Gilli Yvonne · Nationalrat · 2010-09-15
Gilli Yvonne · Nationalrat · St. Gallen · Grüne Fraktion · 2010-09-15
Wortprotokoll
Die Gesamtrevision des Sportförderungsgesetzes ist bei den Grünen unbestritten. Es geht um [PAGE 1248] die Gesundheit unserer Bevölkerung. Diese ist ein unersetzliches Gut; deshalb geht es um die Förderung des Breitensports und der Bewegung für alle und um die Förderung des Turn- und Sportunterrichtes an unseren Schulen, vom Kindergarten bis zur Sekundarschulstufe II.
Wir sind eine Gesellschaft der Bewegungsarmen. Während die Grosseltern unserer Kinder noch mit dem Velo oder zu Fuss zur Arbeit gingen und Holz spalten mussten, um die Wohnung zu beheizen, haben uns die Schattenseiten der Moderne eingeholt, mit all ihrem Alltagskomfort und ihrer Bewegungsarmut. Die tägliche Gehstrecke vieler Schulkinder beschränkt sich leider vom Garagenplatz zum Lift und vom Parkplatz zum Schulhausplatz. Das sind nur einige Beispiele, die sich aber sehr negativ auf die Volksgesundheit auswirken. Wir müssen in diesem Gesetz also so etwas wie einen Weg zurück beschreiten, zurück zu einem täglichen, sinnvollen Mass an Bewegung; mit der Förderung des Turnunterrichts tun wir das. Vielleicht tun wir das auch mit der gezielten Förderung der Bewegung im Alter, wir werden das in der Detailberatung sehen. Damit fügt sich das Sportförderungsgesetz sinnvoll in ein Puzzle zugunsten einer besseren Gesundheit der Bevölkerung ein, neben verkehrspolitischen Massnahmen für sichere Schulwege, damit die Kinder überhaupt mit dem Velo zur Schule oder wir mit dem Velo zur Arbeit fahren können.
Die Bewegungsförderung für alle ist für uns Grüne das Kernziel des Gesetzes. Qualitativ guter Turnunterricht sichert nicht nur die Gesundheit im Hinblick auf spätere Lebensabschnitte, er erlaubt auch die frühe Rekrutierung zukünftiger Sporttalente und dient so, wenn auch indirekt, der Förderung des Spitzensportes. Direkt nützt sie uns allen, von Jung bis Alt. Jung und Alt sind zwei Pole, zwei Altersgruppen, denen in diesem Gesetz eine besondere Bedeutung zukommen soll.
Bei den Kindern stellt die Sportförderung die Weichen für Bewegungsfreude im späteren Leben und für ihre körperliche, seelische und geistige Entwicklung sehr direkt. Wir haben von einem Kinder- und Jugendarzt erfahren, dass bewegungsarme Kinder heute nachweislich an Muskelschwäche leiden. Sie werden dann im sozialen Spiel unter Gleichaltrigen ausgegrenzt und Schwächlinge genannt, was wiederum ihre Bewegungsarmut fördert und schliesslich den Teufelskreis zum Verlust des Selbstwertgefühls schliesst. Bewegungsarmut wirkt sich aber auch ganz direkt auf die körperliche Entwicklung aus: Bewegungsarme Kinder haben messbar kleinere Füsse. Man könnte daraus ableiten, dass sie in den Herausforderungen ihres späteren Lebens auch weniger Standfestigkeit zeigen werden. Bewegungsarmut wirkt sich auch negativ auf die Gehirnentwicklung und auf wichtige Verknüpfungen aus, die die Weichen für den Erfolg in kognitiven Leistungsfächern der Schule stellen, wie wir heute aufgrund von Untersuchungen in der Musik wissen.
Bei älteren Menschen entscheidet die tägliche Bewegung schnell einmal über zukünftige Invalidität und deswegen sehr direkt über ihre Lebensqualität. Der alternde Körper wird ohne Bewegung innert kürzester Zeit schwächer; er ist sturzgefährdeter wegen schlechten Gleichgewichts und frakturgefährdeter wegen schlechterer Knochendichte.
Natürlich unterstützen wir die Bundeskompetenz bei der Regelung der Mindestlektionenzahl an Volks- und Mittelschulen; wir werden bei Artikel 12 nochmals darauf zu sprechen kommen. Neben der Quantität unterstützen wir in diesem Gesetz auch die Qualität der Bewegungsinstruktion und die Qualität der Rahmenbedingungen; wir werden uns dazu ebenfalls in der Detailberatung noch äussern.
Wir empfehlen Ihnen zusammen mit den andern Fraktionen Eintreten auf beide Vorlagen. Zur Vorlage 2 bezüglich der Informationssysteme möchte ich noch ergänzen, dass uns dort die strikte Auslegung des Datenschutzes sehr wichtig ist; wir werden bei der Umsetzung ein besonderes Augenmerk darauf richten.