Müller Geri · Nationalrat · 2011-04-11
Müller Geri · Nationalrat · Aargau · Grüne Fraktion · 2011-04-11
Wortprotokoll
Liebe Esther Egger, Ihr Vorstoss beinhaltet eigentlich zwei Stossrichtungen. Die eine ist die Nutzung der Abwärme aus Kehrichtverbrennungsanlagen, und die andere ist die Nutzung der Abwärme aus Atomanlagen. Beide Dinge haben ihre Probleme. Zurzeit sind noch sehr viele Kehrichtverbrennungsanlagen in der Schweiz in Betrieb. Aber beide Dinge haben das gleiche Problem: Sie erzeugen eine bestimmte Abhängigkeit, von der man nicht mehr wegkommen kann.
Speziell ist das insbesondere bei den Atomanlagen. Sie kennen das ja auch aus unserer Region. Man verbindet dort die Heizung sehr vieler Haushalte mit diesen Anlagen, und das generiert natürlich den Bedarf, dass das weitergehen muss, dass man die Atomanlagen auch weiterbetreiben muss. Heute wissen wir aber, dass wir mit dieser auf Atomanlagen ausgerichteten Strategie nicht sehr weit kommen. Wir werden in der kommenden Session, aber auch später noch mehrfach darüber sprechen müssen, dass wir diese abstellen sollten. Es fragt sich, ob es sinnvoll ist, ob wir wirklich wieder eine Anlage bauen wollen, die hauptsächlich Heizenergie produziert und dann diese Häuser versorgen kann. Viel sinnvoller ist eine Strategie, bei der wir die Häuser so bauen und auch so renovieren, dass sie nicht mehr darauf angewiesen sind, derart geheizt oder auch derart gekühlt zu werden. Das wäre eigentlich die Strategie für die Zukunft.
Was Sie hier aber machen, ist eigentlich die Zementierung dessen, dass wir weiterhin diese Atomanlagen brauchen, die viel zu viel Abwärme produzieren und ein bisschen Strom. Es resultiert ein Drittel Strom. Diese Strategie ist unbedingt eben nicht weiterzuverfolgen, denn sonst machen wir uns abhängig von dieser Technologie.
Sie könnten ja sagen, dass wir dann Gaskraftwerke bauen könnten. Aber das würde dann wieder die CO2-Kompatibilität stören. Etwas muss uns heute angesichts der Problematik, in der wir uns befinden, bewusst sein, nicht alleine wegen Fukushima, es gibt ja noch viel, viel schwierigere Sachen: Die Generierung von Uran ist ein grosses Problem, der Transport und dann auch das Lagern. Und der Betrieb ist bekanntlich eben auch ein Riesenproblem. Wir müssen von dieser Technologie wegkommen. Generell von der Grosstechnologie die Meinung zu haben, dass wir alles über sie steuern müssen, ist eine rein machtpolitische Idee und nicht wirklich eine Idee einer gesunden, nachhaltigen Energieentwicklung. Wir unterscheiden jetzt hier zwischen Wärme und Strom. Viel sinnvoller wären, wenn schon, kleine WKK-Anlagen, die regional sind, die beispielsweise auch die Holzressourcen nutzen oder die mit Geothermie verbunden sind. Das wäre eine gescheitere Strategie. Noch besser ist, wie schon gesagt, Isolieren.
Zu den Kehrichtverbrennungsanlagen: Es muss das Ziel sein, dass die Kehrichtverbrennungsanlagen in Zukunft immer weniger Müll brauchen, womit sie Wärme produzieren. Wir haben heute schon in verschiedenen Gebieten grosse Fortschritte gemacht. Das muss weitergeführt werden. Es gibt viele Kehrichtverbrennungsanlagen, die von Importen aus dem Ausland leben. Der Müll muss verbrannt werden. Aber das Ziel einer gesunden Gesellschaft muss sein, so zu produzieren, dass man nicht Abfall vernichten bzw. verbrennen muss und damit auch wiederum ein CO2-Problem hat.
Ihr Postulat nimmt also das klassische Anliegen auf, irgendwie Energie zu produzieren und sie dann möglichst zu nutzen. Wir müssen aber in ein neues Zeitalter gehen, ein Zeitalter, in dem die Ressourcen viel besser verwendet werden, als das bisher der Fall war.
Ich bitte Sie also, diesen Vorstoss nicht zu unterstützen, insbesondere in Anbetracht der heutigen Situation. Ich denke an die Entwicklung bei der Atomenergie, aber auch an die [PAGE 598] ganze Frage der fossilen Energieträger Öl und Gas. Wir sind in einem Zeitalter, das wir dringend verlassen müssen, bevor wir plötzlich mit grossen Anlagen dasitzen, die nicht mehr bedient werden können.