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Teuscher Franziska · Nationalrat · 2010-09-27

Teuscher Franziska · Nationalrat · Bern · Grüne Fraktion · 2010-09-27

Wortprotokoll

Für einmal dürfen wir uns in diesem Saal mit den angenehmen Seiten des Lebens auseinandersetzen: mit der Musik. Heute geht es um die Bildung unserer Jugendlichen und die Bedeutung der Musik. Ich hoffe, dass es für die Debatte zur Volksinitiative "Jugend und Musik" ein gutes Omen war, dass wir letzte Woche eine Konzertpianistin zur Bundesrätin gewählt haben.

Einige von Ihnen haben wohl in Ihrer Schulzeit ein Instrument spielen gelernt. Einige von Ihnen haben Ihren Kindern das Musizieren ermöglicht. Viele von uns wissen also, wie wichtig Musikunterricht für Kinder und Jugendliche ist. Wir haben hier schon viel über Jugendgewalt und Jugendkriminalität diskutiert. Heute können wir einmal präventiv etwas für unsere Jugend machen. Musikunterricht fördert die soziale Kompetenz und die Intelligenz der jungen Menschen.

Die Unterstützung der Volksinitiative ist sehr breit: Sie reicht von Polo Hofer über Stephan Eicher bis zu Francine Jordi - dies auch an die Adresse von Herrn Bigger, der wohl befürchtet, dass sich mit der Annahme der Initiative das Englische in unserer Kultur durchsetzen würde. Zwanzig Musikverbände mit rund einer halben Million Mitglieder tragen diese Volksinitiative.

Es geht darum, dass der Musikunterricht an Schulen der Sportförderung gleichgestellt wird. Es wurde hier bereits mehrmals gesagt: Wir haben zu Beginn dieser Session beim Sportförderungsgesetz beschlossen, dass die Stundenpläne unserer Kinder drei Lektionen Sport pro Woche enthalten müssen; ein sinnvoller Entscheid in einer Zeit, wo Bewegungsarmut herrscht. Doch mir leuchtet nicht ein, wieso der Bund sich auf die körperliche Leistungsfähigkeit beschränken soll und nicht auch die geistige Leistungsfähigkeit unserer Kinder stärken will. Wenn Kinder und Jugendliche heute ein Musikinstrument spielen lernen, "entschleunigt" dies auch ihr Leben. Man lernt heute genauso langsam oder eben genauso schnell, ein Musikinstrument zu spielen, wie das zu Zeiten von Beethoven oder Mozart der Fall war. Wir können damit einen heilsamen Kontrast zur Welt des Computers schaffen, in der alles immer schneller wird.

Gegen 250 000 Schülerinnen und Schüler bekommen landesweit Musikunterricht. Die Zahl der Kinder, die ein Musikinstrument spielen lernen, geht jedoch jedes Jahr zurück. Das hat auch damit zu tun, dass dieses Fach an den Schulen nicht jene Beachtung bekommt, die es eigentlich haben sollte.

Ein weiteres Problem ist sicher, dass sich viele Eltern heute keine ausserschulische Musikerziehung für ihre Kinder leisten können. Jedes Kind sollte aber die Möglichkeit haben, ein Instrument zu erlernen. Dazu braucht es Subventionen für die Musikschulen, damit Kleinverdiener die Stunden ihrer Kinder auch bezahlen können. 2009 hat der Bund "Jugend und Sport" mit 55 Millionen Franken subventioniert. Er hat für Turn- und Sportverbände fast 7 Millionen Franken ausgegeben und den Bau von Sportstätten mit 4,5 Millionen Franken unterstützt. Ich will diese Beiträge nicht infrage stellen, aber ich bin überzeugt: Es ist höchste Zeit, dass die musikalische Erziehung auch finanziell mit der sportlichen Erziehung Gleichschritt hält.

Deshalb bitte ich Sie, die Volksinitiative zur Annahme zu empfehlen.