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Tschümperlin Andy · Nationalrat · 2010-09-27

Tschümperlin Andy · Nationalrat · Schwyz · Sozialdemokratische Fraktion · 2010-09-27

Wortprotokoll

Wie viele vor mir möchte ich meine Interessenbindungen bekanntgeben:

1. Ich bin Musiker; ich bin Mitglied einer Band, spiele Bassgitarre und Geige. Am letzten Samstag hatte ich mit meiner Band einen Auftritt in Schwyz. Die Band heisst "Stets ä Soo". Ich kann Ihnen sagen: Der Auftritt hat sehr viel Spass gemacht.

2. In unserer Familie musizieren alle vier Kinder, drei von ihnen tanzen auch in diversen Formationen, von Breakdance über Jazzdance bis zu Contemporary Dance. Ich weiss nicht, was das alles ist; ich weiss einfach, dass es den Kindern sehr gut tut.

3. Als Lehrperson habe ich über zwanzig Jahre selber das Fach Musik unterrichtet. Ich habe das sehr, sehr gerne gemacht. Ich habe nämlich gemerkt, dass die Kinder Freude an Musik haben. Sie leben die Musik; sie brauchen die Musik als Ausgleich zu all den anderen Fächern, die an der Schule unterrichtet werden.

Zu meiner Geschichte: Eigentlich war es ein Glück, dass meine Eltern mir - und meinen vier Geschwistern übrigens auch - den Musikunterricht privat finanzierten, seit ich fünf Jahre alt war. Als Unternehmer waren sie überzeugt davon, dass Musikunterricht für die Ausbildung der Kinder wichtig sei. Ich erinnere mich noch gut daran: Als ich sieben Jahre alt war, konnte ich an einer Vortragsübung über hundert [PAGE 1510] Personen mit meiner Geige ein Vortragsstücklein vorfiedeln. Der Applaus hat mir als Siebenjährigem gut getan. Dann kam meine aktive Zeit im Jugendorchester Schwyz. Es gab Konzerte, Musiklager, gute Kolleginnen und Kollegen und sehr viel gemeinsames Musizieren. Eine meiner Musikerkolleginnen war übrigens Graziella Contratto - Sie erinnern sich vielleicht an die Eröffnungsfeier zu Beginn dieser Legislatur; sie ist die Dirigentin, die das Orchester leitete.

Viele meiner Kolleginnen und Kollegen hatten diese Chancen nicht; einerseits, weil die Einkommensverhältnisse der Eltern dies nicht zuliessen, andererseits, weil der Musikunterricht zu dieser Zeit ohne staatliche Unterstützung war.

Eine Chance, Musik möglichst vielen Kindern zugänglich zu machen, war dann die Gründung der Musikschulen in den Siebzigerjahren. Der Unterricht wurde durch Gemeindebeiträge subventioniert, der privat finanzierte Anteil war aber immer noch relativ hoch. Vor allem ist dieser Betrag heute von Gemeinde zu Gemeinde noch sehr, sehr unterschiedlich. Wiederum wurde einigen, die Interesse hatten, der Zugang zum Musikunterricht erschwert.

Wohlverstanden, zu dieser Zeit war es so, dass der Musikunterricht an den Schulen von Lehrpersonen erteilt wurde, die eine musikalische Ausbildung absolviert hatten. Vor dreissig Jahren war Musikunterricht ein wichtiger Teil der Ausbildung an den Lehrerseminaren. Ein obligatorischer Teil der Ausbildung war das Erlernen eines Musikinstruments, und es gab einen Abschluss in Musiktheorie. Daneben wurden auch eine Gesangsausbildung und andere freiwillige musikalische Betätigungen angeboten. Wie sieht es heute aus?

An den pädagogischen Hochschulen ist der Musikunterricht zum Wahlfach verkommen. Viele Lehrpersonen an den Volksschulen musizieren wenig bis gar nicht mehr. Musikunterricht wird sehr unterschiedlich angeboten. Ein kulturelles Erbe und Fachkompetenz in der Musik gehen verloren; das gilt übrigens auch für die Volksmusik. Ich bin der Meinung, das darf nicht sein.

Ich bin als Musiker, Vater, Lehrer und Politiker überzeugt davon, dass die drei Hauptanliegen der Initiative Unterstützung brauchen:

1. Während des obligatorischen Schulunterrichts muss Kindern und Jugendlichen in der Musik ein qualitativ ebenso guter Unterricht angeboten werden wie in anderen Fächern.

2. Allen Kindern soll der Zugang zum Musikunterricht in den Musikschulen ermöglicht werden.

3. Kinder und Jugendliche, die besondere musikalische Begabungen haben, sollen optimal gefördert werden.

Ich bitte Sie, die Initiative "Jugend und Musik" aktiv, nicht nur in diesem Saal, zu unterstützen.

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