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Freysinger Oskar · Nationalrat · 2010-09-30

Freysinger Oskar · Nationalrat · Wallis · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2010-09-30

Wortprotokoll

Wie sich doch die Zeiten ändern! Im 19. Jahrhundert wurde im Zuge der Romantik der freie Bergmensch gepriesen. Hirten und Sennen, nahe am Busen der wilden Bergwelt lebende Menschen wurden idealisiert und beneidet. Und wie ist es heute? Heute wird der Bergbauer als Schmarotzer dargestellt, ja, schlimmer noch, als Gefahr für die heile Bergwelt. Seine Kühe produzieren durch ihre Blähungen Treibgas, und seine Schafe sind Modelle für SVP-Plakate.

Aber dieser elenden Bergwirtschaft wird bald ein Ende gesetzt werden. Denn zum Glück ist da der Wolf. Ein allzu lange verkannter Held kehrt zurück. Eine durch schreckliche Märchen wie "Rotkäppchen" diskriminierte Tierrasse lechzt nach Rehabilitation. Er soll wieder her, der Retter des Enzians und Hüter des Edelweiss. Er soll sie reissen, die weissen Schafe, soll sie zur Strafe für ihr respektloses Alpwiesengrasen zur Hälfte anknabbern und dann elendiglich verenden lassen. Denn Wolf ist gut und Schaf ist schlecht! Und Schaf ist in der Mehrheit. Darum muss die Minderheit Wolf geschützt werden.

Bei den Wallisern soll es wieder aufleben, das rasende Untier, um die ist es nicht schade, denn im Wallis gibt es sowieso nur Constantins und Couchepins, die selber reissende Raubtiere sind, wie jeder weiss. So distanzieren sich denn die Vegetarier aus der Grossstadt neustens von ihren Grünzeug fressenden Vettern der blökenden Riege und singen ein Hohelied auf den Fleischwolf. Diese erstaunliche Tierromantik kostet den Steuerzahler zwar Millionenbeträge zum Schutz der 250 000 gesömmerten Schafe, aber was macht man doch nicht alles, um Graser aus dem Hochgebirge auszuweisen. Schafe raus! Platz dem Wolf! Und damit dessen Lebensraum zunimmt und seinen Bedürfnissen immer besser entspricht, werden jedes Jahr 50 000 neue Immigranten in sein Jagdrevier gelassen, werden stets neue Häuser, Strassen und Infrastrukturen gebaut. Er soll sich ja tummeln können, der Wolf, zwischen Mülltonnen und Schrebergärten, und soll sich von zukünftigen Vorstadtheidis kraulen lassen.

Ich muss schon sagen: Eine Vision von betörender Logik.

Da gibt es nur eins: aus der Berner Konvention austreten und ihr mit einem Vorbehalt zu den Grossraubtieren wieder beitreten, wie das viele der Länder gemacht haben, die die Berner Konvention unterschrieben haben. Alles andere ist Schönrederei, weil uns die Hände gebunden bleiben. Stimmen Sie deshalb Ja zu meiner Motion 09.3790, die 83 von Ihnen schon unterschrieben haben.

Um aber Wolfsfreunde und Wolfsgegner am Ende meines Votums doch noch etwas zu versöhnen, erlauben Sie mir wohl, ein kleines humoristisches Gedicht zum Thema beizusteuern. Poesie und Humor sollen die verkrampften Kinnladen lockern und es jedem in diesem Saal erlauben, in Sachen Isegrim die richtige Lösung zu finden, damit aus unserem Bundesrat nicht auch noch die sieben Geisslein werden. Das Gedicht ist nun folgendes:

Man schob vom Green den Wolf,

er spielte sehr schlecht Golf,

drum riss er bald, zur Strafe,

im ganzen Lande Schafe.

Man sagte ihm: "Was soll denn das,

lass doch das Fleisch und rupfe Gras!"

So kamen Mensch und Wolf sich näher,

denn dieser wurde Rasenmäher.

Er muss jetzt nicht mehr darben

und reisst verzückt ... Schafgarben.

Und die Moral dieser Geschichte:

Der Vegetarier, merkt euch das,

lebt weiter und beisst doch ins Gras.