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Leumann-Würsch Helen · Ständerat · 2001-06-06

Leumann-Würsch Helen · Ständerat · Luzern · Freisinnig-demokratische Fraktion · 2001-06-06

Wortprotokoll

Die Motion verfolgt ja das Ziel, dass die Qualität verschiedener Studienrichtungen erhalten oder, wenn möglich, verbessert wird. Ich bin deshalb froh, dass sich der Bundesrat des Folgenden bewusst ist - er hat es in seiner Stellungnahme sehr eindrücklich dargelegt -: "Eine zusätzliche Anstrengung des Bundes in den kommenden Jahren ist vor allem im Hinblick auf den bestehenden grossen Nachholbedarf im Bereich der universitären Ausbildung gerechtfertigt. Die Betreuungsverhältnisse haben sich besonders in den Geistes- und Sozialwissenschaften in den letzten Jahren beträchtlich verschlechtert, sodass die Qualität der universitären Ausbildung gefährdet ist. Darunter leidet nicht nur die Lehre, sondern auch die Forschung."

Der Kanton Luzern - Sie wissen es; das hat ja auch zu diskutieren gegeben - hat im letzten Jahr darüber abgestimmt, ob die zwei bestehenden Fakultäten unserer universitären Hochschule, nämlich Theologie und Geisteswissenschaften, um eine dritte Fakultät ergänzt und somit zu einer richtigen Universität ausgebaut werden sollen. Als Präsidentin des Universitätsvereins - damit habe ich meine Interessenbindung dargelegt - habe ich miterlebt, mit wie viel Engagement und mit welcher Begeisterung die Bevölkerung unseres Kantons diesem Projekt zugestimmt hat und dass sie bereit ist, im Interesse unserer Zukunft und unserer Jugend zu investieren. Dies hat mich tief beeindruckt. Ähnliches haben wir ja an der Tessiner Universität erlebt, die wir während der Frühjahrssession besuchen konnten.

Wir haben auf privater Basis genug Geld gesammelt, um die dritte, nämlich die juristische Fakultät in den ersten fünf Jahren Kosten deckend betreiben zu können. Dies zeigt, dass wir uns nicht nur auf den Bund oder den Kanton verlassen, sondern bereit sind, auch auf privater Basis mitzuhelfen, die notwendigen Mittel zur Verfügung zu stellen. Gerade unsere Region ist auf ein umfassendes Bildungsangebot angewiesen. Wir haben sehr gute Fachhochschulen, doch gehört zu den Fachhochschulen immer auch das zweite Standbein, nämlich die Universität. Zu lange sind junge Leute wegen fehlender Möglichkeiten aus der Innerschweiz ausgewandert, und nur wenige sind zurückgekommen. Mit Auswandern meine ich nicht unbedingt Amerika; schon Zürich oder Basel genügte. Meine Familie ist dafür ein eindrückliches Beispiel.

Wenn Sie das nachlesen wollen, falls die Zeit einmal dazu reicht - wenn Sie nicht mehr Ständeräte sind -, dann kaufen Sie sich doch das Buch unserer Professoren Ries und Mattioli: "Eine höhere Bildung thut in unserem Vaterlande Noth." Es ist auf eine sehr eindrucksvolle und auch humoristische Weise dargelegt, wie eine 400-jährige Fakultät nie zu einer Universität ausgebaut wurde, weil immer wieder Querelen politischer Art das zu verhindern wussten, und wie alle Ansätze zu Ausbauten immer wieder im Keime erstickt wurden. Es zeigt auch sehr eindrücklich auf, wie gerade der fehlende Mut zu Investitionen in Bildung unsere Region für manches Jahrhundert in ihrer Entwicklung bremste und behinderte.

In unserem rohstoffarmen Land ist Aus- und Weiterbildung unser wichtigstes Gut, und entsprechend kommt unserem leistungsfähigen Forschungs- und Bildungswesen eine zentrale Bedeutung zu. Sie haben ja vorhin in der Berichterstattung von Kollege Stadler namens der GPK gehört, wie viel mehr andere Länder in den letzten Jahren investiert haben und wie das bei uns ein bisschen stagniert hat. Kollege Stadler sagte etwas, was uns zum Schmunzeln angeregt hat: "Die Bergler sagen, nur was in die Beine gehe, gehe auch in den Kopf."

Wir sollten mit dem Überweisen der Motion ein deutliches Zeichen setzen, dass unsere Jungen nicht ins Ausland rennen, also nicht die Beine brauchen müssen, um etwas in den Kopf zu bekommen, sondern dass das optimale Bildungsangebot im eigenen Land erhalten bleiben kann. Wir haben schon viel Geld in viel Dümmeres als in die Zukunft investiert.