Leutenegger Oberholzer Susanne · Nationalrat · 2011-03-17
Leutenegger Oberholzer Susanne · Nationalrat · Basel-Landschaft · Sozialdemokratische Fraktion · 2011-03-17
Wortprotokoll
Mit meiner parlamentarischen Initiative verlange ich, dass der Ferienanspruch der Arbeitnehmer auf wenigstens 5 Wochen pro Dienstjahr erhöht wird. Gleichzeitig soll der Ferienanspruch für die Jungen und für die über 55-Jährigen auf wenigstens 6 Wochen angehoben werden.
Mit Travail Suisse und den Initiantinnen und Initianten bin ich der Ansicht, dass die Erhöhung des Ferienanspruchs in der Schweiz längst fällig und verdient ist. Heute haben die Erwerbstätigen einen gesetzlichen Anspruch auf mindestens 4, bis zum vollendeten 20. Altersjahr auf 5 Wochen Ferien. Die letzte Anpassung des Ferienanspruchs erfolgte auf den 1. Juli 1984. In den letzten 27 Jahren hat sich die Arbeitswelt jedoch fundamental verändert: Der Strukturwandel, die technologische Entwicklung, die Informatisierung und die Globalisierung erhöhen den Druck und die Belastung am Arbeitsplatz. Von den Erwerbstätigen wird grösste Flexibilität und Anpassungsbereitschaft verlangt. Das hat Folgen für die Gesundheit: Heute wird bereits 20 Prozent der Erwerbstätigen kurz vor der Pensionierung eine IV-Rente zugesprochen, und rund 40 Prozent der unfreiwilligen vorzeitigen Pensionierungen erfolgen aus gesundheitlichen Gründen.
Stress bei der Arbeit ist das häufigste gesundheitliche Risiko. Gemäss einer Studie des Seco leiden etwa zwei Drittel der Erwerbstätigen am Arbeitsplatz darunter. Die volkswirtschaftlichen Kosten werden auf etwa 10 Milliarden Franken pro Jahr beziffert. Davon betroffen sind vor allem die älteren Arbeitnehmer, deshalb wird ihr Ferienanspruch in vielen Gesamtarbeitsverträgen zum Beispiel ab dem fünfzigsten Altersjahr erhöht. Aber - ich sage das auch zu den Kommissionsberichterstatterinnen und -erstattern, die auf den Weg der Sozialpartnerschaft verwiesen haben - nur rund fünfzig Prozent der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in der Schweiz unterstehen einem GAV. Das heisst: Von einer Erhöhung des gesetzlichen Ferienanspruchs profitieren vor allem Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in prekären Arbeitsverhältnissen, viele Frauen und vor allem auch ältere Arbeitnehmer. Gerade die Frauen sind auf zusätzliche Ferien angewiesen, sie sind immer mehr einer Mehrfachbelastung ausgesetzt, denn sie müssen Beruf, Familie und Erwerbstätigkeit unter einen Hut bringen.
Die Verkürzung der Arbeitszeit in Form längerer Ferien ist auch längst verdient. Die Arbeitsproduktivität ist in der Schweiz in den letzten fünfzehn Jahren um rund 20 Prozent angestiegen, die realen Löhne aber nur um 5 Prozent. Die Schweiz ist eines der Länder mit den längsten Arbeitszeiten und mit den geringsten Ferienansprüchen pro Jahr. Deshalb ist auch das Argument der Kommissionsmehrheit, die Wettbewerbsfähigkeit würde sinken, völlig falsch.
Ich bitte Sie deshalb: Geben Sie meiner parlamentarischen Initiative Folge und unterstützen Sie auch die Volksinitiative für 6 Wochen Ferien, denn Sie sichern damit langfristig die hohe Produktivität der Erwerbstätigen. Sie investieren damit nicht nur in die Gesundheit unserer Gesellschaft, sondern auch in einen qualitativ hochwertigen Wirtschaftsstandort Schweiz.