Flach Beat · Nationalrat · 2012-12-13
Flach Beat · Nationalrat · Aargau · Grünliberale Fraktion · 2012-12-13
Wortprotokoll
Die Grünliberalen stehen hinter der Motion des Ständerates in ihrer ursprünglichen Form und unterstützen diese und damit die Minderheit Sommaruga Carlo.
Der Titel dieses Geschäftes lautet, dass wir Gleichstellung für die Adoption von Kindern von gleichgeschlechtlichen Paaren erreichen wollen. Aber das ist eigentlich nur der Titel. Denn inhaltlich wollen wir vor allen Dingen mit dieser Motion eine Gleichstellung der Kinder im Adoptionsrecht, ungeachtet der sexuellen Ausrichtung der Eltern. Es geht also eigentlich um die Kinder, es geht nicht um die Moralvorstellungen der Gesellschaft oder um die sexuelle Ausrichtung der Eltern. Das Kindeswohl ist in diesem Falle viel höher zu gewichten als all unsere Vorstellungen und auch das, was vor Jahren besprochen worden ist, als man die eingetragene Partnerschaft angenommen hat.
Regenbogenfamilien sind heute eine Tatsache. Wenn wir diese Motion ablehnen, werden sie deswegen nicht aufhören zu existieren. Auch Kinder, die in diesen Regenbogenfamilien heute leben, existieren. Sie sind nicht einfach nichtexistent. Es gebe sie nicht, wurde vorher gesagt - das ist einfach nicht wahr, solche Kinder gibt es. Es ist an uns, Ungerechtigkeiten aufzudecken und sie zu eliminieren. Wenn das Gesetz dazu bemüht werden muss, dann ist es unsere Aufgabe, das Gesetz entsprechend anzupassen.
Insgesamt muss man auch beachten, dass jede Familie, in der Kinder liebevoll umsorgt aufwachsen, besser ist als keine Familie. Kinder, die beispielsweise in einem Heim aufwachsen, selbst wenn die Heimleitung schön zwischen Frauen und Männern aufgeteilt ist, sind gleichwohl nur umsorgt von Bezugspersonen. Es sind Bezugspersonen, die von morgens bis abends arbeiten oder dann die Nachtschicht übernehmen, die Ferien haben, die sie ohne die Kinder verbringen, weil es eben Leute sind, die angestellt sind. Es sind Bezugspersonen, die auch irgendwann den Job wechseln, irgendwo anders arbeiten gehen. Wenn Kinder dann alt genug sind, um das Heim zu verlassen, und Jahre später zurückkommen, steht vielleicht das Haus noch da, aber die Bezugspersonen haben geändert, die existieren dann nicht mehr in der Zusammenstellung, wie das während der Heimzeit für eine gewisse Zeit der Fall war.
Die heutige Regel, dieses gesetzliche Umfeld führt auch dazu, dass mehr und mehr Leihmutterschaften im Ausland angestrebt werden. Das ist etwas, was wir klar ablehnen. Das führt nämlich wiederum zu weiteren Ungerechtigkeiten und sogar zu sozialer Ausbeutung im Ausland.
Aus diesem Grund - und nur aus diesem Grund des Kindeswohls - bitte ich Sie, die Motion anzunehmen und den Antrag der Minderheit Sommaruga Carlo zu unterstützen.