David Eugen · Ständerat · 2010-12-15
David Eugen · Ständerat · St. Gallen · Fraktion CVP/EVP/glp · 2010-12-15
Wortprotokoll
Ich möchte keine Kommissionsdiskussion eröffnen, aber das ist ein Missverständnis, Frau Egerszegi.
Der Patient möchte die beste Behandlung. Das ist das Ziel, das der Patient hat. Er möchte nicht einfach eine egalitäre Behandlung, denn die egalitäre Behandlung kann auch schlecht sein. Und es ist in Gottes Namen so, dass sich die Krankheiten ganz stark unterscheiden. Sie sagen: Auch ein Krebskranker muss, bevor er zur Behandlung für seine spezifische Krankheit kommt, einen "gatekeeper" aufsuchen. Und der "gatekeeper", sei das nun ein Arzt oder eine Krankenschwester, sagt zu ihm: "Du Krebskranker musst zu diesem Krebsarzt; du bist in unserem Netzwerk, ich sage dir, wohin du gehst." Ich glaube nicht, dass die Krebskranken das so akzeptieren werden. Auch die Diabeteskranken werden das nicht akzeptieren. Sie werden sagen: "Ich möchte dorthin gehen, wo ich den Eindruck habe, für meine Krankheit die bestmögliche Behandlung zu erhalten." Ich glaube auch, die Schweizer Patientinnen und Patienten haben das Recht auf diese Wahl.
Es ist richtig, diese Netzwerke sind nicht in jedem Tal. Es gibt in der Schweiz für gewisse wichtige Krankheiten wenige [PAGE 1283] Netzwerke, vielleicht drei oder vier, und vielleicht muss man hundert Kilometer dorthin reisen. Aber der Patient findet in diesem Kompetenzzentrum nach seiner Wahl die beste Behandlung. Das Kompetenzzentrum ist sein Netzwerk. Für alle anderen Leistungen ist es ihm egal, ob er bei seinem Hausarzt bleibt. Dafür braucht er auch kein Netzwerk, er braucht seine übliche Behandlung vor Ort.
Solche Netzwerke möchte ich entstehen lassen. Ich möchte ihnen eine Chance geben. Ich gebe zu, das ist eine andere Vorstellung als die der Mehrheit. Die Mehrheit sagt: Das ganze Volk muss durch einen "gatekeeper" durch, der Patient wird dorthin und dorthin überwiesen, zu jenen Ärzten, mit denen das Netzwerk seine Verträge geschlossen hat. Der Patient muss die Freiheit der Wahl aufgeben, auch wenn er eine schwere Krankheit hat. Ich sehe das nicht als eine Lösung an, die von den Patienten geschätzt wird und die ihnen die Chance gibt, ihre Wahlfreiheit wahrzunehmen, wenn sie schwer krank sind. Diese Freiheit sollten wir den Leuten nicht nehmen, und darum plädiere ich dafür, dass solche Netzwerke entstehen können. Wenn Sie den Antrag der Minderheit ablehnen, können diese Netzwerke nicht entstehen, und dann ist am Schluss auch die Freiheit des Patienten nicht mehr gegeben, sie zu wählen. Das ist durchaus ein konzeptioneller Unterschied zu dem, was die Mehrheit möchte.