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Bieri Peter · Ständerat · 2011-12-20

Bieri Peter · Ständerat · Zug · Fraktion CVP-EVP · 2011-12-20

Wortprotokoll

Ich bin hier insofern unverdächtig, als Pferdefeind betrachtet zu werden, als ich mit meiner Motion 10.3767 zur Rettung des Haras fédéral unter Beweis gestellt habe, dass ich ein Pferdefreund bin. Zudem bin ich ehemaliger Train-Offizier und war früher Besitzer eines eigenen Pferdes.

Ich muss Ihnen sagen: Mir wäre es nie in den Sinn gekommen, meine Pferdeweide mit einem Stacheldrahtzaun zu umzäunen. Ich meine, dass diese Motion falsch ist. Sie nimmt ein Problem auf, das es im Jura gibt und das dort, wie Herr Gutzwiller es richtig gesagt hat, irgendwie einer guten Lösung zugeführt werden soll. Aber wie heisst der Titel? "Haltung von Pferden auf Weiden. Unangemessenes Stacheldrahtverbot". Würden wir dieses Verbot aufheben, könnten wir in der ganzen Schweiz wieder Stacheldrahtzäune für Pferdeweiden einrichten. Das kann doch nicht der Sinn der modernen Tierhaltung und insbesondere der Pferdehaltung sein, wo man sogar bei den Rindern dazu tendiert, in Zukunft vom Stacheldraht wegzukommen!

Ich verstehe nicht, was wir heute Morgen bei den Börsen besprochen haben, aber ich verstehe etwas Weniges von Pferden und weiss, wie leicht sich Pferde an ihren Gliedmassen verletzen. Wenn sie in Seile oder Drähte treten und wenn sie an ihren Gliedmassen verletzt werden, dann sind die Verletzungen meist gravierend, und die Heilung ist langwierig. Sehr oft muss auch ein Pferd abgetan werden, weil es aufgrund von Verletzungen an den Gliedmassen nicht mehr einsatztauglich ist.

Wir haben die Tierschutzverordnung 2008 erlassen. Es sind jetzt immerhin drei Jahre ins Land gegangen, und man hätte auch entsprechend reagieren können. Ich glaube, wenn wir zu unseren Pferden stehen wollen - und ich habe ja wirklich auch Freude an diesen Tieren -, dann müssen wir auch etwas für sie tun, auch wenn es etwas kostet, auch wenn es aufwendig ist.

Interessanterweise kommt ja nach diesem Vorstoss die Interpellation Seydoux 11.3935, "Mehr Mittel für die Förderung von Schweizer Pferden auf dem Binnenmarkt". Dort kann gelesen werden, dass der Bund heute - hören Sie - 45 Millionen Franken für die Pferdehaltung ausgibt, nicht eingerechnet die Direktzahlungen, die auch für die Bewirtschaftung dieser Weiden vom Bund ausbezahlt werden.

Wenn dieses Problem vor allem im Jura ein Problem ist, so darf doch daran erinnert werden, dass in keinem Kanton so viele Direktzahlungen pro Betrieb ausbezahlt werden wie im Kanton Jura. Ich kenne die Zahl, es sind über 100 000 Franken pro Betrieb. Wir sind bereit - das haben wir heute bei der Budgetberatung auch unter Beweis gestellt -, dieses Geld aufzuwenden, aber wir können auch ein Minimum verlangen, nämlich dass die Tiere artgerecht gehalten respektive korrekt auf der Weide gehalten werden. Ich glaube, der Forderung der Motion - auch in der absoluten Form, in der sie gestellt ist - können wir aus Sicht einer aufgeklärten Tierhaltung nicht zustimmen.

Ich bitte Sie, diese Motion abzulehnen. Ich bin aber sicher, dass das Bundesamt für Veterinärwesen für die spezifischen Probleme, die sich im Jura ergeben, eine Lösung finden kann.