Kunz Josef · Nationalrat · 2001-06-20
Kunz Josef · Nationalrat · Luzern · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2001-06-20
Wortprotokoll
Namens der Minderheit bitte ich Sie, der Stellungnahme des Bundesrates zuzustimmen und auf die Vorlage aus den im Folgenden aufgeführten Gründen nicht einzutreten.
Ich bin mir der Bedeutung der Informations- und Kommunikationstechnologien für unsere Wirtschaft und für die Schulung ihrer Träger sehr bewusst. Auch bin ich mir bewusst, dass der Ausbildung von gut qualifiziertem Fachpersonal auf allen Stufen - in Zusammenarbeit von Bund und Wirtschaft - grosse Priorität eingeräumt werden muss. So hat gerade die Privatwirtschaft in den letzten Jahren grosse [PAGE 846] Anstrengungen unternommen, um die bestehenden Lücken im Informatik- und Kommunikationsbereich durch gezielte Umschulung und Weiterbildung zu schliessen. Auch wurden vom Bund im Zusammenhang mit den Lehrstellenbeschlüssen I und II über 70 Projekte mit bisher rund 30 Millionen Franken gerade in diesen Bereichen unterstützt. Dies offenbar mit Erfolg, hat doch die Nachfrage nach Arbeitskräften im Informatik- und Kommunikationsbereich in letzter Zeit stark nachgelassen. Offenbar hat sich die Lage entschärft. Viele gut qualifizierte Berufsleute haben sich gerade in diesen Bereichen umschulen lassen oder haben sich entsprechend weitergebildet.
Eine neue Studie, die 3600 offene Stellen einbezieht, zeigt ein ganz klares Bild und spricht klar gegen die weitere Förderung im Informatikbereich. Von den 3600 untersuchten Stellen beziehen sich 600 - ich sage 600! - auf Facharbeiter und Handwerker, die damit an erster Stelle stehen. Es folgen dann Techniker, Zeichner, Ingenieure usw. Um der heutigen Situation in der Wirtschaft Rechnung zu tragen, müssen logischerweise vor allem in diesen Bereichen Förderungsmassnahmen eingeleitet werden. Der Informatikbereich steht bei dieser Studie mit 103 offenen Stellen an zweitletzter Stelle.
Diese Zahlen belegen klar und deutlich, dass wir mit dieser Umschulungs-Initiative eindeutig zu spät kommen und dass der Bundesrat die Lage richtig einschätzt, wenn er diese Vorlage ablehnt. Auch die Wirtschaftsverbände stehen diesen Förderungsmassnahmen verständlicherweise grösstenteils ablehnend gegenüber. Wie erwähnt hat die Wirtschaft durch Eigeninitiative, die es zu respektieren gilt, im Informatikbereich grosse Anstrengungen unternommen. Zum anderen befürchtet sie, dass durch zusätzliche Massnahmen des Bundes beim heute ausgetrockneten Arbeitsmarkt gut qualifizierte Berufsleute abwandern und danach nicht ersetzt werden können und somit in ihren Betrieben fehlen werden. Drängen wir mit dieser Vorlage den Bundesrat und die Wirtschaft nicht zu Massnahmen, die im Moment überflüssig und nicht nötig sind!
Deshalb bitte ich Sie, im Sinne des Bundesrates und der völlig richtig liegenden kleinen "Luzerner Minderheit" zu entscheiden und auf die Vorlage nicht einzutreten.