Tschümperlin Andy · Nationalrat · 2012-06-11
Tschümperlin Andy · Nationalrat · Schwyz · Sozialdemokratische Fraktion · 2012-06-11
Wortprotokoll
Mit meiner Motion will ich, dass der Bundesrat einen Vorschlag für eine gesetzliche Regelung zur Einführung des Berufstitels "Professional Bachelor" vorlegt.
Die Chancen gutqualifizierter Diplomierter aus der Schweiz mit höherem Fachausweis oder höheren eidgenössischen Berufsprüfungen müssen verbessert werden. Das ist ein Anliegen aus der Lehrstellenkonferenz. Nach dieser muss die höhere Berufsbildung - in der auch die höheren Fachschulen integriert sind - im europäischen Bildungs- und Arbeitsmarkt besser positioniert werden. Damit diese Zielsetzung erreicht werden kann, muss der international verständliche Berufstitel "Professional Bachelor" verwendet werden.
Das duale Bildungssystem garantiert Ausgebildete, die praxistauglich sind, mit Fachwissen im Rucksack, das am Markt gebraucht wird. Trotzdem wird zunehmend der Ruf nach international anerkannten Abschlüssen laut, denn die Schweizer Diplome sind für viele internationale Unternehmen oft unverständlich, die Inhalte der Ausbildungen nicht klar. International verständliche Titel sind aber eine Voraussetzung für die Exportwirtschaft, welche ein wichtiges Standbein der schweizerischen Wirtschaft ist. Auf der anderen Seite importieren in der Schweiz in- und ausländische Unternehmen in zunehmendem Masse ausländische Fach- und Führungskräfte, welche unser Bildungssystem nicht kennen und meist mit dem angelsächsischen Titelsystem vertraut sind. Die offizielle Einführung des "Professional Bachelor" für Absolventen einer höheren Fachschule ist die logische Anbindung an das europäisch und global verständliche Titelsystem.
Gemäss Bundesrat sind bereits Massnahmen ergriffen worden, um bei Bildungsabschlüssen die Transparenz national und international zu erhöhen. Zusammen mit den Kantonen und Organisationen der Arbeitswelt soll die höhere Berufsbildung gestärkt werden. Die Vorteile und Eigenarten des schweizerischen Systems sollen international bekannter gemacht werden. Im Vordergrund stehen die Beteiligung am Kopenhagen-Prozess der Europäischen Union und die verstärkte internationale Zusammenarbeit. Der Kopenhagen-Prozess zielt auf die Förderung von Durchlässigkeit, Transparenz und Mobilität auf dem europäischen Arbeitsmarkt ab. Die Berufsbildungsabschlüsse sollen auf dem europäischen Arbeitsmarkt transparent und international vergleichbar werden. Die Schweiz, vertreten durch das Bundesamt für Berufsbildung und Technologie, beteiligt sich an diesem Prozess. Leider liegt aber noch keine Lösung vor.
Damit ist diese Motion notwendig. In der Stellungnahme des Bundesrates wird das ja auch verklausuliert zugegeben. Hier steht: "Im Falle der Annahme der Motion im Erstrat behält sich der Bundesrat vor, in der Kommission des Zweitrates einen Abänderungsantrag zu stellen." Lassen wir das den Bundesrat tun! Unterstützen Sie die Motion, dann kommen wir in dieser Frage einen Schritt weiter!