Teuscher Franziska · Nationalrat · 2012-05-02
Teuscher Franziska · Nationalrat · Bern · Grüne Fraktion · 2012-05-02
Wortprotokoll
Gleichstellung geht uns alle an. Bereits 1981 hat die Stimmbevölkerung den Anspruch auf gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit in der Bundesverfassung verankert. Damit hat uns die Bevölkerung den Auftrag erteilt, den Grundsatz der Lohngleichheit auch umzusetzen. Doch vorwärtsgegangen ist es in den letzten 31 Jahren harzig. Die Umsetzung dessen, was als Grundrecht in Artikel 8 der Bundesverfassung verankert ist, erweist sich als zäh. Die Grünen freuen sich daher sehr, dass die vorberatende Kommission der Gleichstellung in der Legislaturplanung einen höheren Stellenwert beimessen will. Mit einer eigenen Leitlinie wird das Thema in der jetzigen Legislatur einen höheren Stellenwert bekommen als bis anhin. Damit besteht die Hoffnung, dass wir 2015, am Ende der Legislatur, bei der [PAGE 577] Gleichstellung einen grossen Sprung vorwärtsgekommen sein werden.
Auf den 7. März 2012 hin, den diesjährigen Equal Pay Day, hat sich in der Schweiz eine neue Frauenallianz gebildet. Dieses Bündnis von Frauen aus fast allen hier im Saal vertretenen Parteien, aber auch mit einer Vertretung aus Wirtschaft und Gewerkschaften ist sich einig: Es muss endlich vorwärtsgehen mit der Lohngleichheit. Die Frauen verdienen in der Schweiz immer noch rund einen Fünftel weniger für die gleiche Arbeit als die Männer. Die Frauenallianz wird also genau beobachten, was Bundesrat und Parlament in den nächsten vier Jahren mit dieser neuen Leitlinie machen werden. Die Frauenallianz ist aber auch bereit, sich aktiv einzubringen und der Lohngleichheit zum Durchbruch zu verhelfen. Der Lohngleichheitsdialog, welchen die Spitzenverbände der Wirtschaft, die Gewerkschaften und der Bund 2009 zusammen lanciert haben, soll mit der neuen Leitlinie mehr Gewicht bekommen und wieder richtig in Schwung kommen.
Es gibt aber auch noch andere Bereiche im Erwerbsleben, wo Frauen benachteiligt sind. In der Privatwirtschaft gibt es heute im Topmanagement nur 7 Prozent Frauen und in den Verwaltungsräten 3 Prozent. Das kann sicher nicht an der Ausbildung liegen, denn hier haben die Mädchen und die jungen Frauen in den letzten Jahrzehnten stark aufgeholt. Weil Frauen immer noch die Hauptverantwortung für die Familie haben, ist es für sie fast nicht möglich, Beruf und Familie gut miteinander zu verbinden, solange es nicht genügend Kinderbetreuungsplätze gibt.
Ich weiss, einige von Ihnen hier in diesem Saal, vor allem Männer, können es fast nicht mehr hören, wenn wir immer wieder über die Gleichstellung sprechen. Es wird immer gesagt, die Gleichstellung sei umgesetzt. Wenn Sie es satthaben, immer wieder von der Gleichstellung zu hören, dann gibt es nur eines: Helfen Sie mit, die Gleichstellung in Bezug auf den Lohn bis Ende der Legislatur endlich umzusetzen, stimmen Sie daher dieser neuen Leitlinie zur Gleichstellung zu.