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Heim Bea · Nationalrat · 2010-09-27

Heim Bea · Nationalrat · Solothurn · Sozialdemokratische Fraktion · 2010-09-27

Wortprotokoll

Man kann eigentlich nicht genug betonen, was erwiesen ist, und zwar neuropsychologisch wie pädagogisch: Musizieren fördert die Intelligenz und die Persönlichkeitsentwicklung. Kein Wunder und erfreulich auch, dass selbst der Bundesrat die Bedeutung der musikalischen Breitenförderung betont, und das ist es, was es in unserem Land braucht. Dazu erforderlich ist, angesichts der Harmonisierung der kantonalen Bildungssysteme, eine gemeinsame Verantwortung von Bund und Kantonen für eine ganzheitliche Bildung. Dazu gehört die Musik genauso wie der Sport, und zwar im schulischen wie im nichtschulischen Bereich.

Nach der 40 Jahre währenden Arbeit von 400 Musikschulen in der Schweiz gilt es nun, endlich Nägel mit Köpfen zu machen. Es gilt, die musikalische Erziehung mit einem Rahmengesetz gesamtschweizerisch zu verankern, um den Zugang für alle, auch für Kinder von Eltern mit wenig oder keinem Geld, zu sichern. Es geht um die Chancengleichheit in der Bildung. Das ist ein Auftrag der Bundesverfassung, der Bund hat dies zu gewährleisten und darf nicht länger untätig bleiben. Kein anderer Bildungsbereich ist heute angesichts der hohen Elternbeiträge, veritabel elitären Zugangssperren, derart politischer Willkür ausgesetzt wie die Musik. In unzähligen politischen Reden wird zwar jeweils der Wert des Musizierens in den höchsten Tönen gelobt. Aber damit ist es nicht getan - Sie wissen es -, offensichtlich auch nicht mit dem Jugendförderungsgesetz von 1989. Es braucht mehr zur Förderung der musikalischen Bildung, im Interesse der Kinder und der Chancen der Jugend im Leben. Als Heilpädagogin und Rhythmiklehrerin weiss ich, dass Musik die Herzen und die Menschen öffnet. Kinder mit Sprach- oder Bewegungsstörungen finden mit der Musik ihre Sprache, ihr Gleichgewicht im Körper und damit auch den Anschluss in der Schule und in unserer Leistungsgesellschaft. Dann, Herr Föhn, lernt es sich eben leichter rechnen und lesen. Musik öffnet die Türen zu einem selber und fördert die Verständigung zwischen den Menschen. Die Aktivierung beider Hirnhälften, der emotional-kreativen und der logisch-intellektuellen, beschleunigt die Lernprozesse. So unterstützt und steigert aktives Musizieren die Intelligenz und ganz stark die soziale Kompetenz und die Integrationsfähigkeit.

Jugendliche aus ganz verschiedenen Kulturkreisen finden über die Musik gegenseitiges Verständnis und den Respekt füreinander. Junge, die sich verstanden fühlen, die sich ausdrücken können, brauchen die Sprache der Fäuste nicht, um sich Beachtung zu verschaffen. Musik verbindet und fördert.

Ein Ja zu dieser Initiative heisst, die Chancen der Musikerziehung und des Musizierens endlich in der ganzen Schweiz für alle Kinder, für alle Jugendlichen zu nutzen. Ein Ja zu dieser Initiative heisst, über definierte Grundanforderungen zusammen mit den Kantonen eine qualifizierte Ausbildung der Lehrpersonen sicherzustellen. Der Bund hat 2005 in seinem Bericht über die musikalische Bildung erhebliche Defizite in der musikalischen Bildung festgestellt. Ich meine, es ist an der Zeit, den Einsichten Taten folgen zu lassen.

Beweisen wir, dass es uns ernst ist mit der Zukunft der Kinder, der Jugend, dass es uns ernst ist mit der Musik, und sagen wir Ja zur Initiative!

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