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Noser Ruedi · Nationalrat · 2010-09-15

Noser Ruedi · Nationalrat · Zürich · Freisinnig-demokratische Fraktion · 2010-09-15

Wortprotokoll

Ich bin auch sportverrückt und komme zu einem ganz anderen Schluss. Ich möchte Ihnen erklären, warum ein anderer Schluss hier vielleicht besser, weiser wäre, auch wenn es schwierig sein wird, dafür hier im Rat eine Mehrheit zu gewinnen.

Die Mehrheit will stur drei Sportstunden festlegen. Jetzt wäre es einmal wichtig, dass wir alle wissen, wovon wir sprechen. Wir sprechen von Stunden im Lehrplan. Viele hier drin wissen vermutlich, dass die einzelnen Kantone eine ganz unterschiedliche Anzahl von Schulstunden haben. Es gibt Kantone, die 800 Lektionen im Jahr haben; es gibt Kantone, die 1200 Lektionen im Jahr haben. Bitte schauen Sie das einmal an; es sind in bestimmten Kantonen 50 Prozent mehr Lektionen als in anderen Kantonen. Allen diesen Kantonen wollen wir die gleiche Anzahl Sportstunden vorschreiben. Das ist einmal die erste Bemerkung. Man muss das genau anschauen.

Die zweite Bemerkung: Wir haben heute ja nicht mehr nur die Lektionentafel, sondern wir haben neben der Lektionentafel die sogenannten Blockstunden oder Tagesstrukturen oder was auch immer. Es kommt doch darauf an, ob Sie in einer Tagesstruktur oder in einer Blockstruktur einfach Aufgaben machen oder ob Sie diese Zeit z. B. dem lokalen Leichtathletikverein zur Verfügung stellen, damit dieser die Kinder abholen und mit ihnen Sport machen kann. Wenn das Zweite stattfindet, dann zählt es gemäss dieser Gesetzgebung nicht. Das schreiben Sie fest; Sie schreiben ein Detail fest, das dazu führen kann, dass es in der Schule unter Umständen sogar weniger Sport gibt als heute.

Ich möchte Ihnen das noch ganz persönlich aufgrund meiner eigenen Erfahrung sagen. Der eine oder andere von Ihnen weiss ja, dass ich jetzt ein Jahr in Genf gelebt habe. In Genf haben meine Kinder Sportarten kennengelernt, die sie in meiner Wohngemeinde im Kanton Zürich nicht kennengelernt haben. Die Tagesstrukturen sind so aufgebaut, dass die Sportvereine und die Schule viel enger zusammenarbeiten als in meiner Gemeinde. Warum sage ich "meine Gemeinde"? Weil der Kanton Zürich zwar drei Lektionen vorschreibt, die Gemeinde aber individuell regeln kann, wie sie mit den Sportverbänden zusammenarbeitet. Das heisst, dass Sie mit der Annahme des Mehrheitsantrages eine solche Zusammenarbeit in Zukunft verhindern. Das kann nicht der Zweck eines Gesetzes sein!

Der Entwurf des Bundesrates, wie er hier steht, berücksichtigt genau das. Es steht darin wortwörtlich, dass die qualitativen Grundsätze für alles angeschaut werden.

Ich möchte noch auf etwas Weiteres hinweisen. Wenn die Kinder einfach zwölf Wochen Schulferien haben und während diesen zwölf Wochen Schulferien nichts läuft, ist das etwas anderes, als wenn sie zwölf Wochen Schulferien haben und während diesen Schulferien Skilager und Bewegungsprogramme in den Gemeinden abgehalten werden, wie das auch in Kantonen der Fall ist, die diese Vorschrift von drei Stunden nicht erfüllen. Damit leisten sie auf eine andere Art auch sehr viel für die Bewegung. Also bitte, bürden Sie die Forderung nach Bewegung nicht nur der Schule auf, sondern bürden Sie sie dem Gesamtkonzept auf, nämlich Gemeinden, Vereinen und Schule, und folgen Sie dem Entwurf des Bundesrates. Sie tun damit am meisten für die Bewegung der Kinder.

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