Badran Jacqueline · Nationalrat · 2012-12-11
Badran Jacqueline · Nationalrat · Zürich · Sozialdemokratische Fraktion · 2012-12-11
Wortprotokoll
3,3 Milliarden Franken: So hoch sind nach vorsichtigen Schätzungen die ungedeckten Kosten für die Armee für die Unternehmen in der Schweiz. Die Kosten für mich als Unternehmerin sind aber höher als die reinen Ausfallkosten der Mitarbeiter durch WK und Zivilschutz. Mein Unternehmen ist im Projektgeschäft tätig. Da sind Stellvertretungen nicht beliebig möglich. Es ist jedes Mal ein kleines Drama, wenn einzelne Mitarbeiter für drei Wochen am Stück wegen Wiederholungskursen fehlen. Alle anderen Mitarbeiter müssen dies kompensieren und wesentlich länger arbeiten, was sie ihrerseits wieder kompensieren wollen. Unsere Kunden schätzen es gar nicht, wenn ihre Projektleiter mitten in einem Projekt ausfallen. Planbar ist dies nur beschränkt, da die Wirtschaft immer kurzfristiger funktioniert.
Ich bin seit vielen Jahren Unternehmerin und hatte noch keinen einzigen Mitarbeiter, der gerne in den WK ging, ja, noch schlimmer: keinen, der auch nur den kleinsten Sinn in den Tätigkeiten sah. Frustriert von den vielen Leerläufen, Wartereien und sinnlosen Einsätzen kehren diese Mitarbeiter an den Arbeitsplatz zurück. Sie sind nach einem WK nicht einmal voll einsetzbar, wünschen sie doch Erholung von den zermürbenden Wochen. Und dabei reden wir von denjenigen Militärpflichtigen, die nicht schon vorher einen Grund für ihre Untauglichkeit gesucht haben, sondern brav ihre Pflicht erfüllen wollen.
Unsere Wehrpflicht ist eine Illusion. Entweder finden die Unwilligen irgendeinen Vorwand für die Untauglichkeit, oder sie geben widerwillig und unmotiviert dem Zwang nach. Diese Tatsache lässt sich einfach nicht länger ignorieren. Dass die KMU dies finanziell, organisatorisch und institutionell mittragen müssen, ist meiner Meinung nach zu einer Zumutung geworden. Denn unsere Armee mit Wehrpflicht in diesen Dimensionen hat keine reale Funktion mehr, keinen realen Auftrag mehr und keinen realen Sinn mehr. Für die Unternehmen ist es deshalb unzumutbar geworden, diese nostalgische Übung mitzutragen und mitzufinanzieren.
Meine Botschaft ist ganz simpel: Lassen Sie doch im Rahmen einer dringend nötigen Redimensionierung diejenigen in der Armee mitwirken, die dies auch wollen und motiviert sind. Die Wirtschaft wäre dafür dankbar.
In dem Sinne bitte ich Sie, die Initiative zu unterstützen.