Tschümperlin Andy · Nationalrat · 2011-03-17
Tschümperlin Andy · Nationalrat · Schwyz · Sozialdemokratische Fraktion · 2011-03-17
Wortprotokoll
Es ist Zeit, meine Damen und Herren. Nachdem es für die Manager keine Boni-Steuer gibt und die Mehrheit hier in diesem Saal ohne mit der Wimper zu zucken horrende Ausfälle bei den Unternehmenssteuern in Kauf nimmt, ist es Zeit, nun auch etwas für die ganz gewöhnlichen Arbeitnehmer zu machen. Es ist Zeit für 6 Wochen Ferien.
Die Schweizer Arbeitnehmer sind nämlich Spitzenklasse: Sie sind tüchtig, fleissig, pflichtbewusst und qualitätsorientiert. Sie sind ausdauernd und lassen unseren Wirtschaftsmotor brummen. Das zeigt der europäische Vergleich. Dieser Vergleich zeigt aber auch, dass dieser Fleiss nicht gleich belohnt wird wie andernorts. Zusammen mit dem Bankrottstaat Irland bildet die Schweiz mit 29 Ferien- und Feiertagen das Schlusslicht im europäischen Vergleich. Spitzenreiter in Sachen Freizeit sind Finnland und Russland mit 40 Ferien- und Feiertagen. Schweden und Norwegen, die mit uns am besten zu vergleichenden Länder, liegen mit 36 bzw. 35 Tagen im Mittelfeld.
Doch das sind nicht alle Argumente. Wissen Sie, wie viel es uns kostet, dass für unsere fleissigen Arbeitnehmer die Erholungszeit nur knapp ist, sodass viele, nicht nur Kadermitglieder, irgendwann nicht mehr zur Arbeit gehen können, weil sie ausgebrannt sind? Das Staatsekretariat für Wirtschaft hat diese Ausfälle ausgerechnet: Satte 10 Milliarden Franken jährlich - ich wiederhole es gerne noch einmal: 10 Milliarden Franken im Jahr! - kostet uns das. Ob dieser Summe erblassen sogar die Boni-Kassierer. Das ist verlorenes Geld. Dieses Geld können wir sparen, indem wir in die Erhöhung des Ferienanspruchs um durchschnittlich eine Woche investieren. Es ist im Schnitt nämlich nur eine Woche mehr, da der Ferienanspruch heute bereits durchschnittlich 5 Wochen beträgt. Diese Woche mehr Freizeit verursacht volkswirtschaftliche Kosten von von rund 2 Prozent der Lohnsumme. Diese 2 Prozent haben sich die Arbeitnehmer aber bereits seit Langem durch höhere Arbeitsleistungen verdient. Allein zwischen 1992 und 2007 ist die Arbeitsproduktivität der Arbeitnehmer in der Schweiz um 21,5 Prozent gestiegen, die Reallöhne haben jedoch nur um 4,3 Prozent zugenommen.
Unsere Arbeitnehmer stellen aufgrund ihres grossen Fleisses und ihrer Motivation einen wichtigen Standortvorteil für die Schweiz dar. Sie tragen dazu bei, dass die Wirtschaft gut läuft und die Schweiz im internationalen Vergleich, auch was [PAGE 495] die Konkurrenzfähigkeit und Innovationsfähigkeit betrifft, einen Spitzenplatz besetzt.
Tragen wir Sorge zu unseren Arbeitskräften und ermöglichen wir ihnen 6 Wochen Ferien! Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass wir diese Investition um ein Vielfaches wieder zurückbekommen.