Jenny This · Ständerat · 2010-12-01
Jenny This · Ständerat · Glarus · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2010-12-01
Wortprotokoll
Ich bin bei Zahlungen und Subventionen ja ein vorsichtiger Zeitgenosse. Aber die Bergbauern, Kollege Brändli hat darauf hingewiesen, sind nicht einfach Bauern: Sie sind unsere Landschaftsgärtner. Diesem Umstand müssen wir in Zukunft Rechnung tragen.
Wenn ich mit Bauern in unseren Berggebieten spreche, stelle ich ihnen immer wieder die Frage: Und die Nachfolge? Dann zuckt jeder mit den Achseln und erwidert, es sehe düster aus, düster. Es ist eine Herkulesaufgabe, einen solchen Betrieb aufrechtzuerhalten und ein einigermassen normales Einkommen zu erwirtschaften. Die Bauern in unserem Berggebiet sagen mir immer wieder: Ich schicke den Junior lieber zu dir auf den Bau; die Jungen sollen dort eine anständige Lehre machen, dann ist es für sie viel einfacher, Geld zu verdienen.
Was wollen wir in Zukunft mit der Berglandwirtschaft? Wollen wir sie dem Staat aufbürden? Soll der Staat die Hänge bewirtschaften? Das kostet dann, das kann ich Ihnen versichern! Aber für die Tourismusdestinationen ist eine intakte Berglandschaft, die gehegt und gepflegt wird, von grösster Bedeutung. Ich bitte Sie, das zu berücksichtigen.
Es gibt Landschaften, die nicht mehr unterhalten werden. Das hat enorme Auswirkungen auf die Lawinensituation und auf die Erosion, das ist nicht zu unterschätzen. Man kann die Tiere aus verschiedenen Gründen nicht mehr frei laufen lassen, ohne dass sie Schaden erleiden, ohne dass die Landschaft Schaden erleidet. Lassen Sie, wenn es nass ist, einmal Kühe auf diesen steilen Hängen auslaufen, dann können Sie die Hänge im nächsten Frühjahr nicht mehr bewirtschaften; im andern Fall werden Ihnen die Beiträge gekürzt. Nun wird gesagt, man müsse Laufställe bauen. Das freut mich als Baumeister, aber wissen Sie, was es heisst, Laufställe zu bauen? Das sind gigantische Eingriffe. Das muss jemand finanzieren. Es müssen die Zinsen bezahlt werden, und die Investition muss amortisiert werden. Da haben Sie keine Überlebenschance.
Ich möchte Sie einfach bitten, die Sache im Sinne dieser Berg- und Randregionen flexibel zu gestalten. Auch den Bundesrat möchte ich bitten, den Besonderheiten dieser Regionen Rechnung zu tragen. Ich lade ihn gerne ein, an einem schönen Herbsttag mit mir das Glarnerland zu besuchen - Sie kennen diese Region sowieso zu wenig - und vor allem mit den Betreibern der Berglandwirtschaft das Gespräch zu suchen. Da sieht es sehr, sehr düster aus. Eine intakte Landschaft hat massive Auswirkungen auf unsere Tourismusdestinationen, deren Schönheiten immer zuoberst in unserer Werbung stehen.