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Riklin Kathy · Nationalrat · 2012-02-28

Riklin Kathy · Nationalrat · Zürich · Fraktion CVP-EVP · 2012-02-28

Wortprotokoll

Mit der parlamentarischen Initiative "Sprachgebrauch in den audiovisuellen Medien" möchte der Initiant, Herr Hodgers, die Verwendung von Schweizerdeutsch in den Radio- und Fernsehsendungen der SRG zurückbinden. Wir haben am 12. Januar 2011, also vor mehr als einem Jahr, in Anwesenheit des Initianten Antonio Hodgers die parlamentarische Initiative zum Sprachgebrauch in Radio und Fernsehen diskutiert. Das Thema "Hochdeutsch und Schweizerdeutsch in den Sendungen von SF DRS" war bereits am 15. Februar 2007 ein Thema in der WBK des Nationalrates. Damals konnten wir mit Direktorin Ingrid Deltenre eine ausführliche und klärende Diskussion führen.

Antonio Hodgers möchte, dass Artikel 24 Absatz 5 des Bundesgesetzes über Radio und Fernsehen wie folgt geändert wird: "In den Informations- und Diskussionssendungen sowie in den Sendungen, die der Wissensvermittlung dienen, ist in der Regel die Standardsprache zu verwenden." Der Initiant und eine Minderheit der Kommission vertreten die Auffassung, dass der starke Trend der Medien hin zum Dialekt ein Ausdruck des Willens der SRG sei, so nahe wie möglich an das Deutschschweizer Publikum heranzukommen. Gleichzeitig würden sich die Deutschschweizer Programme vom Publikum in den lateinischen Regionen der Schweiz, welches nur Standarddeutsch versteht, entfernen. Schweizerdeutsch werde als Machtinstrument der deutschsprechenden Mehrheit verwendet und die Latins seien durch die immer häufiger verwendete Mundart ausgeschlossen.

Diese Sichtweise ist den Deutschschweizern fremd. Für die Deutschschweizer ist Schweizerdeutsch die eigentliche Muttersprache und nicht Hochdeutsch. Schweizerdeutsch ist für uns die Sprache des Herzens. Daher ist es sinnvoll, in identitätsstiftenden Sendungen Schweizerdeutsch zu sprechen. Dies soll übrigens auch den Mitgliedern des Bundesrates möglich sein. Auch hier möchte Antonio Hodgers intervenieren, und zwar mit der parlamentarischen Initiative 10.476, welche den Bundesrat zu Äusserungen in einer Amtssprache anhalten will.

Die grosse Mehrheit der WBK ist der Meinung, dass die SRG den Gebrauch der Sprachen meist angepasst handhabt. Zudem ist die SRG im deutschsprachigen Raum die einzige nationale Institution, die eben die Dialektsprache verwendet. Dies ist der grosse und entscheidende Unterschied zu den vielen ausländischen deutschsprachigen Sendern. Mundart ist sehr wichtig für die Akzeptanz des Schweizer Fernsehens, und Dialektsendungen - für regionale Informationen und politische Diskussionen wie "Arena" und "Club" - werden von den Deutschschweizern sehr geschätzt. Das Problem bzw. die Bedeutung des Dialektes ist zudem für Romands schwierig zu verstehen, da es in der französischen Schweiz keinen eigentlichen Dialekt gibt. Das Patois ist nicht vergleichbar mit unseren Deutschschweizer Dialekten. In Tessiner Sendungen wird aber sehr wohl teilweise Dialekt gesprochen.

Die Kommission unterstützt die Forderung, die SRG solle als landesweit tätige und als kulturell und gesellschaftlich verbindende Institution bei Sendungen mit wichtigem Informationsgehalt die Standardsprache als Regelsprache benutzen. Sie stellt aber auch fest, dass der heutige Wortlaut von Artikel 24 Absatz 5 des Bundesgesetzes über Radio und Fernsehen einen gewissen Spielraum im Rahmen seiner Umsetzung offenlässt. Er lautet: "In wichtigen, über die Sprach- und Landesgrenze hinaus interessierenden Informationssendungen ist in der Regel die Standardsprache zu verwenden." Die Mehrheit der Kommission ist der Auffassung, dass eine neue Formulierung der Bestimmung, wie sie der Initiant vorschlägt, kaum griffiger wäre. Die WBK ist der Meinung, dass die Umsetzung der bestehenden Gesetzesbestimmung wesentlich ist, und dazu braucht es den Willen der Verantwortlichen der SRG. Die SRG steht heute mit vielen privaten Anbietern im Wettbewerb. Eine verbindlichere Formulierung der obenerwähnten Bestimmung könnte für die SRG ungünstige Auswirkungen haben, denn Mundartsendungen in Fernsehen und Radio sind sehr beliebt. Die SRG erhielte damit gegenüber den lokalen Radio- und TV-Sendern Wettbewerbsnachteile.

Zu unserem Entscheid: In der Kommission stimmten einige Romands der parlamentarischen Initiative zu, um ein Zeichen für unsere lateinischen Minderheiten zu setzen, obwohl der vorgeschlagene Gesetzestext keine überzeugende Lösung bringe.

Die Kommission beantragt mit 14 zu 9 Stimmen ohne Enthaltungen, der Initiative keine Folge zu geben.