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Lombardi Filippo · Ständerat · 2011-03-16

Lombardi Filippo · Ständerat · Tessin · Fraktion CVP/EVP/glp · 2011-03-16

Wortprotokoll

Die Motion möchte den Bundesrat beauftragen, geeignete Massnahmen zu treffen, damit Reisecars bei Stausituationen am Gotthard auf die Kantonsstrasse ausweichen und vor den Tunnelportalen Nord und Süd, also in Göschenen bzw. Airolo, wieder auf die Autobahn einfahren können.

Der Car ist das umweltfreundlichste Verkehrsmittel auf der Strasse. Er braucht pro Person viel weniger Fläche als ein Personenwagen. 12 Meter lange Busse transportieren 50 Passagiere; wenn diese jeweils zu zweit im Auto sitzen würden, wäre das eine Kolonne von 100 Metern, also mindestens das Achtfache der Buslänge. Auch bezüglich Treibstoffverbrauch pro Person schneidet der Car mit 0,7 Liter Diesel pro 100 Kilometer sehr gut ab. Für eine nachhaltige Mobilität sind also Reisecars sehr wichtig; sie werden leider bisher viel zu wenig in unsere Verkehrskonzeptionen einbezogen.

Allerdings sind Reisecars im Stau für Passagiere alles andere als attraktiv. Vor allem am Gotthard stellt sich dieses Problem. Mit meinem Vorstoss fordere ich den Bundesrat darum auf, hier Gegenmassnahmen für ein ökologisch sinnvolles Verkehrsmittel zu treffen. Konkret sollen Reisebusse bei Staus auf die Kantonsstrasse ausweichen und vor dem Tunnel wieder auf die Autobahn auffahren können. Eine solche mässige Privilegierung hätte eine wichtige Signalwirkung, gerade wenn sich die Fahrzeuge kilometerlang vor dem Gotthard-Strassentunnel stauen. Sie würde den Individualreisenden die Vorteile des privaten Kollektivverkehrs möglicherweise etwas näher bringen. Eine Konkurrenzierung des öffentlichen Verkehrs ginge mit dieser Privilegierung nicht einher, da mit Reisecars gerade in der Ferienzeit oftmals gezielt Feriendestinationen im Süden direkt angesteuert werden, die mit dem öffentlichen Verkehr nur schlecht erschlossen sind.

Gern möchte ich noch ein paar Argumente anfügen. Viele Reisecars bringen Touristen ins Tessin - bei ein bis zwei Stunden Wartezeit im Stau lohnt sich eine Fahrt in den Süden weniger. Zum Vergleich: In dieser Zeit sind Sie mit dem [PAGE 298] Flugzeug schon viel weiter im Süden. Sportvereine, Fussball-, Eishockeyteams usw., müssen für Spiele oft ins Tessin reisen und umgekehrt. Es kann nicht sein, dass sie wegen Staugefahr mehrere Stunden mehr einplanen müssen. Im Unterschied zum Auto müssen die Motoren von Cars bei Stau wegen der zwingend notwendigen Lüftung mittels Klimaanlage immer laufen.

Mit der geforderten Ausnahme, wenn also die Cars eine Ausweichroute benützen dürften, könnte die Umwelt massiv entlastet werden. Bei Verspätungen infolge Staus entstehen auch Probleme für Anschlussfahrten mit Hotelbussen. Oft müssen Passagiere stundenlang auf ihre Weiterfahrt warten. Vor allem aber sind ja die Chauffeure gezwungen, die in der Arbeits- und Ruhezeitverordnung vorgeschriebenen gesetzlichen Ruhezeiten einzuhalten. Bei Verzögerungen durch Staus müssen sie deshalb früher als vorgesehen pausieren, was die ganze Fahrt verlängert bzw. viel teurer macht.

Sie sehen also: Auch abgesehen davon, dass der Car ein ökologisches Verkehrsmittel ist und deshalb nicht behindert werden sollte, gibt es sehr konkrete Argumente für eine kleine Privilegierung. Zudem möchte ich anfügen, dass die Gegenargumente in der Stellungnahme des Bundesrates nicht zutreffend sind. Eine entsprechende Regelung für Reisecars lässt sich auch ohne aktive Bewirtschaftung der Einfahrten durch die Polizei realisieren. Es bräuchte nur eine entsprechende Signalisierung. Zwar fordert die Motion geeignete Massnahmen, sie überlässt es jedoch dem Bundesrat zu definieren, welche Massnahmen geeignet sind und welche nicht.

Es werden also nicht der Gesamtverkehr, sondern nur die Reisebusse auf das untergeordnete Strassennetz geleitet. Deshalb entstehen auch keine unzumutbaren Beeinträchtigungen. Und vor allem: In Bezug auf die gesamte Verkehrsmenge machen die Reisecars eine verhältnismässig kleine Menge aus, sodass die Umleitung über die Kantonsstrasse nicht ins Gewicht fallen würde.

Ich ersuche Sie deswegen, meine Motion anzunehmen.