Riklin Kathy · Nationalrat · 2010-09-27
Riklin Kathy · Nationalrat · Zürich · Fraktion CVP/EVP/glp · 2010-09-27
Wortprotokoll
Ich freue mich, dass heute in diesem Saal die Musik abgeht. Das Wichtigste vorweg: Die Mitglieder der CVP/EVP/glp-Fraktion unterstützen - mit wenigen Ausnahmen - die Volksinitiative "Jugend und Musik".
Mit unserer neuen Bundesrätin Simonetta Sommaruga haben wir den Beweis, dass musikalische Bildung ein guter Weg zum Erfolg ist, auch in der Politik. In einer immer kopflastigeren Gesellschaft, in der Wissen und Produktivität an vorderster Stelle stehen, ist die Musikausbildung von umso grösserer Bedeutung. Musikalische Ausbildung bringt den nötigen Ausgleich und fördert Bereiche, denen in unserer ökonomisch orientierten Gesellschaft die Gefahr droht, vernachlässigt und verdrängt zu werden.
Wir alle müssen leider feststellen: Die musikalische Bildung fristet in der Schweiz ein Schattendasein. Dabei führt musikalische Bildung nachweislich zu zusätzlichen positiven Effekten. Musikalische Bildung fördert auch mathematische und soziale Kompetenzen. Gerade der Pisa-Spitzenreiter Finnland legt grossen Wert auf die Förderung des Musikunterrichts in der Volksschule. Bei uns haben leider nicht alle Kinder diese Chance.
Der Sportförderung geht es in der Schweiz besser. Gerade eben, am ersten Montag dieser Herbstsession, haben wir einstimmig das Sportförderungsgesetz revidiert. Mit dem revidierten Sportförderungsgesetz wird das Programm "Jugend und Sport" sogar für Kinder ab dem 5. Altersjahr eingeführt. Ein solches Förderprogramm sollte auch im Bereich der Musik eingeführt werden. Die Musik braucht im ganzen Bildungsbereich und in der Kultur den ihr gebührenden Platz. Ähnlich wie bei der Sprachförderung, der Bewegungsförderung, aber auch bei Mathematik, Technik und Naturwissenschaften, welche übrigens grosse Affinitäten zur Musik haben, gilt auch bei der Musik: je früher, desto besser!
Die EDK fürchtet um ihre Kompetenzbereiche und die Kantone um die Bildungshoheit. Hier können wir Entwarnung geben. Die Initiative sieht nicht die konkrete Ausgestaltung des Musikunterrichts an den Schulen vor, sondern nur gesetzliche Grundsätze für diesen. Die Initiative will auch die Sicherung der Ausbildung von genügend Fachlehrpersonen in Musik. Auch die Musikschulen, die in den meisten Kantonen keine bedeutende Stellung einnehmen, sollen mit der Initiative gestärkt werden. Kurz, die Kantone müssen endlich ihre Verantwortung für die ausserschulische musikalische Bildung wahrnehmen - analog dem Sport.
Ein Grund mehr für ein Ja zu dieser Initiative: Es gibt rund 500 000 organisierte Musizierende in der Schweiz; Hunderte von Gesangsvereinen, Chören, Jodlergruppen, Orchester und Musikvereine stehen hinter der Initiative.
Die EDK fürchtet Kompetenzverluste und beharrt auf ihren Kompetenzen im Rahmen von Harmos. Diese Ängste sind unbegründet. Harmos ist gut auf Kurs. Wir freuen uns über die positiven Abstimmungsresultate von gestern in den Kantonen Baselland und Solothurn. Herzliche Gratulation! Die Kantone werden mit dem neuen Verfassungsartikel nur angehalten, ihre Verantwortung wahrzunehmen. Heute fordert die musikalische Bildung ein grosses finanzielles Engagement der Eltern. Dies widerspricht dem Grundsatz der Chancengerechtigkeit für Kinder aus tieferen Einkommensschichten. Ich möchte dazu alt Nationalrat Paul Kurrus von der FDP zitieren: "Musikalische Bildung darf nicht nur für eine kleine Elite sein, zahlreiche wissenschaftliche Studien belegen, dass Kinder, welche sich aktiv mit Musik beschäftigen, über bessere mathematische, sprachliche und soziale Kompetenzen verfügen." Recht hat er.
Die CVP und die ganze CVP/EVP/glp-Fraktion stehen zur Volksinitiative "Jugend und Musik" und damit zum Artikel zur musikalischen Bildung in der Bundesverfassung.