24.4520 · Interpellation · 2024-12-19
Departement des Innern
Stellungnahme zum Vorstoss liegt vor
Wortlaut
Die Ernährungslage in der Schweiz hat sich explosionsartig verschlimmert: Immer mehr Menschen kaufen in solidarischen Lebensmittelläden ein und es werden immer mehr Lebensmittelpakete verteilt. In einer Zeit der weltweit steigenden Verbraucherpreise haben die einkommensschwächsten Haushalte keinen Zugang mehr zu hochwertiger Ernährung. Diese Haushalte befinden sich in einer Zwickmühle: Einerseits sind sie gezwungen, billige und minderwertige Produkte zu konsumieren, und andererseits wirkt sich dies negativ auf ihre Gesundheit, die Umwelt und die Landwirtschaft aus. Dadurch entsteht eine widersprüchliche Situation, in der es für Landwirtinnen und Landwirte immer schwieriger wird, von ihrer Arbeit zu leben, während die ärmsten Bevölkerungsschichten keinen Zugang zu wirklich hochwertigen Lebensmitteln haben.
Mit «hochwertig» sind die Empfehlungen des BLV gemeint. Die Ernährung soll abwechslungsreich und vielfältig sein und es wird empfohlen, «täglich 5 Portionen Gemüse und Früchte zu konsumieren», «regionale und saisonale Produkte zu bevorzugen» und «den Fokus auf frische Lebensmittel zu legen, statt auf verarbeitete Lebensmittel mit langen Zutatenlisten». Dies hilft dabei, Fettleibigkeit, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu vermeiden. Um den Zugang zu solcher Ernährung zu verbessern, hat das BLV eine Strategie erarbeitet, die auf Information, die Stärkung der Ernährungskompetenz der Konsumentinnen und Konsumenten sowie auf die Anregung der Wirtschaftssektoren zur Verbesserung der Qualität der Lebensmittel abzielt.
Eine solche Strategie richtet sich jedoch nicht auf eine der wesentlichen Ursachen von Mangelernährung: die finanzielle Unfähigkeit von einigen Menschen, Lebensmittel in ausreichender Quantität und Qualität zu beschaffen. «Ein gesunder Lebensstil, unabhängig von Alter, Herkunft oder Einkommen», bleibt somit ein frommer Wunsch, solange die materiellen Bedingungen der einkommensschwächsten Haushalte dafür nicht ausreichen.
Der Preis, der man Schweizer Landwirtinnen und Landwirten zahlt, darf zu diesem Ziel nicht angepasst werden, denn sie sind bereits an der Grenze der wirtschaftlichen Lebensfähigkeit und ihre Löhne gehören zu den niedrigsten aller Berufsgruppen. Welche konkreten Massnahmen gedenkt der Bundesrat über die Sensibilisierung und Förderung hinaus zu treffen, um allen Menschen den Zugang zu lokalen, gesunden und nachhaltigen Lebensmitteln zu ermöglichen?
Stellungnahme des Bundesrates
Wer sich gesund ernährt, verringert das Risiko, an ernährungsbedingten Krankheiten (z. B. Bluthochdruck, Diabetes Typ 2) zu erkranken. Deshalb fördert der Bund mit der Schweizer Ernährungsstrategie eine abwechslungsreiche und ausgewogene Ernährung. Die Vision der Schweizer Ernährungsstrategie ist, dass sich alle Menschen unabhängig von ihrer finanziellen Situation ausgewogen und abwechslungsreich ernähren können. Dieses zentrale Ziel ist auch in der aktualisierten Ernährungsstrategie 20252032 enthalten. Besonders wichtig ist dabei die Förderung der Ernährungskompetenz. Die Bevölkerung soll die Ernährungsempfehlungen kennen, und die Informationen dazu sollen leicht verständlich zur Verfügung stehen, damit sie aufgenommen und im Alltag umgesetzt werden können. Darüber hinaus sollen die Rahmenbedingungen weiter verbessert werden, beispielsweise durch Reduktion des Zuckergehalts in Milchprodukten und Softdrinks, um die Wahl gesunder Lebensmittel zu erleichtern. Dazu wird in Zusammenarbeit mit der Lebensmittelwirtschaft insbesondere weiter an der Verbesserung der Rezepturen von Lebensmitteln gearbeitet und die gesundheitsfördernde Gemeinschaftsverpflegung weiterverfolgt. Eine Studie der Berner Fachhochschule, Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL) im Auftrag des Bundesamtes für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) hat 2014 gezeigt, dass eine ausgewogene und gesunde Ernährung auch mit kleinem Budget möglich ist (www.blv.admin.ch > Lebensmittel und Ernährung > Ernährung > Empfehlungen und Informationen > Schweizer Ernährungsempfehlungen > im Detail > Gesunde Ernährung bei kleinem Budget > Bericht Kosten gesunder Ernährung). Die Studie der HAFL zeigt, dass ein gesunder, ausgewogener Warenkorb mit frischen Produkten für einen Paarhaushalt rund 109 Franken pro Woche kostet. Ein eher ungesunder Warenkorb kostet rund 95 Franken. Am teuersten war der gesunde Warenkorb mit mehreren Fertig- und Halbfertigprodukten: Die Kosten dafür beliefen sich auf rund 145 Franken pro Woche. Auch wenn die Studie bereits einige Jahre zurückliegt, dürften die Richtwerte heute in etwa gleich sein. Es ist finanziell also von Vorteil, selber zu kochen und dabei Hülsenfrüchte als wertvolle Proteinlieferanten sowie saisonale Produkte zu berücksichtigen.