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Ist ein Forschungsabkommen mit Taiwan ein Desiderat für Bildung und Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz im Halbleitersektor?

24.3501 · Interpellation · 2024-05-29

Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung

Erledigt

Wortlaut

Ein Forschungsabkommen zwischen der Schweiz und Taiwan gibt es bis jetzt nicht. Taiwan produziert fast 60% aller weltweit verkauften Computerchips und 90% der modernsten Mikrochips. Ein Grossteil davon wird in der weltweit größten Halbleiter-Fabrik ‘Taiwan Semiconductor Manufacturing Company (TSMC)’ hergestellt. Es wird erwartet, dass damit der Umsatz auf über eine Billion Dollar im Jahr 2030 steigt. Die globale Lieferkette ist jedoch durch die Spannungen mit China bedroht. Eine mögliche Invasion Chinas in Taiwan würde eine verheerende Chip-Knappheit im Westen zur Folge haben. Die EU und die USA entwickeln bereits Alternativpläne. TSMC hat den Bau eines zweiten Werks in Arizona angekündigt, und Deutschland verhandelt über den Bau einer Chipfabrik in Europa.

Die Schweiz hat bisher keine Strategie entwickelt, um ihre Beziehungen zu Taiwan zu stärken, obwohl sie während der Pandemie stark unter der Chip-Knappheit litt. Professor Chih-Jen Shih von der ETH Zürich betont, dass ein Abkommen zwischen der Schweiz und Taiwan die Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz im Halbleitersektor erhöhen würde. Schweizer Studierende hätten Zugang zu modernsten Technologien in Bereichen wie künstliche Intelligenz, Robotik und Cybersicherheit. TSMC hat kürzlich ein Forschungsprogramm gestartet, an dem keine Schweizer Institute beteiligt sind. Durch die Teilnahme an solchen Programmen könnten Schweizer Studierende Zugang zur Technologie der Zukunft erhalten.

Stellungnahme des Bundesrates

Die Schweiz hält an ihrer Ein-China-Politik fest und anerkennt Taiwan (Chinesisches Taipei) nicht als eigenständigen Staat. Das bedeutet, dass die Schweiz keine offiziellen Beziehungen zu Taiwan pflegt und auch keine bilateralen Abkommen mit Taiwan abschliesst.Die Halbleiter-Wertschöpfungskette ist auf internationaler Ebene stark fragmentiert, während die verschiedenen Produktionsschritte für Halbleiter geografisch auf ein Gebiet konzentriert sind. Taiwan stellt die meisten fortschrittlichen Halbleiter her, ist aber auf die Lieferung von Rohstoffen, Ausrüstungen und anderer Güter – wie chemische Produkte und Spezialgase – angewiesen, die hauptsächlich aus den USA, Europa und Japan stammen. Eine Kontrolle der Wertschöpfungskette und entsprechend eine Garantie der Versorgung mit Mikrochips für die Schweiz ist nicht möglich.In seinem im April 2023 veröffentlichten Bericht in Erfüllung des Postulats 21.3967 stellte der Bundesrat fest, dass die Beziehungen der Schweiz zu Taiwan im Wissenschafts- und Forschungsbereich gut sind. Die Schweizer Hochschulen arbeiten im Rahmen ihrer eigenen Interessen direkt mit Partnereinrichtungen in Taiwan zusammen. Es bestehen rund 40 Vereinbarungen zwischen Schweizer und taiwanischen Hochschulen über Austausch- und Stipendiatsprogramme sowie über andere Instrumente der Zusammenarbeit. Die Bundes-Exzellenz-Stipendien stehen auch Bewerberinnen und Bewerbern offen, die aus Taiwan stammen oder dort seit 2018 ansässig sind.Forschende aus Taiwan können überdies an Projekten des Schweizerischen Nationalfonds (SNF) beteiligt werden, wenn sie die Zulassungsvoraussetzungen erfüllen. Zwischen dem 1. Januar 2016 und dem 3. Juni 2022 genehmigte der SNF zwölf Anträge betreffend die Zusammenarbeit mit Forschenden in Taiwan oder betreffend Forschungen in Taiwan für einen Gesamtbetrag von knapp einer Million Franken.Zudem betreut die ETH Zürich im Auftrag des SBFI (als Leading House Asia) das bilaterale Programm der Schweiz für die Zusammenarbeit mit Ost- und Südostasien. Für wissenschaftliche Kooperationen mit akademischen Partnereinrichtungen in Taiwan kann auf die bestehenden Finanzierungsinstrumente zurückgegriffen werden. Für die aktuelle Finanzierungsperiode (2021‒2024) hat das Leading House Asia insgesamt neun Anträge für Forschungskooperationen mit Forschenden in Taiwan erhalten (über alle Finanzierungsinstrumente hinweg). Drei wurden seit 2021 unterstützt, zwei befinden sich derzeit noch in Prüfung (Stand Juli 2024). Ziel des Bundes ist es, kontinuierlich für Rahmenbedingungen zu sorgen, die von Schweizer Akteuren im internationalen Bereich frei eingegangene autonome Kooperationen und «Bottom-up-Projekte» begünstigen.

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