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Lang Josef · Nationalrat · 2010-09-29

Lang Josef · Nationalrat · Zug · Grüne Fraktion · 2010-09-29

Wortprotokoll

Heute hat es in der "NZZ" einen Artikel mit dem Titel: "Der Offroader-Initiative gehen die Feindbilder aus". Mindestens ein Feindbild bleibt uns erhalten. Kollega Killer hat dieses vermeintliche Killer-Argument der "NZZ" heute auch gebracht, Herr Giezendanner hat es vorhin vorexerziert.

In diesem "NZZ"-Artikel heisst es: "Bullige Benzinfresser sind exotische Auslaufmodelle." Ich möchte Ihnen hier diese Behauptung mit zwei konkreten Beispielen widerlegen. Beispiel 1: Range Rover Sport, zweites Quartal 2009: 202 verkaufte Autos; zweites Quartal 2010: 490 verkaufte Autos. Das ist mehr als eine Verdoppelung. Beispiel 2: Jeep Grand Cherokee, zweites Quartal 2009: 78 verkaufte Autos; zweites Quartal 2010: 228 verkaufte Autos. Das ist eine Verdreifachung. Die "NZZ", das Organ der Wirtschaft, hat schlicht und einfach den Einfluss der wirtschaftlichen Entwicklung unterschätzt.

Bekanntlich stammt ein Drittel des CO2-Ausstosses vom motorisierten individuellen Verkehr. Die Initiative verlangt deshalb Emissionsgrenzwerte, die dem technischen Fortschritt Rechnung tragen. Wer die existenzielle Gefährdung unseres Planeten wahr- und ernst nimmt, muss Benzinfresser wie die Offroader stoppen. Vor allem aber, und darauf will ich hinaus, ist der Offroader Symbol einer sozialdarwinistischen Logik: der barbarischen Logik des Rechts des Stärkeren.

Die Insassen der Offroader erhöhen ihre Sicherheit, indem sie die Sicherheit aller anderen vermindern: zuallererst die Sicherheit der schwächsten Verkehrsteilnehmer, der Fussgänger, insbesondere der Kinder, der Velofahrer, insbesondere der jungen und alten, dann aber immer mehr auch die Sicherheit der anderen Autofahrer. Bei Zusammenstössen mit schwereren und grösseren Autos ist die Sterberate von Fahrerinnen und Fahrern von kleineren Personenwagen zehnmal höher. Die kantige, hohe Frontpartie der schweren Offroader erhöht die Verletzungsgefahr zusätzlich. Mit dieser Ungleichheit des Risikos droht eine eigentliche Aufrüstungswelle im Verkehr. Wir alle kennen die Ausrede von Besitzern von Offroadern: "Ich bin es der Sicherheit meiner Kinder schuldig, sie in einem solchen Auto zur Schule zu fahren." Dass damit die Sicherheit aller anderen Kinder, jener, die zu Fuss gehen, jener, die mit dem Velo fahren, und selbst jener, die mit einem normalen Auto chauffiert werden, sinkt, das ist ihnen gleichgültig.

Bei der Stopp-Offroader-Initiative geht es zuallererst um den Klima- und Umweltschutz. Zweitens geht es um die Unfallverhütung. Aber es geht auch darum, und das hat die Attraktivität der Initiative vor allem unter jungen Menschen ausgemacht, ein Zeichen zu setzen gegen gesellschaftliche Fehlentwicklungen, bei denen die Sicherheit einiger weniger erhöht wird, indem die Sicherheit aller anderen verringert wird. Der Offroader-Stopp bedeutet auch mehr Fairness und mehr Gerechtigkeit im Verkehr und im ganzen Leben, auf der Strasse und auf der ganzen Welt. Es geht doch nicht - das ist einem Herrn Giezendanner völlig egal -, dass hier in Europa benzinfressende und allgemein gefährliche Luxusvehikel ohne besonderen praktischen Nutzen das Klima erwärmen und Pakistan wegen der Radikalisierung des Wetters in den Fluten versinkt.

Stimmen Sie aus Gründen des Umweltschutzes, der Sicherheit, vor allem aber auch der Fairness für diese Initiative.