Feri Yvonne · Nationalrat · 2012-09-27
Feri Yvonne · Nationalrat · Aargau · Sozialdemokratische Fraktion · 2012-09-27
Wortprotokoll
Herr Giezendanner, ich glaube, an diesem Mikrofon zu poltern hilft nichts. Ich hoffe, Ihre Nackenhaare werden sich wieder legen, auch wenn Sie sich so aufregen.
Ich möchte gerne weiter sachlich diskutieren und nicht so polemisch werden. Mir geht es um mehr Transparenz in der Lohnfrage, denn die Intransparenz bei den Löhnen ist eines der grössten Probleme mit Blick auf die Lohngleichheit der Geschlechter. Die 1:12-Initiative würde auch hier Abhilfe schaffen.
Eine Öffnung der Lohnschere ist für das Erreichen von Lohngleichheit hinderlich, da Frauen in den Spitzenpositionen nach wie vor untervertreten sind. Das zeigte bereits die "Vergleichende Analyse der Löhne von Frauen und Männern anhand der Lohnstrukturerhebungen 1998 bis 2006" des Büros für arbeits- und sozialpolitische Studien (Bass) ganz klar. Auch die Untersuchung der Daten der letzten Lohnstrukturerhebung hat gezeigt, dass die Lohndifferenz im oberen Lohnbereich zugenommen hat. Dass sich die Lohnschere zwischen Frauen und Männern im oberen Lohnbereich vergrössert hat, dürfte nach diesem Bericht unter anderem mit der zunehmenden Verbreitung von Sonderzahlungen - beispielsweise erfolgsabhängigen Lohnbestandteilen wie Boni oder Prämien - zusammenhängen, die vor allem Beschäftigten in Kaderpositionen und dort besonders den Männern zugutekommen. Der Trend zu mehr und höheren Sonderzahlungen hält unverändert an und trägt somit [PAGE 1747] zur wachsenden Lohndifferenz im oberen Lohnbereich, zur Lohnungleichheit zwischen den Geschlechtern bei.
Die 1:12-Initiative würde zudem die Forderungen nach einem würdigen Mindestlohn stärken. Von den tiefsten Löhnen sind drei Viertel Frauenlöhne. Das heisst, dass auch hier Bewegung in die Lohnstruktur käme. Man käme der ökonomischen Gleichstellung der Arbeitnehmerinnen in der Schweiz näher, und ihre ökonomische Unabhängigkeit würde vergrössert. Ein wesentlicher Aspekt ist dabei auch die Rentenfrage. Höhere Löhne führen automatisch zu höheren Renten und damit auch zu einer Verbesserung der finanziellen Situation der Rentnerinnen.
Mir ist die ökonomische Gleichstellung der Geschlechter ein Kernanliegen. Die 1:12-Initiative würde entscheidend dazu beitragen. Deshalb bitte ich Sie um Ihre Unterstützung.