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Freysinger Oskar · Nationalrat · 2010-09-28

Freysinger Oskar · Nationalrat · Wallis · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2010-09-28

Wortprotokoll

Die Ständeratsmotion "Förderung von Schweizer Buchautoren" wurde im Zusammenhang mit der parlamentarischen Initiative Maitre 04.430, "Regulierung der Bücherpreise", eingereicht. Die WBK des Nationalrates hat sich am 20. Mai damit beschäftigt und empfiehlt Ihnen mit 16 zu 0 Stimmen bei 3 Enthaltungen, die Motion anzunehmen.

Folgende Überlegungen haben zu diesem klaren Resultat geführt:

1. Es liegt zwar ein Bericht der Verwaltung mit dem Titel "Buch- und Literaturpolitik: Selektive Hilfe" vor, aber dieser ist noch nicht umfassend genug. Insbesondere der vierte Teil, der konkrete Massnahmen vorschlägt, kommt relativ dünn daher.

2. Vielen Mitgliedern der Kommission scheint die Buchpreisbindung ein zu einseitiges, wenn nicht gar verfehltes Mittel, um die einheimische Literaturproduktion zu fördern. Sie wollen andere, gezieltere Massnahmen, die den Autoren direkt zugutekommen, und sehen in der Buchpreisbindung eine Massnahme, die höchstens den Buchhändlern Geld bringt und zu einseitig im Finanziellen verankert ist.

3. Die Mitglieder der Kommission stellen weiter fest, dass es in der Buchförderung ein Ungleichgewicht gibt, da die Bibliotheken mit 180 Millionen Franken eingedeckt werden, der direkten Förderung der Autoren jedoch nur mickrige 7,7 Millionen zugestanden werden.

4. Gewisse Mitglieder bedauerten, dass im Bereich der Buchförderung zu oft das Giesskannenprinzip gilt, was zur Folge hat, dass die geringen Geldmittel auch noch dermassen verstreut werden, dass sie niemandem wirklich nützen. Eine vorgeschlagene Lösung wäre, den Erfolg zu belohnen, da unter der grossen Anzahl veröffentlichter Bücher - immerhin 60 000 pro Jahr in französischer Sprache - die grosse Mehrheit kaum förderungswürdig ist.

5. Gewisse Kommissionsmitglieder machten darauf aufmerksam, dass es heute leichter ist, Schweizer Bücher in exotische Sprachen zu übersetzen als in eine andere Landessprache.

6. Schliesslich waren sich fast alle Kommissionsmitglieder darin einig, dass eine vielfältige einheimische Literaturproduktion eine kulturelle Bereicherung unseres Landes darstellt und seine Ausstrahlung nach aussen verstärkt. Falls politisch nichts unternommen wird, um diese Vielfalt am Leben zu erhalten, werden den Schweizern bald nur mehr angelsächsische Bestseller angeboten werden, was intellektuell und kulturell eine Verarmung insbesondere der jungen Menschen darstellt. Identität ist vor allem ein kultureller Faktor, sehr oft ein literarischer. Denken wir nur an die entscheidende Rolle, die Friedrich Schillers "Wilhelm Tell" in der Ausformung unserer Schweizer Identität gespielt hat. Erst die literarische Verarbeitung des Tell-Mythos hat die nationale Kohäsion und das Gemeinschaftsgefühl herbeigeführt, die zur Bildung der modernen Schweiz entschieden beigetragen haben.

Ich wiederhole hier im Namen der Kommission: Die Ständeratsmotion "Förderung von Schweizer Buchautoren" hat zum Ziel, über die bisher vorgenommene Bestandesaufnahme hinaus Wege und Mittel aufzuzeigen, die es den sprachlich Begabtesten und literarisch Kreativsten unter uns erlauben, kein Mauerblümchendasein mehr zu führen. Falls Manuskripte aufgrund fehlender Strukturen, fehlender Risikobereitschaft von Verlegern oder des Verschwindens der kleinen und mittleren Buchläden in Schubladen vergammeln, dann werden die Kellers, Gotthelfs, Ramuz, Frischs und Dürrenmatts, auf die wir doch so stolz sind, wohl kaum Nachfolger finden. Unsere einheimische Literaturproduktion wird verkümmern und mit ihr unsere kulturelle Identität.

Um dies zu verhindern, schlägt Ihnen Ihre WBK ohne Gegenstimme und mit nur 3 Enthaltungen vor, die Motion "Förderung von Schweizer Buchautoren" zu unterstützen.