Steiert Jean-François · Nationalrat · 2010-09-15
Steiert Jean-François · Nationalrat · Freiburg · Sozialdemokratische Fraktion · 2010-09-15
Wortprotokoll
Aus Sicht der SP-Fraktion ist der Sport kein Selbstzweck, das wurde bereits in der Eintretensdebatte erwähnt. Sport hat eine sehr grosse Bedeutung, weil wir von einem gesamtgesellschaftlichen Nutzen ausgehen. Dieser gesellschaftliche Nutzen hat verschiedene Bestandteile: Es gibt den Spitzensport, es gibt die Bewegung in der Natur, und es gibt verschiedene weitere Aspekte, die zur Betonung dieses gesellschaftlichen Werts führen. Die einzelnen Aspekte können durchaus in Widerspruch zueinander stehen, aber sie sind im Alltag komplementär. Es würde den Sport als Ganzes schwächen, wenn nun versucht würde, die verschiedenen Funktionen des Sports in unserem Land gegeneinander auszuspielen. Die SP-Fraktion unterstützt deshalb die Mehrheit der Kommission, die diese breite Bedeutung des Sports in unserer Gesellschaft gesetzlich verankern will.
Das gilt auch für die Gleichstellungsbestimmung, zu der, und das ist wohl kein Zufall, neun aufrechte Mannen einen Minderheitsantrag gegen die Gleichstellung der Frauen im Sport deponiert haben. Vielleicht sehen die Frauen das etwas anders - das wird wohl der Grund sein, weshalb sich hier keine der Minderheit angeschlossen hat. Wir sind der Meinung, gerade im Sport, der öffentlich unterstützt wird, muss dieser wesentliche Gedanke unserer Verfassung verankert werden.
Das Gleiche gilt für die Unfallprävention. Sie ist per se ein wichtiger Teil fast jeder sportlichen Tätigkeit. Die Verankerung der Prävention, wie sie im Gesetzentwurf geplant ist, gibt den Akteuren, den Trainern, den Sportlehrern usw. den notwendigen Rahmen, um ihre Arbeit in unserer leider zur Null-Risiko-Mentalität neigenden Gesellschaft einigermassen unverkrampft verrichten zu können. Man denke in diesem Zusammenhang beispielsweise an die sich häufenden Prozesse gegen Sport- und Schwimmlehrer oder Trainer, weil jeder noch so kleine Unfall zum Anwalt und vor das Gericht führt. Wir müssen diesen Leuten einen möglichst soliden Rahmen geben. Die Verankerung der Prävention gibt den Verantwortlichen im Sport letztendlich mehr Solidität, damit sie ihre Arbeit verrichten können.
Zum Bereich "Natur und Umwelt": Gerade weil wir mit den folgenden Artikeln auch die Schule in ihrer Rolle als Vermittlerin von Werten stärker implizieren wollen, geht die Mehrheit davon aus, dass wir uns auch auf Bundesebene Mühe geben müssen, damit Werte, die von den Schulen allgemein vermittelt werden, auch über den Sportunterricht vermittelt werden. Jeder, der ein bisschen weiss, wie der Schulalltag aussieht, weiss auch, dass es einfacher ist, Werte im Bereich Gleichstellung, Werte im Bereich Umwelt praxisorientiert über den Sportunterricht zu vermitteln als über umfangreichen theoretischen Unterricht, bei dem keine Schülerin und kein Schüler zuhört.
Simon Schenk hat im Namen der Minderheit gesagt, die verschiedenen Bestimmungen gemäss Mehrheit würden eine Gefahr in sich bergen, indem dann auch die besten Sportverbände, jene, die heute schon unwahrscheinlich viel machen, noch zulegen müssten und der Sport letztlich im Sinne von Winston Churchill verboten würde, um möglichst viel an Gleichstellung, Umweltschutz und Prävention zu haben. Das ist relativ absurd. Ich denke, wir haben in der Schweiz [PAGE 1252] vernünftige Behörden - wir haben ein sehr kompetentes Bundesamt und einen kompetenten Sportminister -, die sicher darauf schauen werden, dass das Ganze differenziert umgesetzt wird; das passiert auf dem Verordnungsweg. Es gibt Verbände, die in den verschiedenen Bereichen heute schon sehr viel machen, sehr gute Arbeit leisten; für die wird sich schlicht nichts ändern. Es gibt aber auch Verbände oder einzelne Clubs, die halt nicht mitziehen, die ihre Verantwortung nicht immer wahrnehmen. Dass da, wenn schon öffentliches Geld für die Unterstützung ausgegeben wird, mindestens im Zweckartikel gesagt wird, es gebe bestimmte Ziele, liegt in der Verantwortlichkeit des Parlamentes. Es wäre ungerecht, das Verhalten bestimmter Verbände einfach so durchgehen zu lassen und andere nicht zu belohnen, die die Arbeit gut machen.