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Luginbühl Werner · Ständerat · 2010-12-01

Luginbühl Werner · Ständerat · Bern · Fraktion BD · 2010-12-01

Wortprotokoll

Wir wissen jetzt alle, was BTS heisst: Es sind besonders tierfreundliche Stallsysteme. In diesem Vorstoss geht es um die Vorweidebetriebe. Was sind Vorweidebetriebe? Es gibt den Talbetrieb, also den eigentlichen Heimbetrieb, und dann gibt es die Alp. Im Frühjahr, wenn der Landwirt mit seiner Herde auf die Alp zieht, macht er einen Zwischenhalt von etwa zwei, drei Wochen auf dem Vorweidebetrieb, und im Herbst, wenn er wieder herunterkommt, macht er das Gleiche.

Der Motionär kritisiert die relativ starren und den spezifischen Verhältnissen ungenügend Rechnung tragenden Vorschriften. Die Minderheit teilt diese Auffassung. Diese Vorschriften legen fest, dass das Vieh Tag und Nacht auf der Weide sein muss respektive jederzeit auf die Weide hinauskönnen muss. Das kann nach längeren Regenzeiten ein Problem sein, indem enorme Schäden an den steilen Hängen entstehen können, und es ist vor allem auch an heissen Tagen im Mai oder Anfang Juni ein Problem - in dieser Zeit werden die Vorweiden bestossen -, weil dann die Tiere auf dieser Höhe, das spielt nämlich auch eine Rolle, von Fliegen und anderem "Gefleuch" fast gefressen werden. Die Vorschriften erlauben aber nicht, dass man beispielsweise an einem heissen Tag das Vieh zu seinem eigenen Schutz im Stall halten könnte.

Nun sagt der Bundesrat, und auch Kollegen haben das erwähnt, dass diese Ethoprogramme freiwillig seien und dass der Mehraufwand entsprechend abgegolten werde. Das ist, zumindest was den ersten Punkt betrifft, richtig. Aber es muss ja so sein, dass auch bei freiwilligen Programmen die Vorschriften sinnvoll sind. Als Tierfreunde, die wir ja alle sind, sind wir daran interessiert, dass die Ethoprogramme wirklich auch angewendet werden.

Dann kommt noch etwas Zusätzliches dazu: Die baulichen Auflagen für die Landwirte, diese Ställe im Liege- und Laufbereich entsprechend auszugestalten, sind beträchtlich. Das mag für Ställe, die während langer Zeit benutzt werden, Sinn machen, aber hier reden wir von sechs Wochen. Die übrigen 45 Wochen im Jahr sind diese Ställe auf der Vorweide leer, dessen muss man sich bewusst sein.

Der Motionär verlangt nicht eine Abschaffung der Vorschriften, er verlangt eine Flexibilisierung in dem Sinn, dass man situationsgerechtere Lösungen ermöglichen kann. Ich bitte Sie daher, die Minderheit zu unterstützen und die Motion anzunehmen.