Jenny This · Ständerat · 2001-03-06
Jenny This · Ständerat · Glarus · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2001-03-06
Wortprotokoll
Die Meinungen sind gemacht; wieso spreche ich trotzdem? Ich spreche ganz einfach deshalb, weil die Voten der sehr geschätzten Kollegen Wenger und Hofmann nun wirklich nicht unbeantwortet bleiben können.
Das CVP-Modell, das eine Beratungspflicht verlangt, hat doch keine wirkliche Beratung zur Folge. Man muss nur den [PAGE 12] Text lesen und stellt fest, dass das eine der übelsten Heucheleien überhaupt ist. Keine Betroffene wird Probleme haben, eine Bescheinigung beizubringen. Das ist hingegen beim Arzt wesentlich anders.
Jene, die heute heuchlerisch für Beratungsmodelle stimmen, stimmen für den heutigen unbefriedigenden Zustand. Der Nationalrat wird dem Beratungsmodell nicht zustimmen, und somit wird die Differenz bestehen bleiben. Ist das in Ihrem Sinn?
Wenn Kollege Hofmann für viele betroffene Frauen spricht, kann ich Ihnen mitteilen: Ich spreche auch für viele Frauen, ich habe auch Briefe erhalten, jedoch gegenteilige. Wenn Sie die Frauen hier im Saal fragen - diese haben auch eine Ahnung vom Leben -, tönt das ganz anders als bei gewissen Männern.
In der Praxis - machen wir uns nichts vor - haben wir die Fristenlösung. Warum soll das nicht im Gesetz stehen? Das Recht auf Beratung ist zu begrüssen, hingegen ist ein Zwang abzulehnen. Die obligatorische Beratung ist eine unnötige Schikane und eine erneute Bevormundung von erwachsenen, selbstständigen Frauen. Die Betroffenen werden das aus eigenem Antrieb machen, aber in einer Atmosphäre des Vertrauens und der Offenheit.
Mit einer gesetzlich verankerten Beratungspflicht würde dies schlagartig ändern. Ich habe es das letzte Mal bereits gesagt und wiederhole es: Alle jene, die immer wieder das Hohelied der Eigenverantwortung singen, erstaunen mich in dieser Angelegenheit doch sehr massiv. Der Antrag der Mehrheit, den Arzt zu verpflichten, auf Beratungsangebote und -gespräche hinzuweisen und die notwendigen Informationen abzugeben, ist zielorientiert.
Ich möchte Sie eindringlich bitten, der Mehrheit zuzustimmen. Der heutige Zustand ist unhaltbar. Wir sollten - wie wir das immer propagieren - Probleme lösen und nicht vor uns herschieben.