26.3116 · Interpellation · 2026-03-16
Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation
Stellungnahme zum Vorstoss liegt vor
Wortlaut
Elektro-Flugzeuge setzen sich in der Pilotenausbildung zunehmend durch – dies hat gute Gründe: Für die Grundschulung am Platz sind Elektroflugzeuge wirtschaftlich, leise und umweltfreundlich. Deshalb werden sie in der Ausbildung immer beliebter.
In diesem Zusammenhang stellen sich folgende Fragen:
Wie viele Ausbildungsflüge finden jährlich statt, und wie verteilen sie sich auf die verschiedenen Flughäfen und Flugplätze?
Ist die Velis Electro von Pipistrel derzeit das einzige von der EASA oder dem BAZL zertifizierte Elektroflugzeug, das für die Pilotenausbildung zugelassen ist?
Werden in naher Zukunft weitere Elektroflugzeuge für die Pilotenausbildung von der EASA oder dem BAZL zertifiziert?
Wie viel CO₂ kann pro Flugstunde mit einer Velis Electro im Vergleich zu einem typischen Schulflugzeug mit Verbrennungsmotor eingespart werden?
Um wie viel reduziert sich die Lärmbelastung beim Einsatz einer Velis Electro im Vergleich zu einem typischen Schulflugzeug mit Verbrennungsmotor?
In welchem Umfang kann ein Elektroflugzeug wie die Velis Electro für den Erwerb einer PPL(A)-Lizenz eingesetzt werden?
Wie gross wäre das gesamte CO₂-Einsparpotenzial, wenn Elektroflugzeuge systematisch für die Ausbildung und die Verlängerung der PPL(A)-Lizenz eingesetzt würden?
Stellungnahme des Bundesrates
In der Schweiz gibt es momentan 111 Flugschulen für Flächenflugzeuge; sie leisten pro Jahr rund 118 000 Praxisstunden. Die Anzahl der jährlich durchgeführten Ausbildungsflüge wird nicht systematisch erhoben. Die Velis Electro von Pipistrel ist derzeit das einzige von der Europäischen Agentur für Flugsicherheit EASA zertifizierte Elektroflugzeug, das für die Pilotenausbildung zugelassen ist. Das Bundesamt für Zivilluftfahrt BAZL war bei der Zertifizierung im Jahr 2020 aktiv beteiligt. In Europa befinden sich zurzeit einige elektrische Flugzeugmuster im Zulassungsverfahren, welche voraussichtlich in der Pilotenausbildung eingesetzt werden können. Mit der Velis Electro können knapp 40 kg CO2 pro Flugstunde sowie auch lokale Schadstoffemissionen eingespart werden. Allerdings werden die Batterien im Flugbetrieb stark strapaziert und erreichen nur eine kurze Lebensdauer. Bei Betrachtung der vor- und nachgelagerten Prozesse (Herstellung und Entsorgung inkl. Batterie) geht der Bundesrat davon aus, dass die Einsparung gegenüber Schulungsflugzeugen mit Verbrennungsmotoren geringer ist. Gemäss Daten aus der Lärmzertifizierung ermöglicht dieses Flugzeugmuster gegenüber heute eingesetzten Schulflugzeugen mit Verbrennungsmotoren eine Lärmreduktion von 3–5 Dezibel. Auf die Lärmbelastung von Flugplätzen dürfte der Einsatz solcher Elektroflugzeuge keinen wesentlichen Einfluss haben, da die 10–15 % der lautesten Flugbewegungen den massgebenden Beitrag dazu liefern. Die Velis Electro kann für bestimmte Ausbildungsabschnitte im Rahmen des Erwerbs einer Privatpilotenlizenz für Motorflugzeuge eingesetzt werden. Aufgrund der begrenzten Batteriekapazität ist ihr Einsatz jedoch auf kürzere Flüge wie etwa Platzrunden oder Übungen von grundlegenden Manövern beschränkt. Damit muss für einen Teil der Ausbildungsinhalte wie Navigationsübungen in entferntere Gebiete auf konventionell angetriebene Luftfahrzeuge zurückgegriffen werden. Mit der aktuellen Technologie müssten Elektroflugzeuge für den vollwertigen Ersatz von Schulflugzeugen eine grosse Masse an Batterien mitführen (deutlich mehr als im Fall Velis Electro, aktueller Richtwert für das Batteriegewichtrund eine Tonne). Über den gesamten Lebenszyklus würde das CO2-Einsparpotenzial gegenüber vergleichbaren Flugzeugen bei ungefähr 25% - also rund 1000 Tonnen CO2 jährlich - liegen. Die effektiven Werte sind abhängig von der weiteren Entwicklung von Batteriesystemen für Luftfahrzeuge. Sollten deutlich schwerere Flugzeuge zum Einsatz kommen, würden deren Lärmemissionen klar über den Werten der heute eingesetzten Flugzeuge liegen.