten und transparenten Ansatz liegt. Ausserdem beschäftigen sich auch philosophisch-ethische Fakultäten zunehmend mit Fragen der verantwortungsvollen Nutzung neuer Technologien und künstlicher Intelligenz.

Überdies haben die Akademien der Wissenschaften Schweiz gemäss Artikel 11 Absatz 2 Buchstabe b des Bundesgesetzes über die Förderung der Forschung und Innovation vom 14. Dezember 2012 (FIFG, SR 420.1) den Auftrag, sich dafür einzusetzen, «dass, wer Erkenntnisse gewinnt oder anwendet, seine ethische Verantwortung wahrnimmt». Im Zusammenhang mit dieser Aufgabe haben die Akademien in Zusammenarbeit mit SNF, Innosuisse und der Rektorenkonferenz der Schweizer Hochschulen 2021 einen «Kodex zur wissenschaftlichen Integrität» publiziert (https://akademien-schweiz.ch > themen > wissenschaftskultur > wissenschaftliche-integrität), der auch Ethikfragen adressiert. Die Schweizerische Akademie der Technischen Wissenschaften SATW bewirtschaftet einen Themenschwerpunkt «Künstliche Intelligenz» und eine entsprechende Themenplattform. In diesem Kontext hat sie beispielsweise ein Factsheet zu Ethik in der Robotik publiziert (www.satw.ch > publikationen > ethik-in-der-robotik).

Aus Sicht des Bundesrates sind sich die Hochschulen ihrer Verantwortung bewusst und nehmen ihre Pflicht wahr, den Studierenden ethische Grundlagen zu vermitteln. Der Bundesrat sieht daher gegenwärtig keinen Handlungsbedarf. Aufgrund der gesetzlich garantierten Hochschulautonomie wäre sein Handlungsspielraum diesbezüglich auch begrenzt.