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Lachenmeier-Thüring Anita · Nationalrat · 2010-12-07

Lachenmeier-Thüring Anita · Nationalrat · Basel-Stadt · Grüne Fraktion · 2010-12-07

Wortprotokoll

Der öffentliche Verkehr in der Schweiz ist eine Erfolgsgeschichte. Nirgends auf der Welt ist das Schienennetz so dicht, nirgends auf der Welt benützt ein so grosser Anteil der Bevölkerung den Zug. Private Bahnen und die SBB ergänzen einander hervorragend. Ihr Kundenanteil konnte in den letzten Jahren unter anderem aufgrund des ausgebauten Angebotes vergrössert werden. Heute fahren auf praktisch allen Strecken mehr Züge mit grösserer Auslastung. Das bedeutet jedoch auch, dass die Abnutzung der Infrastruktur grösser ist, dass diese an ihre Grenzen stösst, dass durch die hohe Auslastung der Unterhalt in kürzeren Intervallen getätigt werden muss.

Wer A sagt, muss auch B sagen. Der Ausbau der Schieneninfrastruktur wurde sowohl von den Räten wie auch vom Volk in zahlreichen Abstimmungen unterstützt. Er erhöht nicht nur die Mobilität, sondern entlastet auch die Strassen. Dass Strassen unterhalten werden müssen, leuchtet allen ein. Löcher in den Strassen gefährden die Sicherheit. Sie sind für alle Autofahrerinnen und Autofahrer sichtbar; der Druck, schnell zu handeln, ist gross. Schadhafte Stellen in der Schieneninfrastruktur sind für Kundinnen und Kunden nicht sichtbar. Doch auch sie gefährden die Sicherheit. Die SBB und die Privatbahnen können jedoch keine Sicherheitseinbussen in Kauf nehmen. Darum wird die Geschwindigkeit reduziert, und die Fahrplanstabilität ist gefährdet. Wir kennen genug Beispiele aus dem Ausland, z. B. aus England, wo mangels Unterhalt Störungen und Ausfälle zur Tagesordnung gehören.

Das Erfolgsmodell öffentlicher Verkehr in der Schweiz hat mit der hohen Zuverlässigkeit, mit dem Taktfahrplan und der Dichte des Netzes zu tun. Diese Qualitäten dürfen wir durch mangelnden Unterhalt und durch die fehlende Möglichkeit, Engpässe z. B. durch Tunnelanpassungen zu beseitigen, nicht aufs Spiel setzen. Weiter gehört zur Qualität, dass man auf einer längeren Strecke einen Sitzplatz hat. Darum braucht es auch Rollmaterial, z. B. Doppelstockwagen, das die steigende Kundenzahl aufnehmen kann und ein einigermassen bequemes Reisen ermöglicht. Zusätzlich haben wir den Auftrag, den Güterverkehr von der Strasse auf die Schiene zu verlagern. Auch oder gerade auch Güterzüge sind auf genügend gute Trassen angewiesen, und gleichzeitig nutzen sie diese stark ab.

Auch wer vorwiegend mit dem Auto unterwegs ist, tut gut daran, den erhöhten Krediten zuzustimmen. Würde nur ein kleiner Teil der jetzt durch die Bahn transportierten Personen und Güter wieder mit Autos respektive LKW transportiert, wären die Strassen verstopft und neue Engpässe vorprogrammiert.

Die Grünen bitten Sie darum, den umweltfreundlichen und sehr effizienten Schienenverkehr weiterhin zu unterstützen und bei den Zahlungskrediten den Anträgen der Kommissionsmehrheit zu folgen.