Lexipedia

Maurer Ueli · Bundesrat · 2010-12-08

Maurer Ueli · Bundesrat · Zürich · 2010-12-08

Wortprotokoll

Weshalb überhaupt ein Sportförderungsgesetz auf Stufe Bund? Ich glaube, wir sind alle gleicher Meinung: Der Stellenwert des Sports in der Bevölkerung ist gross, und er hat steigende Bedeutung. Sie haben wahrscheinlich quasi den Beweis dafür auf Ihrem Pult. Wenn Sie die Zeitungen durchblättern, sehen Sie, dass der Sport im Alltag präsent ist, und zwar vom internationalen Sportgeschehen bis hin zum Viertliga-Match, über den berichtet wird. Der Sport durchdringt also sämtliche Bevölkerungskreise und beschäftigt sie auch. Der Sport hat viele positive Aspekte. Ich denke an gesundheitliche Aspekte, an die Gestaltung der Freizeit, an die Freude am Sport, an der Teilnahme, am Zuschauen. Der Sport steigert das Selbstwertgefühl von Kindern - dort stellen wir das im Besonderen fest -, und junge Wettkämpfer werden gestählt. Der Sport wird nicht zu Unrecht oft als Lebensschule bezeichnet.

Weshalb ist die Sportförderung eine Aufgabe im öffentlichen Interesse? Wir haben insbesondere bei den Kindern Probleme, wir wissen das. Sie leiden oft an Bewegungsmangel, an Übergewicht, an motorischen Defiziten, viele haben heute eine verminderte Leistungsfähigkeit. Insgesamt ist trotz der grossen Begeisterung für den Sport hier ein klares Manko festzustellen. Wir stellen das unter anderem bei den jungen Männern fest, bei der Aushebung. Beim 80-Meter-Lauf, den wir seit vielen Jahren durchführen, werden unsere jungen Schweizer tendenziell immer etwas langsamer, insgesamt in den letzten zwanzig Jahren um etwa 10 Prozent. Das mag durchaus auch ein Grund sein, hier aktiv zu werden.

Selbstverständlich stützt sich das Sportförderungsgesetz auf den bewährten Grundsatz der Subsidiarität. In erster Linie sind die Kantone und Gemeinden aktiv bezüglich Sport, auch in den Schulen, und der Bund fördert subsidiär.

Die Hauptpunkte der Vorlage wurden bereits erwähnt. Es geht erstens um die allgemeine Sport- und Bewegungsförderung, insbesondere im Bereich des Erwachsenensports. Hier ist einer der Schwerpunkte, die wir setzen, die Leiterausbildung.

Zweitens geht es um "Jugend und Sport", ein ausserordentlich erfolgreiches Programm, das mit diesem Gesetz eine legale Basis für die Ausdehnung auf Fünf- bis Zehnjährige erhält. Das war ja eine Art Versuch im Zusammenhang mit der Euro 2008. Es soll jetzt gesetzlich verankert werden. Es wird im Endausbau voraussichtlich 20,5 Millionen Franken kosten. Das ist grosso modo keine Erhöhung gegenüber dem jetzigen Budget, aber gegenüber der seinerzeitigen Regelung. Das Programm "J+S Kids", also das Programm für Fünf- bis Zehnjährige, läuft unserer Meinung nach gut an.

Ein dritter Punkt in diesem Gesetz ist der Sport in der Schule. An Volks- und Mittelschulen ist Sport obligatorisch; mit Artikel 12 dieses Gesetzes regeln wir Quantität und Qualität des Schulsports. Hier ist vielleicht darauf hinzuweisen, dass der Sport für Mädchen in der Schule erst seit 1972 obligatorisch ist, vorher war er nur für Knaben obligatorisch; er war also auf das Militär ausgerichtet.

In einem vierten Punkt dieses Gesetzes bekennt sich der Bund zum Leistungssport, der seit Jahrzehnten in Magglingen betrieben wird und damals mit Jack Günthard und den Kunstturnern den Anfang nahm. Er wird jetzt in diesem Gesetz festgeschrieben. Der Bund will seinen Anteil für den Leistungssport erbringen. Es ist ein wichtiger Bestandteil im Sport als Ganzem.

Schliesslich geht es um Massnahmen gegen Doping, einen Bereich, der besser geregelt werden muss. Hier hat die Schweiz zweifellos noch einen gewissen Nachholbedarf.

Insgesamt legen wir, meinen wir, ein Gesetz vor - der Kommissionssprecher hat es ausführlich gewürdigt -, das bisherige Arbeiten weiterführt, dort ergänzt, wo Lücken entstanden sind, und insgesamt die Zusammenarbeit mit Kantonen und Gemeinden fördert und ein in sich geschlossenes Konzept gemäss den bewährten Grundsätzen unseres Föderalismus und der Privatinitiative enthält. Es lässt den Bund dort tätig werden, wo es nötig ist oder wo Anreize mit dem Schwergewicht, wenn wir es finanziell betrachten, im Bereich "Jugend und Sport" geschaffen werden sollen. Es werden zudem die weiteren Tätigkeiten wie die Sportwissenschaft, die Sportförderung und die Sportausbildung, die an der Eidgenössischen Hochschule für Sport in Magglingen betrieben werden, fortgeführt.[PAGE 1175]

Ich bitte Sie, auf das Gesetz einzutreten und ihm dann auch zuzustimmen.