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Büchel Roland Rino · Nationalrat · 2010-09-29

Büchel Roland Rino · Nationalrat · St. Gallen · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2010-09-29

Wortprotokoll

Ich bin gegen das, was als Anti-Offroader-Initiative verkauft wird. Viele Argumente sind von den mehr als zwei Dutzend Vorrednern erwähnt worden. Ich habe die Pro- und die Kontra-Voten aufmerksam mitverfolgt und versuche, auf Wiederholungen zu verzichten.

Wogegen richtet sich die Initiative? Gegen den Verkehr und gegen den Fortschritt, aber auch gegen viel Schönes. Geht es nach den Initianten, so verschwinden z. B. die beiden Edelmarken Ferrari und Maserati aus unserem Strassenbild. Ich möchte nicht sarkastisch sein, aber wie erklären Sie einem stolzen Italiener, dass sein tiefgelegtes, hochpoliertes Gefährt nichts als ein profaner Geländewagen sein soll?

Wie unsinnig die Initiative ist, erkläre ich Ihnen an einem konkreten Beispiel, dem meines persönlichen Autos. Vielleicht erinnern Sie sich an die Fragestunde vom Montag. Kollege Andy Tschümperlin von der SP wollte das Hybridfahrzeug staatlich fördern. Auch ich denke, dass die Vollhybridtechnologie das Beste ist, was es auf dem Markt gibt. Deshalb entschloss ich mich vor ein paar Jahren, diese zu fördern, und zwar auf die einzige Art, die wirklich etwas nützt. Anstatt an theoretischen Modellen herumzubasteln oder den Moralapostel zu spielen, entschied ich mich für den Kauf eines kostspieligen Hybridfahrzeuges. Der Hersteller - ich erwähne seinen Namen nicht - ist das Unternehmen, das weltweit am meisten Mittel in Forschung und Entwicklung investiert. Hybrid steht für technologischen Durchbruch, mehr noch, die Technik hat sich im Alltag bewährt; darin sind wir uns einig.

Wie funktioniert denn das Ganze? Es handelt sich um das ausgeklügelte Zusammenspiel von einem Benzinmotor und einem oder zwei Elektromotoren. Dazu braucht es eine recht grosse Batterie. Das bedeutet als Konsequenz, dass diese Hightech-Fahrzeuge schwerer als die konventionellen Autos sind. Was aber schreibt die Initiative in Sachen Gewicht vor? Sie wissen es: Das maximale Leergewicht soll nur noch 2,2 Tonnen betragen dürfen.

Mein jetziges Hybridfahrzeug verbraucht nach Norm und auch im täglichen Einsatz 8,1 Liter Benzin auf 100 Kilometer. Es wiegt gut 2 Tonnen. Auch weil ich sehr umweltbewusst lebe, möchte ich meinen Wagen durch das Nachfolgemodell ersetzen. Es handelt sich dabei logischerweise wieder um ein Auto mit Vollhybridtechnologie. Dieses verbraucht bei einem CO2-Ausstoss von 148 Gramm pro Kilometer wegen grösserer Elektromotoren nur noch 6,3 Liter. [PAGE 1603] Damit liegt es weit unter dem Durchschnittswert aller Personenwagen, die man in der Schweiz kaufen kann. Doch ich darf das Auto nicht erwerben. Bei einem Ja zur Initiative muss ich mich für das exakt gleiche Modell, jedoch ohne Hybridantrieb entscheiden. Dieses verbraucht 10,6 Liter Benzin; das sind mehr als zwei Drittel mehr als die 6,3 Liter des verbotenen Autos. In der Stadt, wo die Menschen besonders sensibel reagieren, braucht das erlaubte Auto 117 Prozent mehr Benzin als das verbotene Fahrzeug.

Es geht noch weiter: Der von den Strassen verbannte Wagen ist höchst energieeffizient. Folgerichtig rangiert er heute in der Topkategorie A. Sein erlaubter Bruder hingegen stösst 250 Gramm CO2 pro Kilometer aus und landet in der Klasse E der Energieeffizienz. Das heisst konkret, dass die technologiefeindliche Initiative den Schweizerinnen und Schweizern das Fahren des weltweit wohl fortschrittlichsten Fahrzeugs verbietet. Es ist, komplett ausgestattet, nämlich 2290 Kilogramm schwer. Somit fällt es ausser Rang und Traktanden und wird von den Strassen verbannt. Ich verstehe die Initianten nicht. Sie wollen den Schweizerinnen und Schweizern den Kauf genau jenes Autos verwehren, welches der technologische Vorreiter und in der Fahrzeugfamilie das Vorbild für jene Vollhybrid-Mittelklassewagen ist, die heute schon weniger als vier Liter auf 100 Kilometer konsumieren.

Die Initiative ist ein Etikettenschwindel. Anders als angekündigt ist sie alles andere als menschenfreundlich, dazu ist sie hochgradig wirtschafts-, freiheits- und technologiefeindlich. Lehnen Sie die Initiative deshalb morgen bitte ab.